Perspektive

zur Debatte vom 10. Dezember 2025
Taugt China als echtes Vorbild bei der Klimapolitik?
Pro

Der Umfang von Chinas Elektrifizierung stellt den Westen weit in den Schatten

Die Perspektive in 30 Sekunden

Der Wirtschaftshistoriker spricht von einer „grünen Revolution der Elektrifizierung“ in China. Im linksprogressiven Wirtschaftsmagazin SURPLUS betont er die enormen Dimensionen der Produktionskapazität und den Einfluss, den China auf die internationale Energieproduktion hat. So hat das Land seiner Ansicht nach den Westen beim Klimaschutz in einigen Bereichen längst abgehängt.

„Bei aller Aufregung um Chinas neue Elektrofahrzeuge ist es der Bereich der Infrastruktur, in dem Chinas grüne Revolution am beeindruckendsten ist“, schreibt er. Ihm zufolge hat China im ersten Halbjahr 2025 allein 256 Gigawatt (GW) Solarenergie installiert: „Das ist mehr als doppelt so viel wie die gesamte installierte Solarenergiekapazität Deutschlands.“ Darauf folgten Indien und die USA mit jeweils 24 GW und 21GW, also weniger als einem Zehntel.

Laut Tooze haben diese Produktionskapazitäten auch große Bedeutung für Entwicklungsländer. Beispielsweise nennt er Pakistan, das von einer enorm unsicheren Energieversorgung geplagt war und allein im Jahr 2024 16 GW Solarleistung aus China eingeführt hat. Dadurch sei ein großer Teil des Unternehmenssektors und die obere Mittelschicht unabhängig von Kohle- und Gaskraftwerken geworden. Er ergänzt darüber hinaus Daten der Nachrichtenagentur BLOOMBERG, die zeigen, dass „Chinas Solar-Exporte im Jahr 2024 ausreichten, um die langfristigen globalen CO₂-Emissionen um vier Milliarden Tonnen zu senken, was etwa 40 Tagen Emissionen entspricht“.

Anmerkung der Redaktion

ist britischer Wirtschaftshistoriker, der eine Professur für Wirtschaftsgeschichte an der Columbia University New York innehat. Seit 2025 ist er einer der Herausgeber des deutschen Wirtschaftsmagazins SURPLUS. Er ist in Großbritannien geboren, aber in Deutschland aufgewachsen. Tooze begann seine Lehre an der University of Cambridge, wechselte an die Yale University, wo er Moderne Deutsche Geschichte lehrte und ist seit 2015 an der Columbia Universität. Der Historiker und Wirtschaftswissenschaftler gehörte von 2009 bis 2018 einer unabhängigen Kommission des Bundesfinanzministeriums an, die über das Reichsfinanzministerium während der NS-Zeit forschte. 2018 hat Tooze ein Buch über die Weltwirtschaftskrise unter dem Titel „Crashed. How a Decade of Financial Crises Changed the World“ veröffentlicht und 2021 erschien von ihm „Shutdown. How Covid Shook the World’s Economy“. Tooze hat Volkswirtschaftslehre studiert und an der London School of Economics promoviert.

SURPLUS ist ein Wirtschaftsmagazin, welches von dem unabhängigen Brumaire Verlag herausgegeben wird. Damit teilt es sich denselben Herausgeber wie das linkssozialistische Magazin JACOBIN. SURPLUS wurde im Februar 2025 mit der ersten Ausgabe veröffentlicht- Nach dem Stand von April 2026 belief sich die verbreitete Auflage des Magazins auf 9.200 Exemplare. Nach eigener Aussage will sich das Wirtschaftsmagazin mit den Interessen der großen Mehrheit und nicht der Reichsten beschäftigen. Das Magazin zielt laut Interview mit der SURPLUS-Redakteurin Caro Rübe auf JACOBIN darauf ab, linke und progressive Perspektiven in die wirtschaftliche Debatte einzubringen, sich auf Verteilungsfragen zu konzentrieren und eine kritische Sicht auf die Wirtschaftspolitik zu bieten. Chefredakteur ist .

Originalartikel
Chinas Elektrostaat revolutioniert den Klimaschutz
SURPLUSAdam Tooze
16.10.2025 · 13 Minuten · Deutsch
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