Perspektive

zur Debatte vom 23. Februar 2022
Hat der Westen im Umgang mit Russland versagt?
Pro

Der Westen hat zu naiv agiert

Die Perspektive in 30 Sekunden

„Der Westen steht vor den Scherben seiner Russlandpolitik“, bilanziert . Die Korrespondentin der Hauptstadtredaktion des TAGESSPIEGELS ist überzeugt: Daran seien Deutschland, Frankreich und die USA aber zum Großteil auch selbst schuld. Die westlichen Staatschefs seien zu naiv gewesen; man hätte es besser wissen können, meint sie.

Viele mag der Auftritt von Wladimir Putin im russischen Staatsfernsehen überrascht haben; als der Kreml-Chef vor laufenden Kameras die Anerkennung der ukrainischen Separatisten-Gebiete erklärte und wenig später russische Panzer über die ukrainische Grenze rollten, ging ein Aufschrei der Empörung und des Entsetzens um die . Von Salzen aber ist überzeugt: „Dieses groteske Schauspiel war sorgfältig choreografiert und seit langer Zeit geplant.“ Und wenn der Westen aufmerksamer zugehört hätte, dann hätte er wissen können, dass es so kommt, ärgert sie sich.

Bereits im vergangenen Sommer hat Putin in einem Aufsatz historisch argumentiert, warum die Ukraine in Wahrheit kein eigener Staat sei, sondern zu Russland gehört; bereits vor Jahren hat er das Ende der Sowjetunion als „größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet, erinnert die Journalistin. All das hätte dem Westen zeigen müssen: Putin hat die Gesprächsbereitschaft in den vergangenen Wochen „nur vorgetäuscht“. Dass die Gespräche mit Putin an seiner Haltung etwas ändern würden, sei von Anfang an naiv gewesen. Deshalb sei der Westen im Umgang mit Russland gescheitert und die Strategie von Frankreich, Deutschland und den USA ging nicht auf, stellt von Salzen fest.

Anmerkung der Redaktion

ist Journalistin und Politikredakteurin. Seit 2014 arbeitet sie als Korrespondentin in der Hauptstadtredaktion des TAGESSPIEGELS. Zu von Salzens Schwerpunkten gehören Russland und Osteuropa sowie große Recherchen. Unter anderem hat sie 2019 über die letzten NS-Prozesse in Deutschland berichtet und jahrelang die Aserbaidschan-Affäre der Union verfolgt.

DER TAGESSPIEGEL ist eine 1945 gegründete Tageszeitung aus Berlin. Chefredakteur ist , die Herausgeber sind und . Im Unterschied zur BERLINER ZEITUNG wird der TAGESSPIEGEL traditionell vor allem in den westlichen Bezirken der Stadt gelesen, da die Mauer die Verbreitung der Zeitung auf Westberlin beschränkt hatte. Eine 2024 durchgeführte Untersuchung der Universität Mainz zu 47 Medien ordnet die „ideologische Grundpositionierung“ des TAGESSPIEGELS als gemäßigt liberal-progressiv und gemäßigt sozialstaatsorientiert ein. Seit 2014 erhält der TAGESSPIEGEL besondere Aufmerksamkeit dank seines Checkpoint-Newsletters, der täglich aus Berlins Politik, Wirtschaft und Gesellschaft berichtet. EUROTOPICS beschreibt die Blattlinie der Zeitung als liberal. Der TAGESSPIEGEL wurde lange Zeit den regionalen Zeitungen zugerechnet, verfolgt seit einigen Jahren jedoch verstärkt eine überregionale Ausrichtung. Die Printauflage bleibt jedoch stark regional dominiert. Die verkaufte Auflage der Zeitung betrug im vierten Quartal 2025 rund 98.000 Exemplare (IVW), ihre Website verzeichnete laut Similarweb im März 2026 45,2 Millionen Besuche. Im Jahr 2025 war der TAGESSPIEGEL die meistzitierte Regionalzeitung Deutschlands (Quelle: Media Tenor). 2022 geriet die Chefredaktion des TAGESSPIEGELS infolge einer Kolumne des ehemaligen Chefredakteurs in die Kritik. In dem Artikel bezeichnete Martenstein das Tragen von Judensternen auf Corona-Demonstrationen als „sicher nicht antisemitisch“. Daraufhin distanzierte sich die TAGESSPIEGEL-Chefredaktion und depublizierte den Online-Beitrag. Der TAGESSPIEGEL erscheint im Verlag Der Tagesspiegel GmbH, der zur DvH Medien GmbH der Holtzbrinck-Familie gehört. Der DvH gehören außerdem die Titel HANDELSBLATT, WIRTSCHAFTSWOCHE sowie 50 Prozent des Verlags der ZEIT.

Originalartikel
Wen Putins Einmarsch überrascht, der hat nicht richtig aufgepasst
DER TAGESSPIEGELClaudia von Salzen
22.02.2022 · 3 Minuten · Deutsch
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