Perspektive

zur Debatte vom 27. November 2025
Sollte die Bundesregierung an beratenden Bürgerräten festhalten?
Pro

Bürgerräte schaffen Austausch und tragen zu einer lebendigen Gesellschaft bei

Die Perspektive in 30 Sekunden

Der Reporter kritisiert in der linken, überregionalen Tageszeitung ND (NEUES DEUTSCHLAND) die Abschaffung der Bürgerräte. Seiner Meinung nach sorgen die Räte für den Austausch unter Menschen und somit für eine lebendige Gesellschaft.

Vor dem Hintergrund, dass sich „Milieus voneinander entfernen und die Gesellschaft zunehmend gespaltet ist“, findet Otto solche Formate unverzichtbar. „Sie bringen Menschen zusammen, die im Alltag kaum je miteinander reden würden“, schreibt er über die Bürgerräte. So etwas sorgt seiner Ansicht nach dafür, dass sich der gesellschaftliche Diskurs verbessert.

Die Warnung der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), dass durch das Format die Rolle der Parlamentarier eingeschränkt wird, teilt der Reporter hingegen nicht. „Bürgerräte erarbeiten nur Empfehlungen“, wendet er ein. Die Politik kann diese demnach zwar umsetzen, muss es aber nicht. Als positives Beispiel nennt Otto den letzten Bürgerrat zur Ernährung, der solche Empfehlungen für die Politik erarbeitet hat.

Anmerkung der Redaktion

ist Redakteur bei der linken Tageszeitung ND. Dort arbeitet er seit 2013 im Politik-Ressort. Otto hat Germanistik, Geschichte und Soziologie in Potsdam studiert. Er berichtet über Themen aus dem Inland und verantwortet die Reportageseite im ND. Otto äußerte sich im November 2021 in einer Bilanz zu Angela Merkels Flüchtlingspolitik kritisch: Der Satz „Wir schaffen das“ sei hinfällig, denn eigentlich habe Deutschland angesichts der humanitären Krisen an den EU-Grenzen versagt. Deutschland hätte mehr unternehmen müssen, die Flüchtlingskrise international zu lösen.

ND (ehemals NEUES DEUTSCHLAND) ist eine überregionale Tageszeitung, die einen „Journalismus von links“ vertritt. In ihrer Satzung bezeichnet sich die ND als „sozialistische Zeitung“. Sie wurde 1946 in Berlin gegründet. Zu DDR-Zeiten war sie das publizistische Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und gehörte nach der Wende der Partei PDS. Deren Nachfolgepartei DIE LINKE besaß bis Ende 2021 noch 50 Prozent der Anteile an der Zeitung. ND beschreibt sich selbst als Tageszeitung, „die mit linkem Ideengut über den Tellerrand des journalistischen Alltags hinausdenkt“. Man wolle sich für Menschenrechte und Minderheiten einsetzen und sei dem Kampf gegen Rassismus, Klassismus, Antisemitismus, Sexismus und Faschismus und für den Frieden verpflichtet. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung bescheinigt der Zeitung eine einseitige Berichterstattung: Marktwirtschaft sei „Kapitalismus“, westliche Außenpolitik „Imperialismus“. Außerdem sei die Zeitung DDR-nostalgisch. Nach eigenen Angaben hat die Zeitung 2022 600.000 Euro Verlust gemacht. Im Juni 2023 gab die Zeitung daher bekannt, akut gefährdet zu sein. Es folgten Kosteneinsparungen und eine Spendenkampagne, um ihr Überleben zu retten. Seit April 2026 erscheint die Tagesausgabe der Zeitung aus Kostengründen komplett digital. Einen Grund für die Misere sieht ND darin, dass die Zeitung seit 2022 von einer Genossenschaft herausgegeben wird. Damit gehört sie den Leser:innen und Mitarbeiter:innen aus und Verlag und ist somit unabhängig von großen Unternehmen. Der neue Geschäftsführer, Gerd Stodiek, äußerte sich dazu: „Beim ›nd‹ ist ordentlich Druck auf dem Kessel. Da muss man innovativ sein und kann es sich nicht bequem machen.“ Er wolle mit der ND dem Rechtsruck in Deutschland entgegentreten. Die kollektive Redaktionsleitung besteht aus Regina Stölzel, und Kern. Die Website der ND hatte im März 2026 745,7 Tausend Aufrufe (Quelle: Similarweb).

Originalartikel
Bürgerräte: Engagement unerwünscht
ND (NEUES DEUTSCHLAND)Stefan Otto
26.11.2025 · 1 Minute · Deutsch
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