Perspektive
zur Debatte vom 12. Mai 2025
Ist die deutsche Staatsräson gegenüber Israel noch zeitgemäß? Contra
Deutschland macht sich im Gazastreifen zum Komplizen
Die Perspektive in 30 Sekunden
Die Reporterin im Auslandsressort Juliane von Mittelstaedt meint im eher linksliberalen Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL, dass die deutsche Bundesregierung sich mit ihrer bedingungslosen Unterstützung Israels mitschuldig an völkerrechtlichen Verbrechen im Gazastreifen macht.
Von Mittelstaedt weist auf Israels Vorgehen in Gaza hin, vor allem die seit über zwei Monaten bestehende Blockade von Lebensmitteln und Medikamenten, sowie die Bombenangriffe, bei denen immer wieder Kinder sterben. Für sie war die erste Reise eines Vertreters der neuen Bundesregierung eine wichtige verpasste Chance, Israel rote Linien aufzuzeigen. Damit kritisiert sie den Besuch des Außenministers Johann Wadephul (CDU), der sich mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu getroffen hat. Wadephul habe damit laut der Auslandsreporterin „eine Legitimierung der israelischen Kriegsführung“ betrieben.
Wadephuls Kritik an Israels Vorgehen, sowie sein Plädoyer für einen Waffenstillstand bezeichnet von Mittelstaedt als „geschenkt“, die Zeit für freundlich vorgetragene Meinung sei vorbei. Sie fordert Konsequenzen vonseiten der deutschen Regierung, wie etwa das Ende von Waffenlieferungen an Israel. Wer den Krieg beenden will, „muss Israels Regierung unmissverständlich klarmachen, dass die politische Unterstützung an Bedingungen gebunden ist“, steht für die Auslandsreporterin fest. Dazu sollte ihrer Meinung nach ein Ende des Krieges von der Seite Israels gehören: „Mit jedem Tag wird nur das Leid größer, die Chance auf Versöhnung kleiner“, so von Mittelstaedt.
Anmerkung der Redaktion
Juliane von Mittelstaedt ist Journalistin. Sie hat für GEO, TAGESSPIEGEL, DIE ZEIT geschrieben und ist seit 2023 Reporterin im Auslandsressort beim SPIEGEL. Zuvor hat sie dort als Blattmacherin gearbeitet. Von Mittelstaedt studierte Politikwissenschaften in Berlin und absolvierte das Volontariat an der Henri-Nannen-Journalistenschule. Danach war sie als freie Journalistin und Korrespondentin aus Tel-Aviv tätig. Zudem ist sie Mitgründerin des Magazins CAMPUS der ZEIT.
DER SPIEGEL ist ein deutsches Nachrichtenmagazin, das 1947 von Rudolf Augstein gegründet wurde. Seinen Sitz hat das Magazin seit 2011 in Hamburg, Chefredakteur ist Dirk Kurbjuweit. DER SPIEGEL ist mehrfach preisgekrönt und zählt zu den deutschsprachigen Leitmedien: Er genießt großes Vertrauen und prägt die gesellschaftliche Debatte und Öffentlichkeit. Im vierten Quartal 2025 hatte das gedruckte Wochenmagazin eine Auflage von rund 625.000 verkauften Exemplaren (IVW). Eine zentrale Rolle im Magazin nimmt bis heute der investigative Journalismus ein. 1963 führten eine solche Recherche und die sogenannte SPIEGEL-Affäre dazu, dass der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß sein Amt räumen musste. 2018 wurde bekannt, dass der langjährige Mitarbeiter Claas Relotius wesentliche Inhalte von – teils preisgekrönten – SPIEGEL-Reportagen erfunden hatte. Hiernach reichte Relotius seine Kündigung ein. Das Blatt sprach von „einem Tiefpunkt in der 70-jährigen Geschichte des SPIEGEL“. 2021 wurden in Reaktion darauf die sogenannten Spiegel-Standards für Qualitätsjournalismus erarbeitet. DER SPIEGEL wird traditionell als eher linksliberales Medium gesehen, auch in Abgrenzung zu den anderen großen deutschen Nachrichtenmagazinen, dem FOCUS und dem STERN. Bereits Gründer Rudolf Augstein verortete sein Magazin „im Zweifel links“. 1994 ging SPIEGEL ONLINE als erstes Nachrichten-Magazin weltweit online. Im April 2026 verzeichnete die Website des SPIEGELS rund 71,5 Millionen Aufrufe (Quelle: Similarweb). DER SPIEGEL wird vom Spiegel-Verlag herausgegeben. An der SPIEGEL-Gruppe ist der international extrem einflussreiche Medienkonzern Bertelsmann über eine Tochtergesellschaft mit 25,5 Prozent beteiligt. Weitere 24 Prozent der Anteile entfallen auf die Familie Augstein. Die Mehrheit von 50,5 Prozent wird von den Mitarbeiter:innen des Verlags über eine Beteiligungsgesellschaft (Mitarbeiter-KG) gehalten, die sich demokratisch organisiert und regelmäßig ihre Vertreter:innen wählt.
Originalartikel
Deutschland macht sich zum Komplizen
DER SPIEGEL
Juliane von Mittelstaedt 11.05.2025 ·
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Deutsch
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