Perspektive
zur Debatte vom 01. September 2021🗳 Sollte Sterbehilfe legalisiert werden?
Evangelische Kirche: Sterbehilfe darf nicht zu einer normalen Option werden
Die Perspektive in 30 Sekunden
„Die aktive Beendigung menschlichen Lebens kann für uns nie als normale Option gelten“, erläutert er. Mit „uns“ meint er die Evangelische Kirche. Zwar gebe es immer „Grenzsituationen“, in denen der Wunsch nach einem Suizid nachvollziehbar sein könne. Aber diese Situationen seien stets Einzelfälle, die nicht zur Norm werden dürfen, meint Bedford-Strohm. Für ihn bleibe Suizid immer „etwas Tragisches“, eine „Niederlage“, die es mit allen Kräften zu verhindern gelte. Er fühle sich dem Lebensschutz „verpflichtet“, sagt er.
Der EKD-Vorsitzende erläutert, sein Argument basiere auf dem fünften Gebot, das heißt: Du sollst nicht töten! Für ihn gehöre da auch der Selbstmord mit dazu. Dennoch betont der Vorsitzende der Evangelischen Kirche: Es sei falsch, dass Selbstmörder:innen von der Kirche in der Vergangenheit moralisch verurteilt wurden. Ebenso sei es falsch, dass ihnen das Recht abgesprochen wurde, christlich beerdigt zu werden. „Aus meiner Sicht widerspricht es dem Liebesgebot, das uns aufruft, Menschen auch in ausweglosen Situationen zu begleiten“, erläutert er.
Es gebe aber andere Möglichkeiten als den Suizid, zum Beispiel die Palliativmedizin – also die Verabreichung von Medikamenten, die den Schmerz lindern, sodass Patient:innen eines natürlichen Todes sterben – ohne ihr Leben frühzeitig zu beenden.
Anmerkung der Redaktion
EKD.DE ist der offizielle Webauftritt der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie ist der Zusammenschluss der 20 selbständigen evangelischen Landeskirchen in Deutschland, die widerum die Arbeit der deutschen Kirchengemeinden unterstützen und ihnen eine ethische Orientierung „in aktuellen politischen Fragen, Friedens- und Bildungsarbeit, Flüchtlingsarbeit und Umweltschutz“ bieten.
Heinrich Bedford-Strohm
Corinna Buschow
Franziska Hein