Debatte

Journalismus in Krisenzeiten

Sollten Medien immer nach objektiver Wahrheit streben?

Debatte - 08.11.2024 | 4 Perspektiven

Welche Rolle spielt die Wahrheit im öffentlichen Diskurs? Das ist eine Frage, die abstrakt klingt, aber sehr nah dran ist an den aktuellen politischen Realitäten. Fast jedes konfliktträchtige Geschehen wird begleitet von einem Streit um die Wahrheit. Donald Trump hat im US-Wahlkampf zahlreiche Lügen verbreitet, unter anderem von Migrant:innen, die Katzen und Hunde verspeisen. Dennoch wurde er zum US-Präsidenten gewählt. Zumindest macht man sich über die Lügen des ehemaligen und zukünftigen US-Präsidenten keine Illusionen.

In anderen Weltregionen ist die Trennung zwischen Wahrheit und Lüge nicht eindeutig – etwa in Kriegsgebieten. „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“, heißt ein berühmter Satz, der dem US-Republikaner Hiram Johnson (1866-1945) zugeschrieben wird. Das ist aktuell in der Ukraine der Fall, aber auch im Nahen Osten. Vor allem seit dem Hamas-Überfall auf Israel vom 7. Oktober und dem militärischen Vorgehen Israels im Gazastreifen sowie im Libanon werden die Konflikte auch in den hiesigen Medien ausgetragen.

Unter anderem vom Politikwissenschaftler und Nahost-Experten Kai Hafez wird dabei der Vorwurf erhoben, dass die deutschen Medien mehrheitlich die israelische Sichtweise unterstützen, wonach sich das Land nur selbst verteidigt. Die palästinensische Perspektive, so der Vorwurf, komme hingegen zu kurz. Vor allem in Krisenzeiten stellt sich daher auch für den Journalismus die Frage: Sollten sich Medien manchmal für eine vermeintlich „richtige“ Sache einsetzen, die im Ermessen des Mediums liegt? Oder sollten Medien immer nach objektiver Wahrheit streben?

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