Perspektive
zur Debatte vom 01. September 2021
🗳 Brauchen wir einen höheren CO2-Preis? ARGUMENTE AUS DEN MEDIEN
Ein höherer CO2-Preis kann den Armen helfen
Die Perspektive in 30 Sekunden
Die Ökonomin Christina Roolfs argumentiert für einen höheren CO2-Preis, wie ihn die Grünen fordern. Denn wenn man den teureren CO2-Preis mit einer Klimaprämie verbinde, würde diese Politik ärmere Haushalte sogar entlasten, erläutert sie im Interview mit der ZEIT.
Tatsächlich verbrauchen ärmere Haushalte nicht so viel CO2 wie wohlhabende Menschen, da sie in kleineren Wohnungen leben und weniger konsumieren, sagt Roolfs. Dennoch belastet ein CO2-Preis ärmere Menschen verhältnismäßig, einfach weil die Haushalte weniger Geld zur Verfügung haben. Um das auszugleichen, schlägt Roolfs die Klimaprämie vor: Bei einer CO2-Bepreisung von 50 Euro soll am Ende des Jahres jede:r pro Kopf 125 Euro als Ausgleichszahlung bekommen. Und zwar fix. Egal, wie viel CO2-Preis man tatsächlich gezahlt hat.
An einem Beispiel rechnet die Ökonomin aus, wie ärmere Menschen davon profitieren können: Bei 50 Euro CO2-Preis zahlten die einkommensschwächsten 20 Prozent der Haushalte damit im Durchschnitt 120 Euro im Jahr und bekämen 125 Euro pro Person und Jahr zurück. Roolfs bilanziert: „Die ärmsten 20 Prozent der Haushalte würden bei einem solchen Modell im Durchschnitt um gut 100 Euro pro Jahr entlastet werden.“ Sie merkt außerdem an, dass dieses Konzept keinen Gewinn für den Staat bedeutet. Es diene allein dem Klima und den Menschen.
Anmerkung der Redaktion
Malte Born ist Hospitant bei ZEIT ONLINE. Zuvor hat er die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg absolviert und war journalistisch für den Fernsehsender ARTE tätig.
Dr. Christina Roolfs ist eine deutsche Ökonomin. Nachdem sie 2010 bis 2012 in Oldenburg Nachhaltige Wirtschaft und Management studierte, schloss sie ihren Doktor in Wirtschaft in Berlin mit Auszeichnung ab. Nachdem sie als Forschungsassistent in Lausanne, Frankreich, und Oldenburg arbeitete, forscht sie seit 2020 am Mercator Forschungsinstitut zu Globalem Gemeingut und Klimawandel (MCC). Dort ist sie Mitglied der Arbeitsgruppe Wirtschaftswachstum und menschliche Entwicklung.
DIE ZEIT ist die größte deutsche Wochenzeitung und hat ihren Sitz in Hamburg. Sie zählt zu den deutschen Leitmedien und hat damit bedeutenden Einfluss in der Medienlandschaft. DIE ZEIT erscheint seit 1946 und wurde zunächst als rechtskonservatives Blatt ausgelegt. Erst in den 1960er Jahren wurde die Wochenzeitung als liberales Medium ausgerichtet. In gesellschaftspolitischen Fragen gilt DIE ZEIT als grundsätzlich (links-)liberal, hat allerdings auch viele Gastbeiträge aus dem gesamten Meinungsspektrum oder stellt Beiträge mit gegensätzlichen Meinungen gegenüber. Der NDR urteilt, DIE ZEIT gelte als „Blatt der Akademiker und Intellektuellen“ – und sei damit durchaus erfolgreich. Tatsächlich gehört DIE ZEIT zu den wenigen deutschsprachigen Printmedien, die seit der Digitalisierung an Auflage gewonnen haben. Zuletzt lag die verkaufte Auflage bei rund 625.000 Exemplaren (IVW Q4/2025). Die Website der ZEIT hatte im März 2026 55,5 Millionen Aufrufe (Quelle: Similarweb). 2021 veröffentlichte DIE ZEIT einen Gastbeitrag des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Darin plädierte er für eine engere Kooperation zwischen Russland und Europa, übte jedoch zugleich deutliche Kritik an NATO und Europäischer Union. Die Veröffentlichung löste eine breite Kontroverse aus; insbesondere wurde die Zeitung dafür kritisiert, dem russischen Präsidenten eine Plattform zu bieten. Die ZEIT hat mehrere Podcasts, darunter sehr erfolgreiche Reihen wie „Alles gesagt?“ und „ZEIT Verbrechen“. Chefredakteure sind Jochen Wegner und Giovanni di Lorenzo, der auch Mitherausgeber des TAGESSPIEGELS ist. Die Zeitung erscheint im Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, dessen Eigentümer zu unterschiedlichen Teilen der Holtzbrinck-Familie angehören. Die DvH Media Group, die 50 Prozent der Anteile am Zeitverlag hält, besitzt außerdem die Titel HANDELSBLATT, WIRTSCHAFTSWOCHE und den TAGESSPIEGEL.
Originalartikel
"Ärmere Haushalte gehören nicht zwangsläufig zu den Verlierern"
DIE ZEIT
Malte Born
Christina Roolfs 15.06.2021 ·
3 Minuten ·
Deutsch
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