Perspektive
zur Debatte vom 26. Januar 2026
Sollte Deutschland die Fußball-WM in den USA boykottieren? Contra
Der DFB dürfte dabei kaum mitmachen – und seine Stimme hat international ohnehin wenig Gewicht
Die Perspektive in 30 Sekunden
Der Redaktionsleiter für Sport, Sebastian Weßling, ist sich sicher: Der DFB kann sich einen Boykott der WM nicht leisten. Und Trump beeindrucken werde ein solcher Boykott erst recht nicht, schreibt Weßling für die größte deutsche Regionalzeitung WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ).
Seiner Ansicht nach braucht der DFB nämlich die hohen Einnahmen einer WM-Beteiligung, um hohe laufende Kosten wie Spieler- und Trainergehälter, Verbandsangestellte, aber auch den gesamten Amateurfußball zu finanzieren. Bei der WM 2022 schüttete die FIFA rund 440 Millionen Euro als Preisgelder aus: rund zehn Millionen für die Teilnahme, 13 Millionen für den Einzug ins Achtelfinale und 42 Millionen für den Titelgewinn.
Zudem sei der DFB ohnehin nicht für sein moralisches Rückgrat bekannt: „Er hatte 1978 kein Problem mit der Militärjunta Argentinien als Gastgeber, nahm 2018 in Russland und 2022 in Katar natürlich teil und hat, wenn auch widerstrebend, für eine Austragung des Turniers in Saudi-Arabien gestimmt“, schreibt Weßling. Den Boykott der Olympischen Spiele in Moskau 1980 sieht er nicht als Vergleich, da der Sport noch nicht das Milliardengeschäft von heute war. Außerdem haben Weßling zufolge weder der DFB noch andere Verbände besonderen politischen Einfluss, was man schon mit der „One-Love“-Kapitänsbinde bei der WM 2022 sehen konnte, wo FIFA-Präsident Gianni Infantino im Weg stand. Laut Weßling wird er alles tun, „dass das Turnier in den USA ohne Störgeräusche ausgetragen wird.“
Anmerkung der Redaktion
Sebastian Weßling ist Sportjournalist und derzeit Ressortleiter für Sport bei der FUNKE-Mediengruppe. Zuvor hat er als freier Journalist für den DEUTSCHLANDFUNK und WDR gearbeitet, nachdem er sein Journalistik-Diplom an der Technischen Universität Dortmund abgeschlossen hatte. Heute berichtet er vor allem über Borussia Dortmund, die Nationalmannschaft und Themen rund um den Sport.
Die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ) ist die größte deutsche Regionalzeitung und der Ursprung der einflussreichen Funke Mediengruppe. Sie wurde im Jahr 1948 von Erich Brost und Jakob Funke gegründet. Ihr Hauptsitz ist in Essen, sie erscheint jedoch im gesamten Ruhrgebiet. Im Laufe der Jahre wurden mehrere andere Zeitungen aufgekauft und die „Zeitungsgruppe WAZ“ entstand, die 1997 in „WAZ Mediengruppe“ umbenannt wurde und 2013 schließlich zur Funke Mediengruppe wurde. Schwestermedien der WAZ sind damit unter anderem die WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU, das HAMBURGER ABENDBLATT und die BERLINER MORGENPOST. Außerdem gehören zu Funke die Magazine BILD DER FRAU, BRIGITTE und GALA sowie diverse weitere Print- und Hörfunkmedien. Überregionale Themen werden von der Zentralredaktion in Berlin bearbeitet. Chefredakteur der WAZ ist seit 2014 Andreas Tyrock. 2014 erntete die Funke Mediengruppe Kritik für eine Spende von 15.000 Euro an Lokalverbände der CDU. Die WAZ erhielt 2025 eine Rüge des Deutschen Presserats, weil sie das verpixelte Bild eines nackten Vergewaltigungsopfers veröffentlichte, das aus ihrem Fenster um Hilfe rief, und den Bericht mit „Sex-Drama“ betitelte. Wie zahlreiche andere Zeitungen hat auch die Funke Mediengruppe stark mit sinkenden Auflagezahlen zu kämpfen. Im ersten Quartal 2026 lag die verkaufte Auflage der Funke-Regionalzeitungen in Nordrhein-Westfalen bei rund 295.000 Exemplaren (IVW), zu Beginn des Jahrtausends waren es noch knapp dreimal so viele. Der Webauftritt der WAZ hatte im März 2026 19,4 Millionen Besuche zu verzeichnen (Quelle: Similarweb).
Originalartikel
WM-Boykott wegen Grönland? Warum diese Diskussion Trump kaum beeindrucken dürfte
WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ)
Sebastian Weßling 17.01.2026 ·
3 Minuten ·
Deutsch
Die Buzzard-Expert:innen haben diesen Artikel aus über 2.000 Medien für dich recherchiert und zusammengefasst, damit du in kurzer Zeit einen möglichst umfassenden Blick auf das Thema bekommst.
Mehr...
Zum Artikel