Perspektive
zum Tagesthema vom 07. Mai 2025
Merz-Regierung nimmt nach Wahlkrimi die Arbeit auf Kritik
Der Fehlstart von Merz lässt an der Stabilität von Schwarz-Rot zweifeln
Die Perspektive in 30 Sekunden
Der Fehlstart von Friedrich Merz (CDU) lässt Jan Dörner von der WESTDEUTSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG (WAZ) an der Stabilität der Koalition aus Union und SPD zweifeln. Die beiden Parteien hätten einen Blitzstart versprochen – ihr Regierungs-Projekt ist nun nach Merz‘ Scheitern im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl aber bereits beschädigt, schreibt der Chefreporter der Politikredaktion.
Auch, wenn es mit der Bundeskanzlerwahl dann im zweiten Anlauf geklappt habe, ist für Dörner ein irreparabler Schaden entstanden: für die Stabilität der Bundesregierung und ihr Ansehen im Ausland. Deutschland habe im Vergleich zu anderen EU-Ländern einst als Stabilitätsanker gegolten, als Land mit politisch verlässlichen Mehrheiten. Doch mit dieser typischen politischen Kontinuität, Verlässlichkeit und Verantwortung sei es nach dem 6. Mai vorbei. „Das war einmal“, betont Dörner.
Das Versagen von Union und SPD im ersten Wahlgang sei vor allem Wasser auf die Mühlen derer, die die deutsche Demokratie untergehen sehen wollen – wie laut Dörner die AfD, die sich feixend neben dem „Scherbenhaufen“ positioniere. „Die Stimmung in der schwarz-roten Koalition ist nun mit dem Start bereits vergiftet, Misstrauen gesät. Merz ist zum Kanzler gewählt worden, aber er ist massiv geschwächt. Von Stabilität und Zuversicht kann keine Rede sein“, kritisiert der WAZ-Autor.
Anmerkung der Redaktion
Jan Dörner ist Chefreporter der Politikredaktion der FUNKE Zentralredaktion in Berlin. Dort verfolgt er die Arbeit der Bundesregierung, mit besonderem Fokus auf das Kanzleramt, die Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie die SPD. Zuletzt war er bundespolitischer Korrespondent für die STUTTGARTER ZEITUNG und leitete zuvor den Bereich Bundespolitik bei der Nachrichtenagentur AFP. Dörner hat an der Freien Universität Berlin Publizistik- und Kommunikationswissenschaften sowie Geschichte und Politikwissenschaften studiert. Das MEDIUM MAGAZIN hat Dörner 2011 als „Top 30 unter 30“ der talentiertesten jungen Journalistinnen und Journalisten ausgezeichnet.
Die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ) ist die größte deutsche Regionalzeitung und der Ursprung der einflussreichen Funke Mediengruppe. Sie wurde im Jahr 1948 von Erich Brost und Jakob Funke gegründet. Ihr Hauptsitz ist in Essen, sie erscheint jedoch im gesamten Ruhrgebiet. Im Laufe der Jahre wurden mehrere andere Zeitungen aufgekauft und die „Zeitungsgruppe WAZ“ entstand, die 1997 in „WAZ Mediengruppe“ umbenannt wurde und 2013 schließlich zur Funke Mediengruppe wurde. Schwestermedien der WAZ sind damit unter anderem die WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU, das HAMBURGER ABENDBLATT und die BERLINER MORGENPOST. Außerdem gehören zu Funke die Magazine BILD DER FRAU, BRIGITTE und GALA sowie diverse weitere Print- und Hörfunkmedien. Überregionale Themen werden von der Zentralredaktion in Berlin bearbeitet. Chefredakteur der WAZ ist seit 2014 Andreas Tyrock. 2014 erntete die Funke Mediengruppe Kritik für eine Spende von 15.000 Euro an Lokalverbände der CDU. Die WAZ erhielt 2025 eine Rüge des Deutschen Presserats, weil sie das verpixelte Bild eines nackten Vergewaltigungsopfers veröffentlichte, das aus ihrem Fenster um Hilfe rief, und den Bericht mit „Sex-Drama“ betitelte. Wie zahlreiche andere Zeitungen hat auch die Funke Mediengruppe stark mit sinkenden Auflagezahlen zu kämpfen. Im ersten Quartal 2026 lag die verkaufte Auflage der Funke-Regionalzeitungen in Nordrhein-Westfalen bei rund 295.000 Exemplaren (IVW), zu Beginn des Jahrtausends waren es noch knapp dreimal so viele. Der Webauftritt der WAZ hatte im März 2026 19,4 Millionen Besuche zu verzeichnen (Quelle: Similarweb).
Originalartikel
Merz-Fehlstart lässt an Stabilität von Schwarz-Rot zweifeln
WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ)
Jan Dörner 06.05.2025 ·
2 Minuten ·
Deutsch
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