Perspektive

zur Debatte vom 16. Februar 2026
Braucht Deutschland eine eigene atomare Abschreckung?
Contra

Der Status einer Atommacht allein ist keine Strategie

Die Perspektive in 30 Sekunden

Der Sicherheitsexperte warnt davor, als Antwort auf das schwindende Vertrauen in die USA vorschnell deutsche Atomwaffen zu fordern. In seinem Gastbeitrag für die Wochenzeitung DER SPIEGEL argumentiert er, der Besitz von Atomwaffen allein sei noch keine Abschreckungs-Strategie.

Abschreckung entstehe im Kopf des Gegners und hänge davon ab, ob eine Drohung glaubwürdig, politisch durchdacht und militärisch eingebettet sei, so Mölling. Deutschland müsste daher zuerst klären, wen es wovon abschrecken wolle und unter welchen Bedingungen ein Einsatz denkbar wäre. Historische Beispiele zeigen ihm zufolge aber vor allem, dass Atomwaffen keine Garantie für politische Kontrolle oder militärischen Erfolg sind. Ohne klare Strategie und glaubwürdige Kommunikation bliebe eine Bombe wirkungslos – oder würde Deutschland sogar beherrschen statt schützen. „Damit politische Macht aus Atomwaffen folgt, muss der Gegner es für denkbar halten, dass Deutschland einen Atomkrieg führen würde“, erklärt der Experte.

Er warnt zudem, dass eine eigene Atombombe hohe politische und rechtliche Kosten verursachen und Deutschland international isolieren könnte. Abschreckung funktioniere nur im Zusammenspiel verschiedener Mittel – vor allem starker konventioneller Aufrüstung und verlässlicher Partnerschaften. Der Experte fasst zusammen: Atomwaffen ersetzen keine umfassende Sicherheitsstrategie; der Griff zur Bombe wäre daher keine Abkürzung, sondern ein riskanter Irrweg.

Anmerkung der Redaktion

ist der Direktor der europäischen Denkfabrik Edina. Zuvor leitete er das Programm „Europas Zukunft“ für die Bertelsmann-Stiftung, das zur geoökonomischen und -politischen Zukunft Europas forscht. Bis August 2024 war er stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik () und Leiter des Zentrums für Sicherheit und Verteidigung. Davor hat Mölling unter anderem beim German Marshall Fund (GMF), in der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg gearbeitet. Er hat Politik-, Wirtschafts- und Geschichtswissenschaften in Duisburg und Warwick studiert und an der Ludwig-Maximilians-Universität München promoviert. Als Sicherheitsexperte äußert sich Christian Mölling vor allem seit der Fortsetzung der militärischen Invasion Russlands in die Ukraine immer wieder zum Ukraine-Krieg. Zweimal die Woche tritt er im STERN-Podcast „Ukraine – die Lage“ auf, den er von übernommen hat.

DER SPIEGEL ist ein deutsches Nachrichtenmagazin, das 1947 von Rudolf Augstein gegründet wurde. Seinen Sitz hat das Magazin seit 2011 in Hamburg, Chefredakteur ist . DER SPIEGEL ist mehrfach preisgekrönt und zählt zu den deutschsprachigen Leitmedien: Er genießt großes Vertrauen und prägt die gesellschaftliche Debatte und Öffentlichkeit. Im vierten Quartal 2025 hatte das gedruckte Wochenmagazin eine Auflage von rund 625.000 verkauften Exemplaren (IVW). Eine zentrale Rolle im Magazin nimmt bis heute der investigative Journalismus ein. 1963 führten eine solche Recherche und die sogenannte SPIEGEL-Affäre dazu, dass der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß sein Amt räumen musste. 2018 wurde bekannt, dass der langjährige Mitarbeiter Claas Relotius wesentliche Inhalte von – teils preisgekrönten – SPIEGEL-Reportagen erfunden hatte. Hiernach reichte Relotius seine Kündigung ein. Das Blatt sprach von „einem Tiefpunkt in der 70-jährigen Geschichte des SPIEGEL“. 2021 wurden in Reaktion darauf die sogenannten Spiegel-Standards für Qualitätsjournalismus erarbeitet. DER SPIEGEL wird traditionell als eher linksliberales Medium gesehen, auch in Abgrenzung zu den anderen großen deutschen Nachrichtenmagazinen, dem FOCUS und dem STERN. Bereits Gründer Rudolf Augstein verortete sein Magazin „im Zweifel links“. 1994 ging SPIEGEL ONLINE als erstes Nachrichten-Magazin weltweit online. Im April 2026 verzeichnete die Website des SPIEGELS rund 71,5 Millionen Aufrufe (Quelle: Similarweb). DER SPIEGEL wird vom Spiegel-Verlag herausgegeben. An der SPIEGEL-Gruppe ist der international extrem einflussreiche Medienkonzern Bertelsmann über eine Tochtergesellschaft mit 25,5 Prozent beteiligt. Weitere 24 Prozent der Anteile entfallen auf die Familie Augstein. Die Mehrheit von 50,5 Prozent wird von den Mitarbeiter:innen des Verlags über eine Beteiligungsgesellschaft (Mitarbeiter-KG) gehalten, die sich demokratisch organisiert und regelmäßig ihre Vertreter:innen wählt.

Originalartikel
Wollen wir wirklich eine deutsche Atombombe?
DER SPIEGELChristian Mölling
12.02.2026 · 4 Minuten · Deutsch
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