Perspektive
zur Debatte vom 16. März 2026
Sollte Fracking in Deutschland wieder erlaubt werden? Pro
Die Risiken sind nicht größer als bei einer normalen Tiefenbohrung
Die Perspektive in 30 Sekunden
In einem Interview mit der konservativen Tageszeitung DIE WELT plädiert Professor und Fracking-Befürworter Hans-Joachim Kümpel für eine Neubewertung des Frackings in Deutschland. Der ehemalige Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hält vor allem ideologische Ursachen für den Grund, dass die heimische Erdgasförderung blockiert werde. In den Medien beobachtet er des Öfteren „ausgedachte Schreckensszenarien“, die einem wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit entgegenstehen.
Generell verfüge Deutschland über große unkonventionelle Gasreserven, die ein Viertel des nationalen Bedarfs decken könnten. Zwar ist Fracking aktuell verboten. Doch das Verbot sei nur das Ergebnis emotionaler Kampagnen und strategischer politischer Einflussnahmen: Etwa durch Russland, das vor dem Ukraine-Krieg mit Gazprom und Nordstream 2 von der deutschen Abhängigkeit profitiert habe. Auch die Schreckensbilder von brennenden Wasserhähnen und unkontrollierten Erdbeben seien wissenschaftlich unbegründet. Der eigentliche Irrsinn liegt laut dem Experten jedoch in der Tatsache, dass teures Fracking-Gas aus Übersee importiert wird: Dieses Gas müsse gekühlt und transportiert werden – und verursache damit deutlich höhere Emissionen als eine streng regulierte Förderung hierzulande.
Die technischen Risiken für das Grundwasser oder durch Erdbeben bezeichnet er bei der Einhaltung der deutschen Sicherheitsstandards als beherrschbar. Tatsächlich habe Fracking noch einen weiteren positiven Nebeneffekt. Für Fracking müsse tief gebohrt werden. Diese Bohrungen könne man später für die Energiegewinnung durch Geothermie verwenden. Fracking könne so in zweierlei Hinsicht als Brückentechnologie gelten.
Anmerkung der Redaktion
Axel Bojanowski ist Wissenschaftsjournalist und ist Chefreporter für Wissenschaft bei der WELT. Der studierte Geowissenschaftler war zuvor unter anderem Redakteur beim SPIEGEL und der Chefredakteur der BILD DER WISSENSCHAFT UND NATUR. Er beschäftigt sich mit den Themen Umwelt, Klimapolitik, Geoforschung, Meereskunde, Wissenschaftskommunikation und mahnt in seinen Texten bereits seit den 90er-Jahren vor den Auswirkungen des Klimawandels.
Hans-Joachim Kümpel ist Mitglied der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (acatech). Von 2007 bis 2016 war er Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sowie der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft. Seinen Fokus legt Kümpel in der angewandten Geophysik auf die Poroelastizitätstheorie und Porenwasserdruckanomalien, die er unter anderem beim Kontinentalen Tiefbohrprojekt erforschte. Er schreibt für den libertär-konservativen PRAGMATICUS und gibt in verschiedenen Medien Interviews zu Rohstoffdebatten und Fracking. Er sieht in der geothermischen Nutzung der für Fracking getätigten Bohrungen eine sinnvolle Perspektive. Als Professor für Angewandte Geophysik lehrte er in Bonn und ist emeritierter Direktor des Leibniz-Instituts für Angewandte Geophysik. Zudem lehrte er in Clausthal und Hannover. Kümpel hat ab 1971 Mathematik und Informatik in Freiburg und ab 1973 Geophysik in Kiel studiert. 1982 promovierte er zu Neigungsmessungen zwischen Hydrologie und Ozeanographie in Kiel und war als Post-Doktorand unter anderem an der Dalhousie Universität in Halifax tätig. 1989 habilitierte er in Kiel zu den Verformungen in der Umgebung von Brunnen.
DIE WELT ist eine überregionale Tageszeitung mit Sitz in Berlin. Sie wurde 1946 gegründet und erschien im vierten Quartal 2025 in einer verkauften Auflage von rund 90.000 Exemplaren. Die Auflagenzahl ist damit im Vergleich zu 2024 stark eingebrochen. Gleichzeitig gehörte die Website der WELT im März 2026 mit rund 90,5 Millionen Besuchen zu den meistbesuchten Nachrichten-Websites in Deutschland. Die politische Ausrichtung der WELT gilt als bürgerlich-konservativ. In ökonomischen Fragen positioniert sich die Zeitung meist wirtschaftsliberal. Das Goethe-Institut urteilt, DIE WELT ziele in ihrer Printausgabe auf „mittelständische Unternehmer und Selbstständige, die konservative Werte schätzen“. WELT-Autor:innen bekennen sich zu den Leitlinien des Axel-Springer-Verlages, die unter anderem ein Eintreten für „die freie und soziale Marktwirtschaft“ sowie Solidarität mit den USA und Israel fordern. DIE WELT hat bereits mehrfach Rügen vom Deutschen Presserat erhalten, weil in einigen Artikeln journalistische Grundsätze verletzt wurden. Immer wieder wird außerdem Kritik laut, dass die WELT mit ihrer Berichterstattung verschwörungstheoretische oder rechtsextremistische Narrative bedient – so etwa mit klimaskeptischer Positionierung. Zwei Monate vor der Bundestagswahl 2025 veröffentlichte die WELT AM SONNTAG einen Gastartikel des US-Techmilliardärs Elon Musk, in dem dieser für die AfD warb. Das sorgte für heftige Proteste, auch innerhalb der Zeitung, bei denen es auch zu Protestkündigungen kam. Zur Welt-Gruppe gehören außerdem der Fernsehsender WELT (früher N24) und die WELT AM SONNTAG. Sie gehören seit 2026 zur PREMIUM-GRUPPE, der auch POLITICO und BUSINESS INSIDER angehören. Ihr Chefredakteur ist Helge Fuhst, der Herausgeber Ulf Poschardt. Die PREMIUM-GRUPPE gehört dem Axel-Springer-Konzern, zu dem auch Titel wie die BILD-Zeitung und die regionale B.Z. gehören.
Originalartikel
Fracking? „Die Schreckensszenarien sind ausgedacht“
DIE WELT
Axel Bojanowski
Hans-Joachim Kümpel 25.02.2026 ·
6 Minuten ·
Deutsch
Die Buzzard-Expert:innen haben diesen Artikel aus über 2.000 Medien für dich recherchiert und zusammengefasst, damit du in kurzer Zeit einen möglichst umfassenden Blick auf das Thema bekommst.
Mehr...
Zum Artikel