Perspektive

zum Tagesthema vom 19. September 2025
Kirk-Attentat entfacht einen Kulturkampf um Meinungsfreiheit – nicht nur in den USA
Kritik

Die Meinungsfreiheit gerät jetzt ernsthaft in Gefahr – durch beide Seiten

Die Perspektive in 30 Sekunden

Der Kolumnist sieht in der aktuellen Entwicklung in den USA die Meinungsfreiheit in Gefahr. In einem Plädoyer für die Wichtigkeit dieses Grundrechts bei der linksliberalen Tageszeitung THE NEW YORK TIMES verurteilt er beides scharf: das Attentat auf Charlie Kirk ebenso wie die Absetzung der Show von Jimmy Kimmel. Beides ist für ihn ein Zeichen, dass die US-Amerikaner:innen immer weniger mit anderen Meinungen umgehen können.

„Ich habe ein unmittelbares und persönliches Interesse daran, das Recht anderer auf freie Meinungsäußerung zu schützen – denn dadurch bleibt mir die Möglichkeit erhalten, Ihre Argumente anzuhören, Ihren Standpunkt zu berücksichtigen und vielleicht meine eigenen Ideen oder Handlungen zu ändern“, führt er aus. „Tatsächlich kann es wichtig sein, auch die schlimmsten Reden anzuhören.“ Jede einzelne der aktuellen Positionen aus beiden politischen Lagern im aktuellen Kulturkampf in den USA verstößt seiner Ansicht nach gegen diesen Grundsatz.

Dass sich diese Krise weiter verschärft, untermauert French mit einer Studie des Politikwissenschaftlers Kevin Wallsten. Demnach betrachten jüngere Generationen den Einsatz von Gewalt im Vergleich zu älteren Generationen eher als legitimes Mittel, um andere Meinungen zu unterdrücken. In diesem Zusammenhang warnt er alle politischen Lager davor, die Fronten weiter zu verhärten, und fordert stattdessen dazu auf, im eigenen Lager deeskalierend auf andere einzuwirken.

Anmerkung der Redaktion

ist Autor, politischer Kommentator und ehemaliger leitender Redakteur bei dem Online-Magazin für politischen Journalismus THE DISPATCH. Darüber hinaus ist er Kolumnist bei der NEW YORK TIMES und schreibt für die tendenziell links-liberale US-amerikanische Zeitschrift THE ATLANTIC. Dort schreibt er außerdem den Newsletter „The Third Rail“, wo er sich mit Themen wie der US-amerikanischen Verfassung, Kultur und den Streitigkeiten innerhalb seines Landes befasst. Zuvor war French leitender Autor bei dem zweimonatlich erscheinenden, eher konservativen Magazin THE NATIONAL REVIEW. Er ist ein gelernter Anwalt und Kriegsveteran.

THE NEW YORK TIMES ist eine US-amerikanische Tageszeitung mit Sitz in New York. Sie erschien erstmals 1851. Sie gilt als die weltweit einflussreichste Zeitung. Die redaktionelle Modernisierung der NEW YORK TIMES in den 1970er-Jahren, in der die Zeitung in verschiedene Ressorts gegliedert wurde, ist bis heute weltweit maßgeblich für Tageszeitungen. Die Zeitung hat 125 Pulitzer-Preise gewonnen und damit mehr als jede andere Nachrichtenorganisation. Die SUNDAY NEW YORK TIMES hat eine durchschnittliche Auflage von über 1,1 Millionen. Der Internetauftritt der Zeitung hat laut Plattform Similarweb, die Statistiken zum Nutzerverhalten darstellt, um die 642 Millionen Besuche pro Monat (Stand: Juli 2024). Sie gilt als linksliberal, obwohl die NEW YORK TIMES verschiedenste politische Stimmen zu Wort kommen lässt. Jedoch gab es 2021 Vorwürfe der Cancel Culture, als der Chefredeakteur Dean Baquet den Journalisten Donald McNeil Jr. zur Kündigung triebd, weil dieser in einer Diskussion über Rassismus das N-Wort als Zitat verwendet hatte (um rassistische Sprache zu kritisieren). Zeitgleich wurde der Zeitung ein zu schnelles Entlassen der Journalistin Lauren Wolfe wegen eines Tweets über Joe Biden vorgeworfen. Interne Umfragen der Zeitung im Februar 2021 ergaben außerdem, dass knapp die Hälfte der Mitarbeiter intern nicht mehr ihre eigene Meinung sagen würden und den Eindruck haben, dass unterschiedliche Sichtweisen nicht mehr in der Zeitung erwünscht seien.

Originalartikel
Charlie Kirk, Jimmy Kimmel and the Future of Free Speech in America
THE NEW YORK TIMESDavid French
18.09.2025 · 9 Minuten · Englisch
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