Perspektive
zur Debatte vom 14. Januar 2026
Sind Trumps „Einflusssphären“ eine Gefahr für die globale Ordnung? Pro
Das macht die Welt insgesamt unsicherer
Die Perspektive in 30 Sekunden
Die Präsidentin und der Vizepräsident des Thinktanks INTERNATIONAL CRISIS GROUP, Comfort Ero und Richard Atwood, stehen der Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump ablehnend gegenüber. Trump schafft ihnen zufolge keine neue Weltordnung, sondern Chaos, und provoziert gefährliche Missverständnisse. „Das größte Risiko ist, dass ein Gegner die gemischten Signale falsch deutet, überreagiert und eine Eskalation auslöst, die niemand will“, warnen die Autor:innen des Artikels.
US-Vertreter:innen schaffen mit ihren Aussagen, „dass Macht vor Recht geht, dass Völkerrecht irrelevant ist und dass kleine Staaten verzichtbar sind“, eine perfekte Grundlage und Rechtfertigung für deren eigene Expansionspläne, befürchten die beiden Analyst:innen. Die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro signalisiere zwar US-Dominanz in Amerika, jedoch bleiben Europa und Asien laut Ero und Atwood dadurch verunsichert. Verbündete in Japan und Südkorea diskutieren nun bereits eigene Atomwaffen, da sie Amerikas Sicherheitsgarantien nicht mehr trauen können, schreiben sie.
Besonders schwerwiegend wäre ihnen zufolge der Griff nach Grönland. Laut der dänischen Regierungschefin könnte dies etwa „das Ende der NATO bedeuten“. Statt also eigentlich Stabilität zu schaffen, riskiert Trump einen Dominoeffekt, so Ero und Atwood: Zerbricht die NATO, steht Europa geschwächt da und Russland könnte dies als Einladung für Aktionen im Baltikum verstehen. Abschließend stellen sie fest: „Die Welt nach Einflusssphären zu organisieren, ist ein Rezept für Katastrophen.“
Anmerkung der Redaktion
Comfort Ero ist Analystin und Präsidentin des Thinktanks International Crisis Group. Dort forscht sie zu Friedensbemühungen und internationalen Konflikten. Eros Fokus ist der afrikanische Kontinent, allen voran Westafrika. Ihre Eltern stammen aus Nigeria. Für die Vereinten Nationen hat sie drei Jahre lang als Beraterin für den Generalsekretär in Liberia gearbeitet, nachdem ein jahrelanger Bürgerkrieg das Land verwüstet hatte. Ero hat 2023 den Sir Brian Urquhart Preis für ihre Arbeit bei den Vereinten Nationen erhalten.
Richard Atwood ist seit 2022 Vize-Direktor des US-amerikanischen Thinktanks International Crisis Group (ICG). Zuvor war er als Direktor für New York für die Zusammenarbeit zwischen der ICG und den Vereinten Nationen (UN) verantwortlich. Angefangen hat er bei der ICG als Leiter einer Forschungsgruppe in Brüssel. Ein Fokus von Atwoods Arbeit ist die Vernetzung der Organisation mit regionalen Akteuren, besonders in Ländern, in denen islamische Milizen aktiv sind. Atwood hat einen Master-Abschluss in Gesetzgebung und internationalen Beziehungen von der Princeton Universität.
Das TIME MAGAZINE ist ein 1923 gegründetes US-amerikanisches Nachrichtenmagazin, das wöchentlich in einer Auflage von zuletzt knapp über zwei Millionen Exemplaren erscheint. Mit dem von Mitbegründer Briton Hadden propagierten Stil „kurze Sätze, aktive Verben“ hat sich das Magazin eine rasch wachsende Leserschaft erschlossen und war 1946 Vorbild für die Gründung des SPIEGEL. Neben der amerikanischen Ausgabe gibt es mittlerweile mit „TIME Europe“, „TIME Asia“ und „Time South Pacific“ drei weitere Ableger des Magazins.
Originalartikel
Trump and the Dangers of Spheres of Influence
TIME MAGAZINE
Comfort Ero
Richard Atwood 09.01.2026 ·
13 Minuen ·
Englisch
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