Perspektive

zur Debatte vom 27. August 2024
Kann die Ukraine den Krieg gegen Russland noch gewinnen?
Pro

Die Kämpfe in Kursk haben der Ukraine einen wichtigen Schub gegeben

Die Perspektive in 30 Sekunden

„Zum ersten Mal seit Monaten sprechen die Ukrainer wieder von der Möglichkeit eines Sieges“, freut sich bei der regimekritischen russischen Onlinezeitung THE MOSCOW TIMES. Laut dem Analysten und akademischem Mitarbeiter am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte an der Universität Heidelberg sei es der Ukraine mit dem Überraschungsangriff auf die russische Region Kursk gelungen, Moskau unter Druck zusetzen. Dies zeige sowohl der als auch den Ukrainer:innen selbst, dass die Ukraine immer noch kämpfe und Russland verletzbar sei.

In erster Linie habe der überraschende Einmarsch der ukrainischen Streitkräfte einmal mehr gezeigt, dass Russlands „rote Linien“ illusorisch seien. Immer wieder habe die Ukraine diese Grenzen überschritten, wobei die russische Reaktion immer wieder weit hinter den Drohungen zurückgeblieben sei.

Zweitens habe die Ukraine während ihres Einmarsches in Kursk bereits mehrere strategische und taktische Erfolge erzielt: Taktisch, da sie dem russischen Militärpersonal, der militärischen Ausrüstung und den Logistik- und Nachschublinien schade. Und strategisch durch die Besetzung rund 1.000 Quadratkilometer russisches Territorium. Solle es der Ukraine gelingen, dieses Gebiet zu halten oder sogar noch mehr einzunehmen, könne dies als wirksames Druckmittel dienen, glaubt Kroeker.

Zuletzt sei der Einmarsch der Ukraine in Kursk ein dringend benötigter moralischer Schub für die ukrainischen Truppen und die ukrainische Gesellschaft gewesen. In diesem Sinne bedeute der Einmarsch der Ukraine in Kursk bereits einen kleinen Sieg. Trotzdem sei es wichtig, vorsichtig zu bleiben.

Anmerkung der Redaktion

ist CEO und Gründer der Reaktion Group, Analyst bei dem politischen Analyseprojekt R.Politik und Redakteur bei RANE. Seine Spezialgebiete sind russische und ukrainische Geschichte, Politik, Energiepolitik und internationale Beziehungen. Zudem ist Kroeker Doktorand und akademischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte an der Universität Heidelberg. Seit 2020 ist er zuständig für die Forschungsstelle für Geschichte und Kultur der Deutschen in Russland am Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften. Kroeker hat Geschichte in Vancouver und Global History mit Schwerpunkt Osteuropa in Heidelberg studiert.

THE MOSCOW TIMES ist eine englischsprachige Onlinezeitung. Sie ist anfänglich in gedruckter Auflage erschienen und lag als kostenfreie Zeitung in Hotels, Cafés und anderen Orten aus, an denen sich englischsprachige Tourist:innen in Russland aufhalten. Seit 2017 erscheint sie ausschließlich digital. Die Chefredakteurin Skroobogatova begründete die Entscheidung mit rückläufigen Verkaufszahlen im Printbereich. Anschließend hat sich das Blatt auf Nachrichten in Russland, das Moskauer Stadtleben und politische Meinungsartikel konzentriert. Die Zeitung befindet sich im Besitz einer niederländischen Stiftung, hinter der der ursprüngliche Zeitungsgründer Derk Sauer steht. THE MOSCOW TIMES finanziert sich darüber hinaus unter anderem mittels Anzeigen. Im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine hat die aufgrund der gefährlichen Lage Maßnahmen ergriffen, um ihre Beschäftigten zu schützen. Dazu zählt zum Beispiel das Schreiben von Artikeln unter einem Pseudonym. Seit dem Ukrainekrieg hat die MOSCOW TIMES außerdem ihren Newsroom nach Yerevan in Armenien und ihren Hauptsitz nach Amsterdam verlegt.

THE MOSCOW TIMES berichtet über sich selbst: „Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat die Moscow Times als ‚unerwünschte‘ Organisation eingestuft, was unsere Arbeit kriminalisiert und unsere Mitarbeiter der Gefahr einer Strafverfolgung aussetzt. Dies folgt auf unsere frühere ungerechte Einstufung als ‚ausländischer Agent‘. Diese Maßnahmen sind direkte Versuche, den unabhängigen Journalismus in Russland zum Schweigen zu bringen. Die Behörden behaupten, unsere Arbeit ‚diskreditiere die Entscheidungen der russischen Führung‘. Wir sehen das anders: Wir bemühen uns um eine genaue, unparteiische Berichterstattung über Russland.“

Originalartikel
The Fighting in Kursk Is Already a Small Victory for Ukraine
THE MOSCOW TIMESJoshua R. Kroeker
15.08.2024 · 4 Minuten · Englisch
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