Perspektive
zur Debatte vom 25. Februar 2026
Ist der Wahl-O-Mat eine sinnvolle Entscheidungshilfe? Contra
Der Wahl-O-Mat ist Etikettenschwindel – und ignoriert die Sorgen von Millionen Deutschen
Die Perspektive in 30 Sekunden
Der Datenjournalist Simon Off kritisiert den Wahl-O-Mat scharf. In der liberalkonservativen überregionalen NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ) schreibt er, das Tool sei nicht repräsentativ und werde nicht klar genug als das gekennzeichnet, was es wirklich ist. Damit führe es Nutzer:innen in die Irre.
Off erinnert daran, dass der Wahl-O-Mat ursprünglich als Angebot für junge Menschen gedacht war, die zum ersten Mal wählen. Das werde aber kaum kommuniziert. Tatsächlich nutzen Off zufolge vor allem ältere Menschen das Tool. Außerdem findet er, dass der Wahl-O-Mat bestimmte Themen zu sehr begünstigt. So kommen etwa Klimapolitik und soziale Gerechtigkeit ihm zufolge recht häufig vor, während etwa Migration von der Redaktion kaum berücksichtigt werde – obwohl es laut Umfragen das wichtigste Thema für die deutschen Wähler:innen sei.
Off übt deshalb scharfe Kritik am Betreiber des Wahl-O-Mats, der Bundeszentrale für politische Bildung: „Einer Institution, die politische Bildung als Staatsauftrag trägt, ist dieser Etikettenschwindel unwürdig.“ Er fordert, den Wahl-O-Mat grundlegend zu überarbeiten – oder ganz abzuschaffen. Weil das nicht passiere, habe die NZZ ein eigenes Tool entwickelt, bei dem nur zu den „wichtigsten Problemen im Land“ gefragt werde, so Off.
Anmerkung der Redaktion
Simon Off leitet seit 2025 die Daten-Redaktion der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG. Dort ist er bereits seit 2021 als Datenjournalist im Ressort Visual tätig. Sein Volontariat hat er bei der SCHWÄBISCHEN ZEITUNG mit anschließender Übernahme absolviert. Außerdem arbeitet er für die BADISCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN, FUNKE INTERAKTIV und ZDF HEUTE. Er wurde mehrfach für datenjournalistische Projekte ausgezeichnet und erhielt 2023 den Helmut-Schmidt-Journalisten-Preis. Vor seiner journalistischen Laufbahn war er als Entwickler und Designer in einer Webagentur tätig und Google-Fellow. Off hat Politikwissenschaft in München und Wien studiert.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ) ist eine Schweizer Tageszeitung mit Hauptsitz in Zürich, die 1780 gegründet wurde. Seit 2017 richtet die NZZ ihren Fokus verstärkt auf den deutschen Markt und hat mittlerweile eine Berliner Redaktion, die eine eigenständige Deutschland-Ausgabe gestaltet. Sie gilt als etabliertes Leitmedium im deutschsprachigen Raum sowie in der Schweiz. Die NZZ wird von EUROTOPICS als liberal-konservativ bezeichnet und hat nach eigener Angabe eine „freisinnig-demokratische“ Ausrichtung. Die NZZ gilt seit langem als das publizistische Sprachrohr des liberalen Bürgertums in der Schweiz und steht der Schweizer FDP politisch am nächsten. Der Medienwissenschaftler Uwe Krüger sieht sie als konservativ, liberal und bürgerlich. Seit Eric Gujer 2015 Chefredakteur wurde, spricht unter anderem der DEUTSCHLANDFUNK von einem „Rechtsrutsch“ in der Berichterstattung. Der NDR befindet, Gujer habe die „NZZ um typisch rechtskonservative Themen und Meinungen erweitert“. Der Jurist und Medienethiker Luis Paulitsch ordnete die NZZ im Jahr 2025 den Mainstream-Medien zu, die teilweise Begriffe oder Feindbilder aus rechtsalternativen Medien aufgreifen und sich inhaltlich daran annähern. Die verkaufte Auflage der NZZ liegt laut aktuellen Zahlen (WEMF 2025) bei 53.771 Exemplaren (werktäglich). Die Zeitung erreicht eine Leserschaft von rund 236.000 Personen. Auf ihrer Webseite erreichte die NZZ im März 2026 laut Similarweb rund 15,4 Millionen Aufrufe. Die NZZ gehört der NZZ-Mediengruppe, die außer ihr weitere Schweizer Titel besitzt.
Originalartikel
Der Wahl-O-Mat ist Etikettenschwindel – und ignoriert die Sorgen von Millionen Deutschen
NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ)
Simon Off 19.02.2026 ·
4 Minuten ·
Deutsch
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