Perspektive
zur Debatte vom 28. März 2024
Sollte der Ramadan in Deutschland generell mehr öffentlichen Raum bekommen? Pro
Solche symbolischen Gesten können zeigen, dass alle religiösen Gruppen gleichwertig sind
Die Perspektive in 30 Sekunden
Muslimisches Leben äußert sich hierzulande nicht mehr nur in den eigenen vier Wänden, sondern auch durch repräsentative Gotteshäuser, schulischen Islamunterricht oder Muezzin-Rufe. Auf diesen Umstand weist die Politologin Saba-Nur Cheema in einem Gastbeitrag für die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG hin.
Dass öffentliche Ramadan-Beleuchtung wie in Frankfurt für Empörung sorgt, kann sie daher nicht nachvollziehen. So stört sie sich unter anderem an der Kritik, dass dafür der „deutsche Steuerzahler“ aufkommen müsse – „als ob Muslime keine Steuern zahlten und keine Deutsche seien könnten“, wie Cheema dem entgegenhält. Vielmehr zeigt sie sich überzeugt: „Solche symbolischen Gesten stehen vor allem für die Gleichwertigkeit aller Gruppen im öffentlichen Raum.“
Dass Islamisten davon profitieren, wenn der Islam im öffentlichen Raum sichtbar gemacht wird, glaubt Cheema nicht. „Das ist genauso wahr wie der Gedanke, dass die Weihnachtsbeleuchtung christlich-fundamentalistische Evangelikale stärke“, merkt die Politologin süffisant an. Wenn schon etwas in die Hände der Islamisten spiele, seien das solche muslimfeindlichen Empörungswellen.
Anmerkung der Redaktion
Saba-Nur Cheema ist Politikwissenschaftlerin und Beraterin der Bundesregierung im Kampf gegen antimuslimischen Rassismus. Das Studium der Politikwissenschaften hat sie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main absolviert. Seit 2015 ist sie die Leiterin der pädagogischen Projekte der Bildungsstätte Anne Frank. Zusätzlich doziert sie an der Frankfurt University of Applied Sciences und entwickelt Projekte zu historisch-politischer Bildung, rechten Ideologien, (antimuslimischem) Rassismus und Antisemitismus. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Meron Mendel schreibt sie die Kolumne „Muslimisch-jüdisches Abendbrot“ in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG (FAZ).
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