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Die Datenbanken, die angelegt werden, sind gefährlich

Biometrische Daten für Terroristen
21.08.2021 2 Minuten Deutsch
Gerrit Heim
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DIE PERSPEKTIVE IN 30 SEKUNDEN

Der Blogger Gerrit Heim hält die Einführung von Gesichtserkennung im öffentlichen Raum für gefährlich. Der Afghanistan-Konflikt zeige: Die für die Gesichtserkennung benötigten Daten können schnell in falsche Hände gelangen. Auf seinem Blog CURIUS schreibt Heim: „mit diesen Daten heißt es jetzt für die Taliban: Die Menschenjagd kann beginnen!“

Wie auch viele westliche Staaten – unter anderem Deutschland – habe Afghanistan auf biometrische Gesichtserkennung gesetzt. Dabei seien nicht nur die Daten verurteilter Straftäter erfasst worden. Auch diejenigen, die mit der internationalen Koalition kooperiert haben, tauchen im Datensatz auf. Mit diesen Daten können die Taliban nun politische Gegner gezielt verfolgen, erklärt Heim: Denn „Niemand kann sich verstecken. Fingerabdrücke können ebenso wenig ausgewechselt werden wie die Iris.“

Solche Datensätze seien „mitnichten“ nur am afghanischen Hindukusch ein Problem. In direkter osteuropäischer Nachbarschaft könne man sehen, wie politische Systeme sich zum autoritären wandeln können. Auch die Flüchtlingskrise und die Beinahe-Wahl von Marine Le Pen zeigen laut Heim: Dass biometrische Daten auch in Deutschland in falsche Hände gelangen könnten, ist nicht abwegig. Sein Fazit: Man sollte sich genau überlegen, ob man Datenbanken anlegen möchte, „die man sowieso nicht braucht, aber über die sich im Fall der Fälle der Gegner sehr freuen wird“. Er hält das Risiko solcher Datenbanken für zu groß.

ANMERKUNG DER REDAKTION

Gerrit Heim ist Blogger, wissenschaftlicher Bibliothekar und Historiker. Er hat seinen Master in Vergleichende Geschichte der Neuzeit abgeschlossen und promoviert seit 2015 zum Thema “Forschung zur Geschichte des Konfessionellen Konflikts im 18. Jahrhundert vor dem Hintergrund vermeintlich postkonfessioneller Diskurse.” Seit 2020 arbeitet er als Bibliotheksreferendar an der Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg der Goethe Uni in Frankfurt. Er betreibt außerdem den Blog CURIUS, auf dem er über Datenschutzthemen schreibt.