Perspektive
zur Debatte vom 01. September 2025
Braucht Deutschland eine Debatte über eine neue Nationalhymne und Flagge? Pro
Allein der Diskussionsprozess kann schon enorm hilfreich sein
Die Perspektive in 30 Sekunden
In den Augen von Christian Tretbar stellt der Vorschlag Bodo Ramelows für eine neue Nationalhymne einen sinnvollen Beitrag zur Debatte um den deutschen Einheitsprozess dar. Laut dem Chefredakteur der Tageszeitung DER TAGESSPIEGEL ersetzt Symbolpolitik zwar niemals harte und notwendige Sachpolitik. Sie könne aber dazu beitragen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu verbessern.
West- und Ostdeutschland haben Tretbar zufolge zwar deutliche Fortschritte gemacht, viele Ostdeutsche fühlen sich dem Chefredakteur nach jedoch immer noch ungehört und unverstanden. Gefühle spielen dabei, laut Tretbar, in der Identität und im gesellschaftlichen Zusammenleben eine wichtige Rolle. Man könne die Gefühle der Ostdeutschen daher nicht einfach ignorieren oder „am besten mit einer westdeutschen Perspektive einfach von oben herab wegmoderieren“, mahnt Tretbar.
Nach dem Mauerfall sei es nämlich versäumt worden, eine gemeinsame Wertebasis zu formulieren und zu schaffen. Das könnte man aber jetzt noch nachholen. Laut dem Chefredakteur ist allein der Diskussionsprozess schon enorm hilfreich dabei, den Einheitsprozess wieder anzukurbeln: „Denn er bedeutet zuhören, verstehen, akzeptieren und in Nutzbares wandeln.“
Anmerkung der Redaktion
Christian Tretbar ist Journalist und Chefredakteur des TAGESSPIEGELS. Zuvor leitete er die Chefredaktion zusammen mit Harald Martenstein. Tretbar hat Publizistik und Politikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz studiert. Tretbar ist seit 2004 beim TAGESSPIEGEL beschäftigt. Seine Karriere hat hier als Sportreporter begonnen, darauf folgend hat er ein Volontariat bei der Zeitung absolviert und anschließend über innenpolitische Themen berichtet. Schließlich ist er Chefredakteur Online geworden und hier hauptverantwortlich für die Digitalisierung des TAGESSPIEGELS gewesen. Tretbar geriet in Kritik, als sein früherer Mit-Chefredakteur Harald Martenstein nach 34 Jahren vom TAGESSPIEGEL gehen musste. Martenstein schrieb in einer Kolumne vom 6. Februar 2022, dass das Tragen von Judensternen auf COVID-19-Demonstrationen „sicher nicht antisemitisch“ sei, da sich die Demonstranten mit den Juden als Opfer identifizieren würden. Tretbar wurde daraufhin vorgeworfen, die Leserschaft im Unklaren gelassen und der Öffentlichkeit gegenüber die Unwahrheit gesagt zu haben. Tretbar und die Chefredaktion des Tagesspiegels wiesen jedoch in einer Stellungnahme darauf hin, mit Martenstein über seine Kolumne und die Kritik daran gesprochen zu haben.
DER TAGESSPIEGEL ist eine 1945 gegründete Tageszeitung aus Berlin. Chefredakteur ist Christian Tretbar, die Herausgeber sind Lorenz Maroldt und Giovanni di Lorenzo. Im Unterschied zur BERLINER ZEITUNG wird der TAGESSPIEGEL traditionell vor allem in den westlichen Bezirken der Stadt gelesen, da die Mauer die Verbreitung der Zeitung auf Westberlin beschränkt hatte. Eine 2024 durchgeführte Untersuchung der Universität Mainz zu 47 Medien ordnet die „ideologische Grundpositionierung“ des TAGESSPIEGELS als gemäßigt liberal-progressiv und gemäßigt sozialstaatsorientiert ein. Seit 2014 erhält der TAGESSPIEGEL besondere Aufmerksamkeit dank seines Checkpoint-Newsletters, der täglich aus Berlins Politik, Wirtschaft und Gesellschaft berichtet. EUROTOPICS beschreibt die Blattlinie der Zeitung als liberal. Der TAGESSPIEGEL wurde lange Zeit den regionalen Zeitungen zugerechnet, verfolgt seit einigen Jahren jedoch verstärkt eine überregionale Ausrichtung. Die Printauflage bleibt jedoch stark regional dominiert. Die verkaufte Auflage der Zeitung betrug im vierten Quartal 2025 rund 98.000 Exemplare (IVW), ihre Website verzeichnete laut Similarweb im März 2026 45,2 Millionen Besuche. Im Jahr 2025 war der TAGESSPIEGEL die meistzitierte Regionalzeitung Deutschlands (Quelle: Media Tenor). 2022 geriet die Chefredaktion des TAGESSPIEGELS infolge einer Kolumne des ehemaligen Chefredakteurs Harald Martenstein in die Kritik. In dem Artikel bezeichnete Martenstein das Tragen von Judensternen auf Corona-Demonstrationen als „sicher nicht antisemitisch“. Daraufhin distanzierte sich die TAGESSPIEGEL-Chefredaktion und depublizierte den Online-Beitrag. Der TAGESSPIEGEL erscheint im Verlag Der Tagesspiegel GmbH, der zur DvH Medien GmbH der Holtzbrinck-Familie gehört. Der DvH gehören außerdem die Titel HANDELSBLATT, WIRTSCHAFTSWOCHE sowie 50 Prozent des Verlags der ZEIT.
Originalartikel
orschläge von Bodo Ramelow: Neue Flagge und Hymne? Wir brauchen die Debatte darum
DER TAGESSPIEGEL
Christian Tretbar 29.08.2025 ·
2 Minuten ·
Deutsch
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