Perspektive
zur Debatte vom 16. Februar 2026
Braucht Deutschland eine eigene atomare Abschreckung? Contra
Deutschland könnte damit ein weltweites atomares Aufrüsten in Gang setzen
Die Perspektive in 30 Sekunden
Angesichts der angespannten Weltlage ist Deutschland laut Nicolas Richter dazu gezwungen, sich mit einer eigenen nuklearen Abschreckung zu beschäftigen. Der Redakteur der überregionalen, linksliberalen Tageszeitung SÜDDEUTSCHE ZEITUNG warnt aber vor den Konsequenzen, wenn Deutschland tatsächlich eigene Atomwaffen anschaffen würde.
Wenn Deutschland sich Atomwaffen zulege, verstoße das dem Autor nach unter anderem gegen den Zwei-plus-Vier-Vertrag. Dieser Vertrag machte die Wiedervereinigung möglich und verpflichtet Deutschland aufgrund der Verbrechen im Zweiten Weltkrieg dazu, keine eigenen Atomwaffen herzustellen oder zu besitzen. Vor allem aber hätte sich mit einer nuklearen Bewaffnung Deutschlands auch jener Vertrag erledigt, der trotz mehrerer Verstöße noch am ehesten für nukleare Ordnung weltweit sorgt, warnt Richter: der Atomwaffensperrvertrag, der prinzipiell nur wenigen Staaten Kernwaffen zugesteht.
Sollte Deutschland aus ihm austreten, dürften sich zudem auch Länder wie Polen, die Türkei oder Saudi-Arabien ebenfalls ermächtigt fühlen, eine nukleare Abwehr aufzubauen, befürchtet Richter. So würde Deutschland dazu beitragen, die regelbasierte Ordnung erheblich zu beschädigen und die Welt weiter zu destabilisieren, kritisiert der Redakteur.
Anmerkung der Redaktion
Nicolas Richter ist Leiter der Parlamentsredaktion der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Zuvor hat er als Nachrichtenchef das Ressort Investigative Recherche sowie das News Desk geleitet. Zudem hat Richter von 2012 bis 2016 als US-Korrespondent gearbeitet und dort unter anderem über den Aufstieg Donald Trumps berichtet. Richter hat Jura in München und Paris studiert. Darüber hinaus war er in den New Yorker Büros der DEUTSCHEN PRESSE AGENTUR und des ZDF tätig. Für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, darunter 2010 mit dem Helmut-Schmidt-Preis.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (SZ) ist eine überregionale Tageszeitung aus München und gilt als eines der deutschen Leitmedien. Sie erscheint seit 1945 als Nachfolgerin der MÜNCHNER NEUESTEN NACHRICHTEN und ist besonders durch ihre „Seite Drei-Reportagen“ und die kritische Glosse „Streiflicht“ bekannt. Chefredakteurin ist Judith Wittwer. Mit einer verkauften Auflage von zuletzt rund 449.000 Exemplaren (IVW Q4/2025) hat sie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht an Lesenden gewonnen. Nach der BILD ist sie in Deutschland die am zweitmeisten verkaufte Tageszeitung. Die Website der SZ wurde im März 2026 31,6 Millionen Mal aufgerufen. Die Blattlinie der Zeitung gilt als linksliberal. Zusammen mit den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR und NDR hat die SZ einen investigativen Rechercheverband, der zahlreiche Recherchen veröffentlichte – unter anderem zu Steuerschlupflöchern oder über die Ibiza-Affäre um den damaligen FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache. Seit 2025 hat die SZ eine Partnerschaft mit dem US-Magazin THE ATLANTIC, bei der wöchentlich fünf Texte des Magazins im Original veröffentlicht werden. Für die Aufklärung über die sogenannten „Panama Papers“ erhielten SZ-Journalist:innen 2017 als einziges deutsches Medium einen Pulitzer-Preis für investigative Recherche. Anfang 2024 wurde berichtet, die Chefredaktion habe zur Aufdeckung möglicher Informanten Kommunikationsdaten von Redaktionsmitgliedern überprüfen lassen. Dies löste Kritik aus, unter anderem von Reporter ohne Grenzen, die einen Verstoß gegen den Quellenschutz bemängelten. Die SZ wird seit 1947 von der Süddeutschen Verlags GmbH produziert. Eine Mehrheit am Süddeutschen Verlag (81,3 Prozent) hält die Südwestdeutsche Medien Holding GmbH (SWMH). Weitere 18,8 Prozent entfallen auf die SV Friedmann Holding GmbH, die die Interessen der Münchner Verlegerfamilie Friedmann vertritt.
Originalartikel
Verteidigung: Deutschland muss über atomare Abschreckung nachdenken
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (SZ)
Nicolas Richter 05.02.2026 ·
3 Minuten ·
Deutsch
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