Perspektive
zur Debatte vom 01. September 2021
🗳 Brauchen wir eine Frauenquote in deutschen Unternehmen? ARGUMENTE AUS DEN MEDIEN
Die Quote ist auch für Männer gut
Die Perspektive in 30 Sekunden
In seiner Kolumne „Fratzschers Verteilungsfragen“ auf ZEIT ONLINE erklärt Ökonom Marcel Fratzscher, warum eine Frauenquote nicht nur Chancengleichheit bringt, sondern auch auf anderen Ebenen wirkt – und auch den Männern nützen kann.
Der Ökonom nennt zwei Gründe, warum die Quote nicht nur für Frauen gut ist: Erstens böten mehr Mitarbeiterinnen eine Chance für die Verbesserung von Unternehmen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass „Unternehmen mit einem ausgewogenen Management und einem hohen Maß an Diversität wirtschaftlich erfolgreicher und widerstandsfähiger sind“, erläutert er. Unternehmen, die nicht nur von Männern geleitet werden, erzielten demnach bessere Ergebnisse.
Zweitens dürfe man nicht vergessen, dass Männer ihre Positionen in der Vergangenheit Deutschlands „nicht wegen ihrer Qualifikationen, sondern aufgrund des Geschlechts“ erhalten haben, so Fratzscher. Umfragen zeigten jedoch, dass sich auch Männer Gleichstellung und Chancengleichheit wünschen. Denn, erläutert Fratzscher, „auch Männer wollen, dass ihre Partnerinnen gesund und zufrieden eine erfüllende Karriere verfolgen können. Sie wollen genauso mehr Aufgaben in der Familie mit ihren Partnerinnen teilen, wie Frauen dies wollen.“ Die Darstellung, vor allem Frauen würden von Gleichstellung durch Quoten profitieren, sei also nicht richtig, findet der Ökonom.
Anmerkung der Redaktion
Marcel Fratzscher ist Ökonom und Präsident des DEUTSCHEN INSTITUTS FÜR WIRTSCHAFTSFORSCHUNG (DIW). Er ist außerdem Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zuvor hat er für die Europäische Zentralbank gearbeitet und dort auch die Abteilung International Policy Analysis geleitet. Diese ist dafür zuständig, Politikpositionen der Europäischen Zentralbank über internationale Themen zu formulieren. 2016 wurde er in der FAZ-Rangliste der einflussreichsten Ökonomen in Deutschland in den Top 10 gelistet. Im Kampf gegen die wachsende Vermögensungleichheit in Deutschland wirbt Fratzscher für eine Änderung bestehender Erbschaftsgesetze. Für ZEIT ONLINE schreibt er seit Dezember 2016 die Kolumne „Fratzschers Verteilungsfragen“.
DIE ZEIT ist die größte deutsche Wochenzeitung und hat ihren Sitz in Hamburg. Sie zählt zu den deutschen Leitmedien und hat damit bedeutenden Einfluss in der Medienlandschaft. DIE ZEIT erscheint seit 1946 und wurde zunächst als rechtskonservatives Blatt ausgelegt. Erst in den 1960er Jahren wurde die Wochenzeitung als liberales Medium ausgerichtet. In gesellschaftspolitischen Fragen gilt DIE ZEIT als grundsätzlich (links-)liberal, hat allerdings auch viele Gastbeiträge aus dem gesamten Meinungsspektrum oder stellt Beiträge mit gegensätzlichen Meinungen gegenüber. Der NDR urteilt, DIE ZEIT gelte als „Blatt der Akademiker und Intellektuellen“ – und sei damit durchaus erfolgreich. Tatsächlich gehört DIE ZEIT zu den wenigen deutschsprachigen Printmedien, die seit der Digitalisierung an Auflage gewonnen haben. Zuletzt lag die verkaufte Auflage bei rund 625.000 Exemplaren (IVW Q4/2025). Die Website der ZEIT hatte im März 2026 55,5 Millionen Aufrufe (Quelle: Similarweb). 2021 veröffentlichte DIE ZEIT einen Gastbeitrag des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Darin plädierte er für eine engere Kooperation zwischen Russland und Europa, übte jedoch zugleich deutliche Kritik an NATO und Europäischer Union. Die Veröffentlichung löste eine breite Kontroverse aus; insbesondere wurde die Zeitung dafür kritisiert, dem russischen Präsidenten eine Plattform zu bieten. Die ZEIT hat mehrere Podcasts, darunter sehr erfolgreiche Reihen wie „Alles gesagt?“ und „ZEIT Verbrechen“. Chefredakteure sind Jochen Wegner und Giovanni di Lorenzo, der auch Mitherausgeber des TAGESSPIEGELS ist. Die Zeitung erscheint im Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, dessen Eigentümer zu unterschiedlichen Teilen der Holtzbrinck-Familie angehören. Die DvH Media Group, die 50 Prozent der Anteile am Zeitverlag hält, besitzt außerdem die Titel HANDELSBLATT, WIRTSCHAFTSWOCHE und den TAGESSPIEGEL.
Originalartikel
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DIE ZEIT
Marcel Fratzscher 29.12.2020 ·
3 Minuten ·
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