Perspektive
zum Tagesthema vom 07. Mai 2025
Merz-Regierung nimmt nach Wahlkrimi die Arbeit auf Analyse
Die größte Herausforderung für die neue Regierung ist die Persönlichkeit des Kanzlers
Die Perspektive in 30 Sekunden
Friedrich Merz (CDU) hat es nach dem Fehlstart doch im zweiten Anlauf ins Kanzleramt geschafft. Für Florian Harms, Chefredakteur von der Nachrichtenplattform T-ONLINE, stellt jetzt die Persönlichkeit des neuen Bundeskanzlers die größte Herausforderung für die schwarz-rote Regierung dar.
Merz gilt laut Harms als „selbstbezogen, aufbrausend, manchmal auch hitzköpfig“. Im Wahlkampf habe er politische Gegner:innen als „linke Spinner“ beschimpft und sei unbekümmert über die Kritik an seinem laxen Umgang mit der AfD hinweg gegangen. Eine solche „Hemdsärmeligkeit“ könne sich Merz als Regierungschef jetzt aber nicht mehr erlauben. „Er muss dringend reifen – politisch, kommunikativ, charakterlich. Für einen 69-Jährigen ist das keine leichte Aufgabe“, so der T-ONLINE-Autor.
Angesichts der immer stärker werdenden AfD werde immer deutlicher, dass die demokratische Mitte in Deutschland schwächer wird und ihren institutionellen Kurs nicht mehr durchziehen kann. Die nun von Merz angeführte demokratische Mitte müsse deshalb sensibler vorgehen, auf Kritiker:innen eingehen und sich stärker um Mehrheiten bemühen, meint Harms. Der neue Bundeskanzler brauche dafür Weitblick, Verbindlichkeit und Demut. Und diese Eigenschaften braucht Merz laut Harms bereits am ersten Tag nach seiner Kanzlerwahl: direkt bei seinen ersten Auslandsreisen nach Paris und Warschau.
Anmerkung der Redaktion
Florian Harms ist deutscher Sachbuchautor, Journalist und Chefredakteur von T-ONLINE. Daneben ist er Geschäftsführer der Ströer News Publishing GmbH und Mitglied im Verwaltungsrat der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ). Harms hat Islam- und Politikwissenschaften in Freiburg und Damaskus studiert und promoviert. Anschließend hat er ein Volontariat bei der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG absolviert und war danach als freier Journalist tätig. 2006 hat Harms als festangestellter Redakteur beim SPIEGEL begonnen. 2015 wurde er Chefredakteur von SPIEGEL ONLINE, bis er 2017 zu T-ONLINE wechselte.
T-ONLINE ist ein deutsches Nachrichtenportal. Es wurde 1995 von der Deutschen Telekom als Onlinedienst gegründet. Seit 2017 entstehen die Inhalte in der Zentralredaktion Berlin unter Chefredakteur Florian Harms, der früher SPIEGEL ONLINE leitete. Neben der Nachrichtenplattform ist T-ONLINE auch Anbieter für E-Mail-Adressen und den Telekom-Kundenservice. Während Kundenservice und E-Mail-Adressen zur Telekom gehören, ist das Nachrichtenportal seit 2015 Teil des Medienunternehmens Ströer, welches die Redaktion umgehend umstrukturierte. Ziel ist es laut dem Branchen-Magazin MEEDIA, die Plattform „vom ehemaligen Beiprodukt zum hochkarätig besetzten Nachrichtenportal“ umzubauen. Heute veröffentlicht T-ONLINE eine Mischung aus redaktionellen und werblichen bzw. Service-Inhalten, Nachrichten, Meinungen und Erklärformaten zum aktuellen Weltgeschehen in verschiedenen Rubriken. Chefredakteur Harms schrieb 2024, T-ONLINE rechne sich „keinem politischen oder weltanschaulichen Lager zu“, sondern wolle die Mitte der Gesellschaft repräsentieren – „natürlich stets auf dem Boden der demokratischen, freiheitlichen und rechtsstaatlichen Grundordnung“. 2020 berichtete MEDIENINSIDER über einen hohen Arbeitsdruck in der Redaktion und kritisierte einen Rückgang weiblicher Führungskräfte. 2023 berichtete BUSINESS INSIDER, dass die Nachrichtenseite zwar ungewöhnlich gewinnbringend sei, viele Beschäftigte aber niedrige Gehälter und fehlende Erhöhungen kritisierten. Die Website von T-ONLINE wurde im März 2026 laut Similarweb 124,4 Millionen Mal aufgerufen. Ein Großteil des Traffics kommt allerdings über den E-Mail-Service von T-ONLINE zustande. T-ONLINE gehört dem Unternehmen Ströer SE & Co. KG aA, das zu 40 % seinen beiden Gründern gehört. Weitere Anteile gehören Investmentgesellschaften und der JP Morgan Chase Bank, einer der größten US-Banken.
Originalartikel
Merz muss bangen
T-ONLINE
Florian Harms 07.05.2025 ·
3 Minuten ·
Deutsch
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