Perspektive
zur Debatte vom 05. Juni 2025
Sollte Deutschland auf Kernfusion setzen, um saubere Energie zu gewinnen? Contra
BUND-Chef: Kernfusionstechnik lässt sich nicht sinnvoll für die Energiewende einsetzen
Die Perspektive in 30 Sekunden
Bei der linken Tageszeitung ND kritisiert der Vorsitzende des Bunds für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Olaf Bandt, den Fokus auf die Fusionsforschung. Ob und wann die Technologie für die Energiegewinnung nutzbar sein wird, ist ihm zufolge bisher unklar. Er findet daher, dass Deutschland lieber in die Gegenwart investieren sollte.
„Für den Klimaschutz kommt die Technik in jedem Fall zu spät“, ist sich Bandt sicher. Dass bis 2050 Strom aus einem Fusionsreaktor gewonnen wird, hält Bandt für unrealistisch. „Der Umbau des Energiesektors hin zur Klimaneutralität muss dann bereits abgeschlossen sein“, gibt er zu bedenken. Investitionen in die Fusionsforschung hält Bandt daher für „herausgeworfenes Geld“. Wichtig seien „Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele und zur Sicherung der Energieversorgung im Hier und Jetzt“.
Zusätzlich sind bis jetzt noch einige Probleme für die Nutzung der Fusionsreaktoren ungeklärt, fügt Bandt hinzu. Bis diese Probleme gelöst sind, seien „alle Vorhersagen über die Nutzung der Kernfusion als Energiequelle Kaffeesatzleserei“. Eines dieser Probleme ist laut Bandt die Versorgung mit dem Brennstoff Tritium: Den müssten die Fusionsreaktoren nämlich selber herstellen. Ob das technisch möglich ist, sei noch unklar.
Anmerkung der Redaktion
Olaf Bandt ist Ingenieur und der Vorsitzende des Bunds für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Bandt engagiert sich seit 1992 für die Umweltschutzorganisation und hat in seiner Vorstands-Antrittsrede 2019 gefordert, aufgrund der Klima- und Artenkrise die Art und Weise zu ändern, „wie wir leben, produzieren und konsumieren“. Er schreibt eine wöchentliche Klimakolumne für ND
ND (ehemals NEUES DEUTSCHLAND) ist eine überregionale Tageszeitung, die einen „Journalismus von links“ vertritt. In ihrer Satzung bezeichnet sich die ND als „sozialistische Zeitung“. Sie wurde 1946 in Berlin gegründet. Zu DDR-Zeiten war sie das publizistische Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und gehörte nach der Wende der Partei PDS. Deren Nachfolgepartei DIE LINKE besaß bis Ende 2021 noch 50 Prozent der Anteile an der Zeitung. ND beschreibt sich selbst als Tageszeitung, „die mit linkem Ideengut über den Tellerrand des journalistischen Alltags hinausdenkt“. Man wolle sich für Menschenrechte und Minderheiten einsetzen und sei dem Kampf gegen Rassismus, Klassismus, Antisemitismus, Sexismus und Faschismus und für den Frieden verpflichtet. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung bescheinigt der Zeitung eine einseitige Berichterstattung: Marktwirtschaft sei „Kapitalismus“, westliche Außenpolitik „Imperialismus“. Außerdem sei die Zeitung DDR-nostalgisch. Nach eigenen Angaben hat die Zeitung 2022 600.000 Euro Verlust gemacht. Im Juni 2023 gab die Zeitung daher bekannt, akut gefährdet zu sein. Es folgten Kosteneinsparungen und eine Spendenkampagne, um ihr Überleben zu retten. Seit April 2026 erscheint die Tagesausgabe der Zeitung aus Kostengründen komplett digital. Einen Grund für die Misere sieht ND darin, dass die Zeitung seit 2022 von einer Genossenschaft herausgegeben wird. Damit gehört sie den Leser:innen und Mitarbeiter:innen aus Redaktion und Verlag und ist somit unabhängig von großen Unternehmen. Der neue Geschäftsführer, Gerd Stodiek, äußerte sich dazu: „Beim ›nd‹ ist ordentlich Druck auf dem Kessel. Da muss man innovativ sein und kann es sich nicht bequem machen.“ Er wolle mit der ND dem Rechtsruck in Deutschland entgegentreten. Die kollektive Redaktionsleitung besteht aus Regina Stölzel, Ines Wallrodt und Oliver Kern. Die Website der ND hatte im März 2026 745,7 Tausend Aufrufe (Quelle: Similarweb).
Originalartikel
Kernfusion: Nicht geeignet für die Energiewende
ND (NEUES DEUTSCHLAND)
Olaf Bandt 03.04.2025 ·
3 Minuten ·
Deutsch
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