Perspektive

zum Tagesthema vom 26. August 2024
AfD bleibt vor Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen in Umfragen vorn
Kritik

Die AfD sorgt dafür, dass der politische Diskurs zusehends verroht

Die Perspektive in 30 Sekunden

Wie Jan Heidtmann erinnert, haben die ostdeutschen Bundesländer bereits mehrmals mit politischen Experimenten von sich reden gemacht. Doch mit dem Aufkommen der AfD sei das Politlabor zur echten Bedrohung für die Demokratie geraten, mahnt der Berlin- und Brandenburg-Korrespondent bei der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG.

Zwar wolle keine demokratische Partei mit der AfD koalieren, aber in Thüringen und Sachsen könnten die extremen Rechten künftig mehr als ein Drittel der Abgeordneten stellen. „Die beiden als rechtsextrem eingestuften Landesverbände hätten dann die Macht, Verfassungsänderungen zu verhindern oder die Wahl von Verfassungsrichtern zu blockieren“, macht Heidtmann die Konsequenzen deutlich. „Zugleich schrumpfen mit jeder Stimme, die die AfD dazugewinnt, die Koalitionsmöglichkeiten der demokratischen Parteien.“

Zwar werden laut dem SZ-Korrespondenten auch bei diesen Wahlen die Rechtsextremen kaum einen Regierungsauftrag bekommen. „Aber ihr Hass, ihre Hetze führen dazu, dass der politische Diskurs zusehends verroht“, zeigt er sich überzeugt und konstatiert: „Ein größerer Teil der Ostdeutschen hat sich anscheinend vom friedlichen Zusammenleben in dieser Republik verabschiedet.“

Anmerkung der Redaktion

Jan Heidtmann ist Journalist und Korrespondent der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG (SZ) für Berlin und Brandenburg. Er hat beim STERN als Parlamentsreporter gearbeitet und als freier Autor für DIE ZEIT und DIE WOCHE geschrieben. 2001 hat er im Süddeutschen Verlag beim Magazin der SZ begonnen, 2013 wechselte er in die innenpolitische Redaktion der Zeitung, anschließend half er mit, das Ressort Meinung aufzubauen. Er hat Wirtschaftswissenschaft und Politik studiert.

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (SZ) ist eine deutsche überregionale Tageszeitung aus München. Sie erscheint seit 1945 als Nachfolger der MÜNCHNER NEUSTE NACHRICHTEN. Seit 1947 wird sie von der „Süddeutschen Verlags GmbH“ produziert und ist besonders durch ihre „Seite Drei-Reportagen“ und die kritische Glosse „Streiflicht“ bekannt. Mit einer verkauften Auflage von zuletzt rund 446.000 Exemplaren (IVW Q3/2025) hat sie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht an Lesenden gewonnen. Nach der BILD ist sie in Deutschland die am zweitmeisten verkaufte Tageszeitung. Während die Zahlen der Print-Auflage zurückgehen, nimmt die digitale Auflage stetig zu und liegt bei nun 301.378 Exemplaren. Die Blattlinie der Zeitung gilt als linksliberal. Zusammen mit dem WDR und dem NDR hat die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG einen investigativen Rechercheverband, der zahlreiche investigative Recherchen veröffentlichte – unter anderem zu Steuerschlupflöchern oder über die Ibiza-Affäre um den damaligen FPÖ-Vorsitzenden Strache. Für die Aufklärung über die sogenannten „Panama Papers“ erhielten SZ-Journalist:innen 2017 einen Pulitzer-Preis für investigative Recherche. Die Chefredakteure Judith Wittwer und Wolfgang Krah standen im April 2022 in Kritik. Das MEDIUM MAGAZIN, das sich an Journalist:innen richtet, warf ihnen einen Mangel an Wertschätzung und ‚publizistischem Weitblick‘ vor. Daraufhin wurde Ende Januar 2024 bekannt gemacht, dass die beiden Chefredakteure angeordnet haben, die E-Mail-Kontakte und Festnetzanschlüsse von Redaktionsmitgliedern zu überprüfen, um eventuelle Insider ausfindig zu machen. Die Vorstandssprecherin der NGO Reporter ohne Grenzen, Katja Gloger, warf der SZ-Chefredaktion daraufhin vor, gegen das journalistische Grundprinzip des Quellenschutzes verstoßen zu haben.

Originalartikel
Spätestens bei diesen Wahlen stehen einige Grundfesten der Demokratie zur Abstimmung
SÜDDEUTSCHE ZEITUNGJan Heidtmann
13.08.2024 · 4 Minuten · Deutsch
Die Buzzard-Expert:innen haben diesen Artikel aus über 2.000 Medien für dich recherchiert und zusammengefasst, damit du in kurzer Zeit einen möglichst umfassenden Blick auf das Thema bekommst. Mehr...
Zum Artikel