Debatte

„Heldenpräsident“: Ist die weltweite Verehrung Wolodymyr Selenskyjs berechtigt?

Debatte - 22.03.2022 | 6 Perspektiven

Während der Krieg in der Ukraine Tag für Tag fortschreitet, begleitet die ganze die schrecklichen Ereignisse so hautnah wie selten zuvor. Auf den sozialen Netzwerken werden täglich Videos und Fotos aus den Kriegsgebieten in der Weltöffentlichkeit verbreitet. Wie ein Film wird das Kriegsgeschehen auf dem Smartphone-Screen beobachtbar – und eine Person wird weltweit als Heldenfigur gefeiert: der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Mit emotionalen Ansprachen motiviert er seine Streitkräfte und die ukrainische Bevölkerung; die internationale Staatengemeinschaft fordert er zur Unterstützung auf – und das mit großem Erfolg. Von beispiellos harten Sanktionen gegen Russland, Waffenlieferungen an die Ukraine in Milliardenhöhe, Aufrüstungszusagen der NATO-Staaten hat er viel erreicht. Auf sozialen Medien folgen ihm Millionen und nicht wenige dort bezeichnen ihn als „Ehrenmann“, zeigen sich beeindruckt von seiner Entschlossenheit.

Die BILD bezeichnet ihn als „Heldenpräsident“, der SPIEGEL schreibt: „Alles ist erstaunlich an Selenskyj“. Sogar zuvor pro-russische Medien in der Ukraine stellen sich plötzlich auf die Seite des Präsidenten. Die Verehrung nimmt gar Ausmaße an, die an US-amerikanische Film- oder Pop-Stars erinnert. Ein Tweet, der viral ging, lautete: „Jede Frau in deinem Leben ist jetzt zumindest ein bisschen in Wolodymyr Selenskyj verknallt und es gibt absolut nichts, was du dagegen tun kannst“.

Doch diesen Zuspruch können nicht alle nachvollziehen. „Vom Kleptokraten zum Helden“, beschreibt etwa die Schweizer WELTWOCHE die Geschichte Selenskyjs. Die Verehrung des ukrainischen Präsidenten verschleiere seine korrupte Vergangenheit, heißt es dort. Und auch die WELT äußert Kritik am Helden-Status Selenskyjs. „Er täte seinem Volk einen großen Dienst, wenn er vor der Kapitulation aus der Ukraine flieht.“ Das Land brauche nun keinen Kriegshelden, sondern eine funktionierende Exilregierung.

Hat der ukrainische Präsident die weltweite Anerkennung aus Politik und Medien uneingeschränkt verdient? Oder ist die mediale Überhöhung zum „letzten Verteidiger der freien Welt“ und Kriegshelden übertrieben?

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