Debatte
Nach Merz-Rede auf MSC
Braucht Deutschland eine eigene atomare Abschreckung?
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kündigte auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) an, dass er mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erste Gespräche über eine europäische nukleare Abschreckung aufgenommen habe. Zuletzt waren hierzulande bereits Stimmen lauter geworden, die wegen der europäischen Sicherheit den Bau einer deutschen Atombombe forderten. Hintergrund ist die wachsende russische Bedrohung und das schlechter gewordene Verhältnis zur Atomschutzmacht USA unter Präsident Donald Trump.
Der Brigadegeneral der Bundeswehr Frank Pieper forderte in einem Interview mit dem STERN angesichts der Aggression von Russland gegen Europa etwa: „Deutschland braucht eigene taktische Atomwaffen.“ Dabei handelt es sich um nukleare Sprengköpfe mit geringer Reichweite und Sprengkraft, die für den direkten Einsatz auf dem Gefechtsfeld gegen feindliche Truppen gedacht sind. Schon jetzt können Kampfjets der Bundeswehr mit solchen in Deutschland gelagerten Atombomben aus dem Arsenal der USA bestückt werden.
Ablehnung kommt hingegen von dem Verteidigungsexperten Carlo Masala. Er warnte vor einem deutschen Sonderweg und sprach von einer „Büchse der Pandora“, die man damit öffnen würde. Auch Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte sich zurückhaltend geäußert. In der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ sagte er, dass es bereits genug Atomwaffen auf der Welt gebe. Außerdem habe man mit Frankreich und Großbritannien bereits europäische NATO-Partner, die nuklear bewaffnet seien, und auch einen US-amerikanischen Schutzschirm, den niemand infrage stelle. Für viele stellt sich dennoch die Frage: Braucht Deutschland eine eigene atomare Abschreckung?
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