Perspektive

zur Debatte vom 26. Januar 2026
Sollte Deutschland die Fußball-WM in den USA boykottieren?
Pro

Die Drohung könnte Trump an einem womöglich entscheidenden Punkt treffen

Die Perspektive in 30 Sekunden

Vor dem Hintergrund der Grönland-Spannungen argumentiert der Sportredakteur Fabien Scheler, Europa müsse dem US-Präsidenten Donald Trump frühzeitig mit einem Boykott der Fußball-WM 2026 drohen. Er sieht eine gemeinschaftliche Boykottandrohung der Europäer und Südamerikaner als „einmalig und genau deswegen so mächtig“. Für die linksliberale Wochenzeitung DIE ZEIT zeigt er die weitreichenden Gründe für einen Boykott auf und unterstreicht das machtpolitische Druckpotenzial der Länder.

Laut Scheler haben die europäischen und südamerikanischen Länder mit der WM eine perfekte Drohkulisse. Fehlen Teams der beiden Kontinente, wäre es kein Kräftemessen der stärksten Länder der , „was Trump hassen würde“. Er meint: „Die Boykottdrohung ist nicht mehr nur ein moralisches Anliegen. Sie hätte politisches Gewicht. […] Das ist die Sprache, die Trump versteht.“ Wichtig ist seiner Meinung nach auch, diese Option nicht erst im Ernstfall zu diskutieren, sondern schon jetzt vorzubereiten, um bei weiteren Grenzüberschreitungen wie einer möglichen Annexion von Grönland handlungsfähig zu sein.

Gründe für den Boykott gibt es ihm zufolge auch jenseits von Grönland: In Venezuela hat US-Präsident Donald Trump den dortigen Staatschef mit Gewalt entführen lassen, die ICE-Agent:innen haben in Minnesota eine Frau auf offener Straße erschossen und werden auch während der WM im Einsatz sein. Seiner Ansicht nach hat der Stabschef Stephen Miller den US-Imperialismus mit Stärke, Macht und Gewalt definiert und „spuckt auf Europa, das auf Verträgen aufgebaut ist“.

Anmerkung der Redaktion

ist Journalist und derzeit Sportredakteur & Podcast-Host von „Was jetzt?“ für DIE ZEIT. Außerdem hostet er den Fußballpodcast „Kicken kann er“ und wurde 2018 vom Medium Magazin zu den „Top 30 unter 30“ Journalisten gewählt. Nach seinem Studium der Journalistik und Politikwissenschaft hat er für CORRECTIV und 11FREUNDE geschrieben.

DIE ZEIT ist die größte deutsche Wochenzeitung und hat ihren Sitz in Hamburg. Sie zählt zu den deutschen Leitmedien und hat damit bedeutenden Einfluss in der Medienlandschaft. DIE ZEIT erscheint seit 1946 und wurde zunächst als rechtskonservatives Blatt ausgelegt. Erst in den 1960er Jahren wurde die Wochenzeitung als liberales Medium ausgerichtet. In gesellschaftspolitischen Fragen gilt DIE ZEIT als grundsätzlich (links-)liberal, hat allerdings auch viele Gastbeiträge aus dem gesamten Meinungsspektrum oder stellt Beiträge mit gegensätzlichen Meinungen gegenüber. Der NDR urteilt, DIE ZEIT gelte als „Blatt der Akademiker und Intellektuellen“ – und sei damit durchaus erfolgreich. Tatsächlich gehört DIE ZEIT zu den wenigen deutschsprachigen Printmedien, die seit der Digitalisierung an Auflage gewonnen haben. Zuletzt lag die verkaufte Auflage bei rund 625.000 Exemplaren (IVW Q4/2025). Die Website der ZEIT hatte im März 2026 55,5 Millionen Aufrufe (Quelle: Similarweb). 2021 veröffentlichte DIE ZEIT einen Gastbeitrag des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Darin plädierte er für eine engere Kooperation zwischen Russland und Europa, übte jedoch zugleich deutliche Kritik an NATO und Europäischer Union. Die Veröffentlichung löste eine breite Kontroverse aus; insbesondere wurde die Zeitung dafür kritisiert, dem russischen Präsidenten eine Plattform zu bieten. Die ZEIT hat mehrere Podcasts, darunter sehr erfolgreiche Reihen wie „Alles gesagt?“ und „ZEIT Verbrechen“. Chefredakteure sind Jochen Wegner und , der auch Mitherausgeber des TAGESSPIEGELS ist. Die Zeitung erscheint im Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, dessen Eigentümer zu unterschiedlichen Teilen der Holtzbrinck-Familie angehören. Die DvH Media Group, die 50 Prozent der Anteile am Zeitverlag hält, besitzt außerdem die Titel HANDELSBLATT, WIRTSCHAFTSWOCHE und den TAGESSPIEGEL.

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DIE ZEITFabian Scheler
19.01.2026 · 4 Minuten · Deutsch
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