Perspektive

zur Debatte vom 01. September 2021
🗳 Sollte das Wahlalter auf 16 gesenkt werden?
ARGUMENTE AUS DEN MEDIEN

Ein Wahlalter ab 16 hilft nur privilegierten Jugendlichen

Die Perspektive in 30 Sekunden

Von einer Absenkung des Wahlalters würden nur diejenigen profitieren, die sich ohnehin schon für Politik interessieren oder von ihren Eltern aktiv dazu motiviert werden, findet der fünfzehnjärige Bremer Gymnasiast in einem Gastbeitrag für DIE WELT. Für alle anderen gebe es kaum Berührungspunkte mit der Politik, den meisten Jugendlichen gehe es nämlich viel zu gut: Sie würden deshalb auch mit großer Wahrscheinlichkeit vom Wahlrecht keinen Gebrauch machen, argumentiert Geßner.

Deshalb hält der Gymnasiast ein Wahlrecht ab 16 Jahren für überaus problematisch. Nur „Schüler aus gut situierten Haushalten, in denen man aktiv über politische Themen spricht“ würden profitieren, warnt er. Denn andere fühlen sich oftmals nicht gut genug informiert, um eine Entscheidung zu treffen. Das bedeutet laut Geßner keinesfalls, dass letztere dümmer oder ungebildet seien. Im Gegenteil: Ein Satz, den der  Gymnasiast in Gesprächen mit Jugendlichen oft höre, sei der folgende: „Ich informiere mich nicht wirklich genug, um wählen gehen zu können.“ Dies hält Geßner für ziemlich verantwortungsbewusst und reflektiert.

Im Umkehrschluss bedeute das, dass vor allem Jugendliche mit großem Selbstbewusstsein aus gut situierten Hauswahlten wählen würden, „von deren Stimme oft die Grünen profitieren“. Zudem vermutet Geßner, dass auch die Linke von den Jungwähler:innen profitieren würde. Denn: „Bei der Bundestagswahl 2017 gaben zehn Prozent der Erstwähler im Westen bzw. 15 Prozent im Osten den Linken ihre Stimme“, meint Geßner. Das seien mehr als normal.

Deshalb ist der Schüler skeptisch gegenüber der Motivation der Politiker:innen, die ein Wahlrecht für 16-Jährige fordern. Vermutlich täten sie das nur, weil sie wissen, dass ihre jeweiligen Parteien dadurch mehr profitieren würden als die Konkurrenz.

Statt das Wahlrecht zu senken fordert Keßner deshalb, dass erstmal eine entsprechende Bildungsgrundlage geschaffen wird. Ab der 8. Klasse sollten mindestens zwei Stunden Politik unterrichtet werden. Dann hätten auch Jugendliche aus  nicht-gutbürgerlichen Haushalten genügend Berührungspunkte mit politischen Themen und wären nicht benachteiligt gegenüber Jugendlichen, bei denen zu Hause aktiv über Politik gesprochen wird, meint der Schüler. Vorher hält er eine Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre nicht für sinnvoll.

Anmerkung der Redaktion

ist ein deutscher Gymnasiast, Autor und freier Journalist in Bremen. Er betreibt einen eigenen YouTube-Kanal namens „Gessner Media“, für den er seit 2018 deutsche Spitzenpolitiker:innen in dem Format „Die Fragen stelle ich!“ interviewt. Im Mai 2020 ist außerdem sein Buch „Politik der Generation Z: Ein unbequemer Blick in die Zukunft“  erschienen. Als Journalist hat Geßner bereits Beiträge für die Tageszeitung DIE WELT, das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND, die Wochenzeitung WIRTSCHAFTSWOCHE und den Branchendienst MEEDIA geschrieben.

DIE WELT ist eine überregionale Tageszeitung mit Sitz in Berlin. Sie wurde 1946 gegründet und erschien im vierten Quartal 2025 in einer verkauften Auflage von rund 90.000 Exemplaren. Die Auflagenzahl ist damit im Vergleich zu 2024 stark eingebrochen. Gleichzeitig gehörte die Website der WELT im März 2026 mit rund 90,5 Millionen Besuchen zu den meistbesuchten Nachrichten-Websites in Deutschland. Die politische Ausrichtung der WELT gilt als bürgerlich-konservativ. In ökonomischen Fragen positioniert sich die Zeitung meist wirtschaftsliberal. Das Goethe-Institut urteilt, DIE WELT ziele in ihrer Printausgabe auf „mittelständische Unternehmer und Selbstständige, die konservative Werte schätzen“. WELT-Autor:innen bekennen sich zu den Leitlinien des Axel-Springer-Verlages, die unter anderem ein Eintreten für „die freie und soziale Marktwirtschaft“ sowie Solidarität mit den USA und Israel fordern. DIE WELT hat bereits mehrfach Rügen vom Deutschen Presserat erhalten, weil in einigen Artikeln journalistische Grundsätze verletzt wurden. Immer wieder wird außerdem Kritik laut, dass die WELT mit ihrer Berichterstattung verschwörungstheoretische oder rechtsextremistische Narrative bedient – so etwa mit klimaskeptischer Positionierung. Zwei Monate vor der Bundestagswahl 2025 veröffentlichte die WELT AM SONNTAG einen Gastartikel des US-Techmilliardärs Elon Musk, in dem dieser für die AfD warb. Das sorgte für heftige Proteste, auch innerhalb der Zeitung, bei denen es auch zu Protestkündigungen kam. Zur -Gruppe gehören außerdem der Fernsehsender WELT (früher N24) und die WELT AM SONNTAG. Sie gehören seit 2026 zur PREMIUM-GRUPPE, der auch POLITICO und BUSINESS INSIDER angehören. Ihr Chefredakteur ist , der Herausgeber . Die PREMIUM-GRUPPE gehört dem Axel-Springer-Konzern, zu dem auch Titel wie die BILD-Zeitung und die regionale B.Z. gehören.

Originalartikel
Wahlrecht mit 16? Ich bin 15 und dagegen
DIE WELTLeonard Geßner
08.09.2020 · 5 Minuten · Deutsch
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