Perspektive
zur Debatte vom 06. Januar 2026
Sollten Deutschland und die EU das Vorgehen der USA in Venezuela viel stärker kritisieren? Contra
Deutschland und die EU sollten es sich nicht mit den USA verscherzen
Die Perspektive in 30 Sekunden
Für die liberalkonservative NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ) spricht sich der Redakteur für Recht und Politik Sebastian Lange gegen eine klare Kritik am Vorgehen der USA in Venezuela aus. Die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro sei zwar klar völkerrechtswidrig gewesen – doch Deutschland könne es sich gerade nicht erlauben, die USA als Partner zu verlieren.
Laut Lange ist der Wunsch nach einer klaren Positionierung gegen das US-amerikanische Verhalten verständlich. Trotzdem müsse man realpolitisch an die Sache herangehen: „Denn Deutschland braucht Amerika noch immer, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch“, meint der NZZ-Redakteur. Daher sei es schlau von Bundeskanzler Friedrich Merz, das Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump nicht weiter zu belasten.
Hinzu kommt Lange zufolge, dass Deutschland in seiner aktuellen Rolle sowieso keine Möglichkeit hätte, internationales Recht durchzusetzen. Selbst wenn Merz die USA also für ihre Missachtung des Rechts kritisieren würde – erreichen würde er damit nichts. Stattdessen müssen sich sowohl Deutschland als auch die EU bis auf Weiteres mit den USA arrangieren, meint Lange.
Anmerkung der Redaktion
Sebastian Lange ist ein studierter Jurist und Journalist für Recht und Politik. In Köln hat er sein erstes und zweites juristisches Staatsexamen abgeschlossen und arbeitet seit November 2025 als Rechtspolitischer Redakteur der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ). Zuvor war er als „Head of Digital“ bei der WIRTSCHAFTSWOCHE und als Managing Editor bei WELT N24 angestellt.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ) ist eine Schweizer Tageszeitung mit Hauptsitz in Zürich, die 1780 gegründet wurde. Seit 2017 richtet die NZZ ihren Fokus verstärkt auf den deutschen Markt und hat mittlerweile eine Berliner Redaktion, die eine eigenständige Deutschland-Ausgabe gestaltet. Sie gilt als etabliertes Leitmedium im deutschsprachigen Raum sowie in der Schweiz. Die NZZ wird von EUROTOPICS als liberal-konservativ bezeichnet und hat nach eigener Angabe eine „freisinnig-demokratische“ Ausrichtung. Die NZZ gilt seit langem als das publizistische Sprachrohr des liberalen Bürgertums in der Schweiz und steht der Schweizer FDP politisch am nächsten. Der Medienwissenschaftler Uwe Krüger sieht sie als konservativ, liberal und bürgerlich. Seit Eric Gujer 2015 Chefredakteur wurde, spricht unter anderem der DEUTSCHLANDFUNK von einem „Rechtsrutsch“ in der Berichterstattung. Der NDR befindet, Gujer habe die „NZZ um typisch rechtskonservative Themen und Meinungen erweitert“. Der Jurist und Medienethiker Luis Paulitsch ordnete die NZZ im Jahr 2025 den Mainstream-Medien zu, die teilweise Begriffe oder Feindbilder aus rechtsalternativen Medien aufgreifen und sich inhaltlich daran annähern. Die verkaufte Auflage der NZZ liegt laut aktuellen Zahlen (WEMF 2025) bei 53.771 Exemplaren (werktäglich). Die Zeitung erreicht eine Leserschaft von rund 236.000 Personen. Auf ihrer Webseite erreichte die NZZ im März 2026 laut Similarweb rund 15,4 Millionen Aufrufe. Die NZZ gehört der NZZ-Mediengruppe, die außer ihr weitere Schweizer Titel besitzt.
Originalartikel
Völkerrechtsbruch in Venezuela? Der deutsche Kanzler schweigt aus guten Gründen
NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ)
Sebastian Lange 05.01.2026 ·
3 Minuten ·
Deutsch
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