Rätseln über die Motive des Kriegstreibers: Handelt Putin noch rational?
Seit dem Kalten Krieg war die Angst vor einem Atomkrieg nicht mehr so groß wie heute. Der Staatspräsident einer Atommacht führt einen Krieg in Europa, dessen Abschreckungswaffen, zu denen auch Nuklearwaffen gehören, schon auf Alarmbereitschaft sind. Kriegstreiber ist eine Person, deren Handlungsmotive kaum noch jemand nachvollziehen kann und über deren geistigen Zustand vermehrt Zweifel aufkommen: Wladimir Putin.
Spitzenpolitiker:innen bezeichneten den russischen Präsidenten bereits als „verrückt“ oder „geisteskrank“. Sein Krieg in der Ukraine sei durch eine wirtschaftliche Kosten-Nutzen-Kalkulation nicht mehr zu erklären, seine Begründungen beschränkten sich auf bizarre Behauptungen und Ängste. Der britische Premier Boris Johnson hält Putin für einen „irrationalen Akteur“, der „ohne jede Logik denkt und das anstehende Desaster nicht sieht“. Ähnlich sehen das auch Psycholog:innen. Eine Psychologin argumentiert in einer auf PSYCHOLOGY TODAY veröffentlichten Studie, Putin sei durch seine lange Machtperiode hochgradig egozentrisch und blind für Risiken geworden.
Putins irrational scheinendes Verhalten könnte allerdings Strategie sein, meint der als Putin-Kenner geltende finnische Präsident Sauli Niinistö. „Das könnte auch Absicht sein – nämlich um Verwirrung zu stiften“, so Niinistö gegenüber CNN. Auch andere finden, Putins Aktionen seien durchaus zu erklären: „Putin ist nicht verrückt – er handelt ideologisch konsequent“, schreibt der Politikwissenschaftler Claus Leggewie in seinem Gastbeitrag für den SPIEGEL. Demnach handle Putin aus der Überzeugung, slawische Völker zu einer russischen Großmacht und gegen den Westen vereinen zu müssen. Dazu passen Meldungen des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND, dass sich Putin in den vergangenen Monaten viel mit historischen und ideologischen Schriften befasst habe.
Ist Putins Verhalten noch nachvollziehbar? Handelt Putin rational?