Perspektive
zur Debatte vom 14. Januar 2026
Sind Trumps „Einflusssphären“ eine Gefahr für die globale Ordnung? Contra
Das erkennt einfach nur die geopolitischen Realitäten an
Die Perspektive in 30 Sekunden
In der konservativ-libertären US-Zeitschrift THE AMERICAN CONSERVATIVE sieht der Analyst für Außenpolitik Leon Hadar keine Gefährdung der globalen Ordnung durch US-Präsident Donald Trump. Die Betonung von Einflusssphären ist ihm zufolge stattdessen eine längst überfällige Anerkennung geopolitischer Realitäten.
Seiner Meinung nach ist der bisherige Versuch der USA, sich überall auf der Welt in Konflikten einzusetzen, gescheitert. „Dass die NATO unbegrenzt expandieren kann, dass Amerika jede Grenze kontrollieren und jede Nation garantieren kann“, sei eine Illusion und habe zu kostspieligen Konflikten geführt. Als Beispiel nennt er etwa den Konflikt um die Ukraine: Ohne die Mittel und den Willen zu besitzen, sie im Ernstfall zu verteidigen, habe man ihr die NATO-Mitgliedschaft versprochen – mitten innerhalb der russischen Interessensphäre. Mit einem Respekt vor Einflusszonen hätte die Ukraine ihre Unabhängigkeit wahren und eine viel bessere Lösung erreichen können als mit dem Krieg jetzt, ist Hadar überzeugt.
Trumps neuen Ansatz, der sich nur noch auf die westliche Hemisphäre konzentriere, findet er deshalb gut, weil er die „endlosen amerikanischen Interventionen“ beenden könne. „Einflusssphären beseitigen nicht die Souveränität, sie sind eine Anerkennung dessen, dass Geografie wichtig ist und dass Großmächte handeln werden, um feindliche Militärbündnisse an ihren Grenzen zu verhindern“, so Hadar. Auch in Asien beispielsweise könne das Konzept stabile Konkurrenz ermöglichen: Die USA akzeptieren die Realität, dass China seine nahen Meere dominiert, ohne den gesamten Pazifik herzugeben, und verhindern so einen direkten Konflikt – so Hadars Idee.
Anmerkung der Redaktion
Leon Hadar ist ein Journalist, geopolitischer Analyst und Autor. Derzeit ist er als Senior Fellow am Foreign Policy Research Institute (FPRI) sowie als Kolumnist für die SINGAPUR BUSINESS TIMES, THE SPECTATOR und HAARETZ tätig. Regelmäßig hat er auch für Medien wie NATIONAL INTEREST, THE AMERICAN CONSERVATIVE, THE NEW YORK TIMES und THE WASHINGTON POST veröffentlicht. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen politische und ökonomische Analysen, Außenpolitik, internationaler Handel, Ostasien und der Mittlere Osten. Seine akademische Laufbahn beinhaltet einen Bachelor in Politikwissenschaften (Jerusalem), einen Master in Kommunikationswissenschaften (Jerusalem) und einen in Journalismus und internationale Beziehungen (New York), und er promovierte an der American University in Washington in Internationalen Beziehungen.
THE AMERICAN CONSERVATIVE ist eine zweimonatlich erscheinende US-amerikanische Zeitschrift, die seit 2002 vom AMERICAN IDEAS INSTITUTE herausgegeben wird. Sie gilt als libertär und paläokonservativ (eine nationalistische Strömung, die im Gegensatz zum Neokonservatismus den Imperialismus ablehnt). Laut eigener Aussage existiert das Magazin, um einen Konservatismus zu fördern, der sich einer unkontrollierten Macht in Regierung und Wirtschaft widersetzt. Das Magazin tritt für traditionelle konservative Werte wie Familie und Freiheit, sowie für freie Märkte und eine Zurückhaltung in internationalen Belangen ein.
Originalartikel
Trump is Reviving ‘Spheres of Influence.’ That’s a Good Thing
THE AMERICAN CONSERVATIVE
Leon Hadar 12.01.2026 ·
4 Minuten ·
Englisch
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