Perspektive
zur Debatte vom 04. März 2022
Rätseln über die Motive des Kriegstreibers: Handelt Putin noch rational? Pro
Der Ukraine-Krieg lässt sich mit Putins Geschichtsbild erklären
Die Perspektive in 30 Sekunden
Das Verhalten des russischen Präsidenten sei nicht irrational, meinen die Historiker:innen Philip Rosin und Anna Kim im politischen Magazin CICERO. „Tatsächlich sind die aktuellen Ereignisse nicht ohne Putins Geschichtsbild zu verstehen.“
Immer wieder habe Putin in Aufsätzen und Ansprachen die „historische Einheit der Russen und Ukrainer betont“, schildern Rosin und Kim. Beide Völker sind aus Putins Sicht aus dem gleichen altrussischen Volk entstanden. Und tatsächlich seien die Geschichten der beiden slawischen Völker „seit jeher miteinander verflochten“ gewesen. Nach Putins Weltbild müssen Ukrainer:innen und Russ:innen daher auch gemeinsam „das Kernvolk des russischen Imperiums bilden“ und sich vom Westen abgrenzen, erläutern die Historiker:innen.
Putins Großmachtinteressen erklärten sich zudem aus dem Untergang der Sowjetunion, den er als „die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet habe. Die Weltordnung mit Russland als Weltmacht gelte für Putin als erstrebenswert, sei aber aus Sicht des russischen Präsidenten seit 1990/91 vom Westen infrage gestellt worden. Aus diesen geschichtspolitischen Ansichten sei „eine fundamentale Feindseligkeit gegenüber dem liberalen Westen“ entstanden. Damit sei das feindselige Agieren der russischen Außenpolitik zu erklären.
Anmerkung der Redaktion
Anna Kim ist Historikerin und wissenschaftliche Referentin in der Abteilung Zeitgeschichte der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Ihr Schwerpunkt ist die russische Zeitgeschichte. Bei der Stiftung kümmert sie sich unter anderem auch für das Archiv für „Christlich-Demokratische Politik“.
Philip Rosin ist Historiker, Dozent an der Universität Potsdam und wissenschaftlicher Referent in der Abteilung Zeitgeschichte der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Sein Schwerpunkt ist die Geschichte der Internationalen Beziehungen im 20. Jahrhundert.
Der CICERO ist ein monatlich erscheinendes Politikmagazin, das 2004 von Wolfram Weimer gegründet wurde. Weimer war bis 2010 Herausgeber und ist aktuell Kulturstaatsminister. Das Magazin gilt als traditionell konservatives Medium. Schwerpunkte der Berichterstattung liegen in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur. Laut dem GOETHE-INSTITUT zielt die Redaktion vor allem auf eine akademische Leser:innenschaft. Seit der Chefredaktion von Christoph Schwennicke und Alexander Marguier mehren sich auch Stimmen, die dem Magazin vorwerfen, inhaltlich nach rechts gerückt zu sein. Schwennicke ist im Januar 2021 aus der Redaktion ausgestiegen. ÜBERMEDIEN beschrieb den CICERO 2019 als „für ganz links zu rechts, für ganz rechts zu mittig“. Im Mai 2025 sorgte das Magazin für Kontroversen, als es das Geheimgutachten des Verfassungsschutzes zur Einstufung der AfD als rechtsextremistische Organisation in voller Länge veröffentlichte. Die linke Zeitung TAZ kritisierte daraufhin: „Der Cicero, der noch in der vergangenen Woche online gepostet hatte, das Durchstechen des Gutachtens an den Spiegel sei „Geheimnisverrat“ und wohl politisch motiviert, feiert sich nun als Verfechter der kritischen Öffentlichkeit.“ Der Jurist und Medienethiker Luis Paulitsch ordnete den CICERO im Jahr 2025 den Mainstream-Medien zu, die teilweise Begriffe oder Feindbilder aus rechtsalternativen Medien aufgreifen und sich inhaltlich daran annähern. Der Webauftritt des CICERO hatte im März 2026 1,2 Millionen Besuche zu verzeichnen (Quelle: Similarweb). Das Magazin erschien im ersten Quartal 2026 in einer verkauften Auflage von rund 45.500 Exemplaren (IVW). Das entspricht einem Einbruch von 15 % im Vergleich zum Vorjahr, in dem sich die Auflage noch deutlich steigern konnte. Der CICERO erscheint im Verlag Res Publica, der Alexander Marguier und dem Unternehmer Dirk Notheis gehört.
Originalartikel
Wladimir Putins Geschichts- und Weltbild
CICERO
Anna Kim
Philip Rosin 02.03.2022 ·
5 Minuten ·
Deutsch
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