Perspektive
zur Debatte vom 23. Februar 2022
Hat der Westen im Umgang mit Russland versagt? Contra
Die NATO-Osterweiterung war kein Fehler – sondern nur ein Vorwand für Putin
Die Perspektive in 30 Sekunden
Das Argument, der Westen sei durch die NATO-Osterweiterung Schuld an der Eskalation des Ukraine-Konflikts, lässt WELT-Chefkommentator Jacques Schuster nicht gelten. Die forcierte NATO-Osterweiterung sei kein Fehler des Westens gewesen, sondern lediglich Vorwand für Russland zum Einmarsch in die Ukraine. „Das westliche Bündnis bedrohte Russland zu keiner Zeit – Putins Propaganda mag noch so aggressiv das Gegenteil herausposaunen“, schreibt Schuster in seinem Kommentar für die WELT. Die NATO habe nie ihre Versprechen gegenüber Russland gebrochen. „Wenn es eine Seite gab, die Verträge brach, dann war es die russische“, meint Schuster.
Putin sei daher dafür verantwortlich, dass die diplomatischen Versuche im Ukraine-Konflikt gescheitert sind – nicht der Westen. Vielmehr habe der Westen alles daran gesetzt, die Lage zu beruhigen. „Ob in Washington, Paris, Berlin oder Rom – der Wille, Russland einzubinden, war auf allen Seiten zu spüren. Vergeblich“, seufzt Schuster.
Der WELT-Chefkommentator ist überzeugt, dass der Westen somit keinen Fehler mit der Forcierung der NATO-Osterweiterung gemacht habe. Putin selbst habe dafür gesorgt, dass die NATO ihre Präsenz in Osteuropa erhöhen wird. Der Einmarsch in die Ukraine habe der NATO das Recht gegeben, aktiver zu werden.
Anmerkung der Redaktion
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Originalartikel
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DIE WELT 22.02.2022 ·
3 Minuten ·
deutsch
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