Perspektive

zur Debatte vom 17. April 2026
Ist es richtig, homöopathische Leistungen als Kassenleistung abzuschaffen?
Contra

Bei der Homöopathie werden Patienten noch als Menschen wahrgenommen

Die Perspektive in 30 Sekunden

„Das hilft niemandem“, kommentiert Frederic Valin in der linken TAGESZEITUNG (TAZ) den Plan von Gesundheitsministerin (CDU), Homöopathie als Kassenleistung abzuschaffen. In den Augen des Autors und Journalisten übernimmt die Homöopathie im Gesundheitssystem eine wichtige Aufgabe.

Für Valin verbirgt sich hinter der Homöopathie mehr als nur eine wirkungslose Leistung, die weggespart werden muss. So müsse man sich insgesamt die Frage stellen, warum diese Behandlung überhaupt derart beliebt ist, dass Krankenkassen sie fördern. Im Gegensatz zur evidenzbasierten Medizin spielen bei der Homöopathie nämlich Faktoren wie Empathie, Zeit und Zuwendung eine Rolle, meint Valin. Während Patient:innen von herkömmlichen Ärzt:innen ihm zufolge wie beim Mechaniker abgefertigt werden, nehme man sich in der Homöopathie Zeit für sie und betrachte sie wirklich als Menschen.

Die Nachfrage nach Homöopathie ist damit laut Valin ein Symptom dafür, dass das System Medizin nur auf Profit aus ist und damit den Menschen vernachlässigt. Sie werde dort gebraucht, wo der Bedarf über konkrete Wirkungen hinausgeht. „Hier jetzt einfach die Kosten zu streichen, ohne diesen Bedarf anzuerkennen, ist im Grunde auch nur ein Herumdoktern an den Bilanzen der Maschine Mensch“, findet Valin.

Anmerkung der Redaktion

ist Buchautor und Journalist. Der studierte Germanist und Romanist arbeitet darüber hinaus als Pflegekraft und beschäftigt sich in seinen Texten hauptsächlich mit Themen rund um Pflege. Er schreibt unter anderem für die als links geltenden Medien TAZ, die JUNGLE WORLD und ANALYSE & KRITIK. 2010 veröffentlichte er das Buch „Randgruppenmitglied“, das sich mit gesellschaftlich ausgeschlossenen Menschen beschäftigt, 2021 erschien seine Abhandlung „Pflegeprotokolle“, in der er Angehörige der Pflegebranche in Form von Gesprächsprotokollen aus ihrem Berufsalltag berichten lässt.

Die TAGESZEITUNG (TAZ) ist eine überregionale deutsche Tageszeitung mit Hauptsitz in Berlin. Sie wurde 1978 als alternative, selbstverwaltete Zeitung gegründet – unter anderem vom Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele. Die Zeitung hat sich besonders in ihrer Anfangszeit an Linke, Studierende, Grüne und die Hausbesetzer-Bewegung gerichtet. Erklärtes Ziel der TAZ ist es seither, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Sie gehört heute zu den zehn größten überregionalen Tageszeitungen in Deutschland, mit einer verkauften Auflage von rund 33.000 Exemplaren (3/2025, IVW). Seit Oktober 2025 erscheint die TAZ unter der Woche nur noch digital, lediglich die Wochenendausgabe wird noch gedruckt. Die Webseite der TAZ verzeichnete im März 2026 17,2 Millionen Zugriffe monatlich (Quelle: Similarweb). Das Goethe-Institut verortet die TAZ als „grün-linkes“ Blatt und betont besonders die oft sehr kritische Berichterstattung der Zeitung. Die TAZ hat sich online gegen Bezahlschranken entschieden und gibt Lesenden auf ihrer Website freiwillig die Option, zu zahlen. Außerdem bietet sie ein reguläres Abonnement mit drei unterschiedlichen Preisstufen in einem sogenannten „Soli-Preis-System“ an, bei dem Abonnent:innen selbst entscheiden können, wie viel sie zahlen. 1980 beschloss die Belegschaft der TAZ die erste Frauenquote Deutschlands (52 Prozent aller Planstellen in jedem Bereich). 2014 wurde die TAZ zu einer Entschädigungszahlung dafür verurteilt, dass sie eine Volontariatsstelle nur für Frauen ausgeschrieben hatte und männliche Bewerber damit laut Urteil diskriminierte. Die TAZ hat neben einigen journalistischen Preisen auch mehrere Rügen des Presserats erhalten. Sie wird seit 1992 genossenschaftlich herausgegeben, um unabhängig von großen Medienunternehmen zu bleiben. Jährlich findet eine Generalversammlung statt, an der jedes der zuletzt über 25.000 Mitglieder teilnehmen kann. Die Chefredaktion teilen sich , und Katrin Gottschalk.

Originalartikel
Ungedeckter Redebedarf
DIE TAGESZEITUNG (TAZ)Frédéric Valin
31.03.2026 · 2 Minuten · Deutsch
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