Perspektive
zur Debatte vom 08. April 2026
Ist die Aufregung über die Meldepflicht beim Wehrdienstgesetz gerechtfertigt? Pro
Auch mit Beschwichtigung: Das schädigt das Vertrauen in die Politik
Die Perspektive in 30 Sekunden
Die Politik-Ressortleiterin Christine Dankbar findet in der linksliberalen Tageszeitung FRANKFURTER RUNDSCHAU (FR), dass die Aufregung über die Meldepflicht im Wehrdienstgesetz berechtigt ist. Die Regelung sei nicht nur überraschend bekannt geworden, sondern betreffe auch unmittelbar den Alltag vieler Männer. Außerdem gefährde das das Vertrauen in die Politik.
Kritisch sieht die Autorin vor allem die Umsetzung der Meldepflicht. Laut Dankbar kann das Verteidigungsministerium selbst auf Nachfrage zunächst nicht klar erklären, wie und wo die geforderte Genehmigung beantragt werden soll. Viele Details seien offen geblieben. Das verstärke den Eindruck, dass die Regelung schlecht vorbereitet sei. Die Vorschrift bestätige zentrale Kritik an der Politik: „Unverhältnismäßigkeit von Gesetzen, Bürokratie und Intransparenz“, schreibt sie. Für Betroffene wirke es so, als entstehe ein neues „Bürokratiemonster“.
Zugleich ordnet Dankbar die Regelung politisch ein. Sie betont, dass die Genehmigungspflicht früher nur im Spannungs- oder Verteidigungsfall galt. Jetzt greife sie aber auch im Alltag. Auch wenn das Ministerium erklärt, Anträge seien „grundsätzlich zu genehmigen“, ändere das wenig am Signal. Die Bundeswehr greife damit viel weiter in das Leben der Betroffenen ein, als sie bisher ahnten. Das könnte das Vertrauen in die Politik besonders bei jungen Menschen weiter schwächen, fürchtet Dankbar.
Anmerkung der Redaktion
Christine Dankbar ist Journalistin und Diplom-Politologin. Sie ist seit September 2023 Politikchefin der FRANKFURTER RUNDSCHAU. Zuvor war sie Ressortleiterin für Politik und Gesellschaft bei der BERLINER ZEITUNG und berichtet zusätzlich für die TAZ. Zu Beginn ihrer Karriere hat sie beim TAGESSPIEGEL volontiert (1991-1993) und war Pressesprecherin der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag (1990-1991). Anschließend war Dankbar ein Jahr Pressesprecherin der Freien Universität Berlin. Sie ist ebenso bekannt durch ihre Kommentierung im TV beim ZDF-Morgenmagazin und bei Phoenix „Nachgefragt“.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU (FR) ist eine Tageszeitung mit Sitz in Frankfurt am Main, Chefredakteurin ist Sabrina Hoffmann. Die FR erschien erstmals 1945 und sollte ein linksliberales Gegenmodell zur eher konservativ ausgerichteten Frankfurter Konkurrenz (FAZ, FNP) darstellen. Durch die Medienkrise brach das sonst auflagenstarke Blatt ab 2001 ein und musste 2012 Insolvenz anmelden. Das Goethe-Institut bemerkte 2011, das einstige „Leitmedium der linken Intellektuellen“ sei redaktionell „bis zur Bedeutungslosigkeit ausgedünnt“. Nach mehreren Übernahmen und Verkäufen in den letzten zwanzig Jahren gehört die FR seit 2018 zur Ippen-Verlagsgruppe, einem der größten Medienkonzerne in Deutschland. Zu ihm gehören etwa der MÜNCHNER MERKUR, die TZ und der WESTFÄLISCHE ANZEIGER. Der Ippen-Konzern stand 2021 in der Kritik, weil Verlagschef Dirk Ippen eine kritische Berichterstattung seines verlagseigenen Investigativ-Teams über den umstrittenen Ex-BILD-Chefredakteur Julian Reichelt verboten hatte. Im Januar 2026 machte ÜBERMEDIEN darauf aufmerksam, dass die Ippen-Medien FRANKFURTER RUNDSCHAU und der MERKUR eine Reportage des britischen GUARDIANS teils direkt übernommen hatten, vermutlich mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Die Auflage der FRANKFURTER RUNDSCHAU wird nur zusammen mit anderen Publikationen des Ippen-Konzerns im Raum Hessen ausgegeben: Die verkaufte Auflage dieser insgesamt sechs Publikationen lag im vierten Quartal 2022 bei rund 141.000 Exemplaren. Seit dem ersten Quartal 2023 werden die Auflagenzahlen der gesamten Publikationen nicht mehr gemeldet. Website der FR wurde im März 2026 44,9 Millionen Mal aufgerufen (Quelle: Similarweb).
Originalartikel
Neues Wehrpflichtgesetz sorgt für Ärger: Von wegen nur ein Fragebogen
FRANKFURTER RUNDSCHAU (FR)
Christine Dankbar 06.04.2026 ·
2 Minuten ·
Deutsch
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