Perspektive

zur Debatte vom 23. Februar 2022
Hat der Westen im Umgang mit Russland versagt?
Pro

Die Regierungen im Westen sind viel zu unkoordiniert

Die Perspektive in 30 Sekunden

Frankreich-Korrespondent zieht in der österreichischen Tageszeitung DER STANDARD ein vernichtendes Urteil: Der Westen sei gescheitert. Die Strategie des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, bis zuletzt Verhandlungen mit Putin anzustrengen, sei „wie ein Kartenhaus“ in sich zusammengebrochen. Den Grund dafür sieht Brändle nicht zuletzt auch darin, dass Deutschland, Frankreich und Großbritannien taktisch nicht gemeinsam agierten, sondern die Regierungschefs jeweils nur ihre eigenen Interessen im Blick hätten.

Das „deutsch-französische Tandem“ laufe nicht mehr so geschmiert wie noch zu Zeiten der Ex-Kanzlerin , meint Brändle: „Macron und der deutsche Kanzler agierten in Moskau eher neben- statt miteinander“. Auch die Arbeitsteilung zwischen EU und Großbritannien habe versagt. „Drohkulisse in Washington und London – Vermittlungsversuche aus Paris und Berlin“ – diese Doppelstrategie erwies sich rückblickend als wirkungslos, bilanziert Brändle.

Der Grund dafür sei, dass die angebliche Arbeitsteilung der westlichen Regierungen eigentlich nie eine Arbeitsteilung war: Jede Regierung habe vor allem ihre eigenen Interessen im Blick. Biden verfolge eine innenpolitische Agenda und der britische Premier bleibe auf Distanz zur EU, obwohl er dieselben Worte nutze wie Brüssel. Auch innerhalb der westlichen Regierungen herrsche Uneinigkeit. Brändle macht das am Beispiel Frankreich fest: So fordern die französischen Republikaner, dass der Westen geschlossen härtere Sanktionen verhängen soll, während die französische Linke das Vorpreschen der USA bei den Sanktionen kritisiert. Bei einem derart unkoordinierten politischen Gegner sei es klar, dass Putin taktisch überlegen sei, bilanziert Brändle.

Anmerkung der Redaktion

ist ein promovierter Jurist, Journalist und Reporter aus der Schweiz. Er arbeitet als Wirtschafts-Korrespondent in Paris und berichtet unter anderem für die FRANKFURTER RUNDSCHAU, die STUTTGARTER ZEITUNG und NACHRICHTEN sowie für den österreichischen STANDARD. Nach seinen Anfängen beim Schweizer TAGES-ANZEIGER arbeitete Brändle für ein Jahr in Brasilien und später in Kuba, Mexiko, Kanada und den USA. Reportagen schrieb er auch aus einigen asiatischen Ländern, beispielsweise Indien, Iran, China und Japan.

DER STANDARD ist eine österreichische Tageszeitung mit Sitz in Wien. Die Zeitung wurde 1988 nach dem Vorbild der NEW YORK TIMES gegründet und erhielt 1994 den ersten Onlineauftritt aller deutschsprachigen Zeitungen. Chefredakteur ist seit 2024 Gerold Riedmann. DER STANDARD gilt im Vergleich zu anderen österreichischen Blättern als linksliberale Zeitung. Gründer Oscar Bronner sagte der TAZ: „Ich war politisch immer ein Liberaler, aber eher links der Mitte sozialisiert.“ EUROTOPICS beschreibt die Zeitung als linksliberales Qualitätsmedium, das insbesondere in der Einbindung seiner Nutzer:innen eine Vorreiterrolle einnehme. Laut der Österreichischen Auflagenkontrolle (ÖAK) hatte die Zeitung 2025 im Wochenschnitt eine verkaufte Auflage von rund 56.000 Exemplaren. Der Webauftritt des STANDARD hatte im März 2026 25,7 Millionen Besuche zu verzeichnen (Quelle: Similarweb). DER STANDARD gehört fast ausschließlich seinem Herausgeber Oscar Bronner und dessen Privatstiftung.

Originalartikel
Macron und das Scheitern des Westens in der Ukraine
DER STANDARDStefan Brändle
22.02.2022 · 3 Minuten · Deutsch
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