Perspektive

zum Tagesthema vom 02. März 2022
Hoffnungsschimmer Diplomatie? Linke-Politikerin Wagenknecht plädiert für Angebot an Russland
Lob

Auch der Westen muss ein Verhandlungsangebot unterbreiten

Die Perspektive in 30 Sekunden

Gerade jetzt, wo die Waffen sprechen, sei Diplomatie gefragt. Und diese besteht laut dem Wirtschaftsethiker und Ex-Siemens-Vorstand darin, Putins Wandel zu verstehen und ihn an alte Vorschläge zu erinnern. Dabei erinnert Grassmann für das netzpolitische Online-Magazin TELEPOLIS an die Bundestagsrede des russischen Präsidenten im Jahr 2001.

In dieser habe er appelliert, aus der Geschichte zu lernen und ein neues Fundament für Europa zu bauen. In den beiden vergangenen Jahrzehnten sei jedoch die Möglichkeiten versäumt worden, Russland in eine europäische Sicherheitsarchitektur einzubinden. Nun darauf zu warten, das Moskau zu Verhandlungen bereit sei, genüge daher nicht, so Grassmann. „Es ist auch an der Zeit für ein Verhandlungsangebot unsererseits an Russland über eine europäische Sicherheitsordnung, auf Augenhöhe und Verständnis für die Sicherheitsbedenken beider Seiten.“

Grassmann glaubt, dass es dafür noch nicht zu spät sei. Noch halte sich der Krieg in der Ukraine in Grenzen. „Aber weitere osteuropäische Nationen sind gefährdet.“ Und vor allem bleibe Russland als die einzige Alternative zu einem Bündnis mit Europa eine Allianz mit China. „Und deren Autokraten sind noch weitaus gefährlicher mit ihrem Expansionsanspruch an Taiwan.“

Anmerkung der Redaktion

ist Wirtschaftsethiker, Ex-Siemens-Vorstand und Autor. Grassmann hat Physik an der Technischen Universität München studiert und 1968 am Max-Planck-Institut für Physik im Bereich Plasmaphysik promoviert. Ab 1969 hat er bei der Siemens AG im Bereich Medizintechnik gearbeitet, wo er die Computertomografie und Kernspintomografie maßgebend ausgebaut hat. Ab 1994 war er außerdem Vorstandsvorsitzender bei Carl Zeiss. Inzwischen setzt sich Grassmann für die Werteregulierung der Marktwirtschaft ein und kämpft gegen die Klimakatastrophe, unter anderem im Beirat der Scientists for Future, eine Initiative von Wissenschaftler:innen als Teil der Bewegung Fridays for Future.

TELEPOLIS ist ein Online-Magazin, das 1996 gegründet wurde und einen besonderen Fokus auf Netzpolitik legt. Nach eigenen Angaben will TELEPOLIS „kritisch die gesellschaftlichen, politischen, wissenschaftlichen, kulturellen und künstlerischen Aspekte des digitalen Zeitalters“ beleuchten. Chefredakteur ist . TELEPOLIS gehört zu Heise Medien und damit zur Heise Gruppe. Das Online-Magazin hat mehrere Preise für seine Berichterstattung gewonnen, unter anderem den Grimme-Online-Award und den Lead-Award in der Kategorie Special-Interest-Onlinemagazin. 2021 schrieb der Journalist und ehemalige Mitarbeiter Thomas Konicz, das Magazin bewege sich unter seinem damaligen Chefredakteur in Richtung „opportunistisch und rechtsoffen-populistisch“. Unter der Leitung von Neuber erhielt TELEPOLIS 2022 ein neues Leitbild und versteht sich seither als überparteiliches Magazin, das aktuelle Informationen sowie zugespitzte Analysen für eine sich wandelnde Gesellschaft und bereitstellt. Ältere Beiträge wurden zunächst mit einem Hinweis versehen und später vollständig entfernt. Neuber selbst schrieb im Juli 2023: „Telepolis ist weder rechts noch links, sondern immer demokratisch und kritisch – in alle Richtungen, vor allem aber gegenüber den Akteuren in unserem Land. Eingebetteten Journalismus, wie er in privaten und öffentlich-rechtlichen Medien immer mehr um sich greift, wird es hier nicht geben.“ TELEPOLIS hatte im April 2026 rund 1,7 Millionen Aufrufe (Quelle: Similarweb).

Originalartikel
Angriff auf die Ukraine: Warum wir jetzt Stärke und Diplomatie brauchen
TELEPOLISPeter Grassmann
01.03.2022 · 5 Minuten · Deutsch
Die Buzzard-Expert:innen haben diesen Artikel aus über 2.000 Medien für dich recherchiert und zusammengefasst, damit du in kurzer Zeit einen möglichst umfassenden Blick auf das Thema bekommst. Mehr...
Zum Artikel