Perspektive
zur Debatte vom 23. September 2025
Braucht es mehr Meinungsvielfalt beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Contra
Dass die Medien in linker Hand seien, ist konservative Uralt-Propaganda
Die Perspektive in 30 Sekunden
Christof Meueler sieht kein linkes Meinungsmonopol im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Laut dem Literaturredakteur der linken Tageszeitung ND handelt es sich bei der Behauptung lediglich um einen rechten Mythos. Dementsprechend brauche es auch keine Debatte über mehr Meinungsvielfalt.
Meueler hält die Behauptung, dass die Medien in linker Hand seien, für unwahr – von einer linken Meinungsmacht könne nicht die Rede sein, findet er. So gebe es gegenwärtig nur ein paar Podcasts und drei linke Tageszeitungen (ND, TAZ, JW) in Deutschland – „das als »linke Meinungsmacht« zu bezeichnen, ist ein schlechter Witz“, kommentiert Meueler. Dass Deutschland auch politisch nicht wirklich links sei, unterstützt für ihn das Argument.
„Dass die Medien in linker Hand seien, ist konservative Uralt-Propaganda seit Helmut Kohl“, meint der Literaturredakteur. Die Rechte erzähle öffentlich Unsinn und behaupte dann, sie werde zensiert, kritisiert Meueler. Dabei verzehre sie aber ihm nach die Wahrheit: So sei die ehemalige „Klar“-Moderatorin Julia Ruhs nicht wegen ihrer politischen Einstellung, sondern wegen der Verletzung von Grundsätzen der journalistischen Arbeit entlassen worden – und dürfe beim BR sehr wohl weiter arbeiten.
Anmerkung der Redaktion
Christof Meueler ist ein deutscher Journalist, Soziologe und Buchator. Der studierte Philosoph und Politologe ist seit 2018 Literatur-Redakteur bei der überregionalen linken Tageszeitung ND (ehemals NEUES DEUTSCHLAND). Seit 2019 leitet er dort zudem das Feuilleton. Zuvor war Meueler 17 Jahre Ressortleiter bei der JUNGEN WELT für die Themen Feuilleton und Sport. Er verfasste zudem die Biografien des linksradikal einzuordnenden Westberliners Michael „Bommi“ Baumann und dem deutschen Musikjournalisten Alfred Hilsberg.
ND (ehemals NEUES DEUTSCHLAND) ist eine überregionale Tageszeitung, die einen „Journalismus von links“ vertritt. In ihrer Satzung bezeichnet sich die ND als „sozialistische Zeitung“. Sie wurde 1946 in Berlin gegründet. Zu DDR-Zeiten war sie das publizistische Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und gehörte nach der Wende der Partei PDS. Deren Nachfolgepartei DIE LINKE besaß bis Ende 2021 noch 50 Prozent der Anteile an der Zeitung. ND beschreibt sich selbst als Tageszeitung, „die mit linkem Ideengut über den Tellerrand des journalistischen Alltags hinausdenkt“. Man wolle sich für Menschenrechte und Minderheiten einsetzen und sei dem Kampf gegen Rassismus, Klassismus, Antisemitismus, Sexismus und Faschismus und für den Frieden verpflichtet. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung bescheinigt der Zeitung eine einseitige Berichterstattung: Marktwirtschaft sei „Kapitalismus“, westliche Außenpolitik „Imperialismus“. Außerdem sei die Zeitung DDR-nostalgisch. Nach eigenen Angaben hat die Zeitung 2022 600.000 Euro Verlust gemacht. Im Juni 2023 gab die Zeitung daher bekannt, akut gefährdet zu sein. Es folgten Kosteneinsparungen und eine Spendenkampagne, um ihr Überleben zu retten. Seit April 2026 erscheint die Tagesausgabe der Zeitung aus Kostengründen komplett digital. Einen Grund für die Misere sieht ND darin, dass die Zeitung seit 2022 von einer Genossenschaft herausgegeben wird. Damit gehört sie den Leser:innen und Mitarbeiter:innen aus Redaktion und Verlag und ist somit unabhängig von großen Unternehmen. Der neue Geschäftsführer, Gerd Stodiek, äußerte sich dazu: „Beim ›nd‹ ist ordentlich Druck auf dem Kessel. Da muss man innovativ sein und kann es sich nicht bequem machen.“ Er wolle mit der ND dem Rechtsruck in Deutschland entgegentreten. Die kollektive Redaktionsleitung besteht aus Regina Stölzel, Ines Wallrodt und Oliver Kern. Die Website der ND hatte im März 2026 745,7 Tausend Aufrufe (Quelle: Similarweb).
Originalartikel
»Klar« im NDR: Julia Ruhs geht wieder steil
ND (NEUES DEUTSCHLAND)
Christof Meueler 22.09.2025 ·
3 Minuten ·
Deutsch
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