Perspektive

zum Tagesthema vom 24. Dezember 2021
Diese 24 Perspektiven haben uns 2021 am meisten überrascht
Contra

Die Verantwortungsgemeinschaft hilft nur dem Patriarchat

Die Perspektive in 30 Sekunden

Am Ende seien es die Frauen, die die Lockerung der Ehe am stärksten zu spüren bekommen, warnt die Politikjournalistin auf dem österreichischen Nachrichtenportal PROFIL. Denn ein Trauschein gibt Frauen das Recht, finanzielle Unterstützung einzufordern. Hammerl befürchtet, dass Frauen bei der Trennung einer sogenannten „Ehe Light“ alleine gelassen werden. Vor allem finanziell.

Denn für Hammerl ist es keine Frage, dass es bei einer Ehe auch immer um Geld gehe. Und mit der Einführung einer Verantwortungsgemeinschaft könne sich hier etwas entscheidend ändern: Eheleute würden – wenn sie sich für diese Form der „Ehe Light“ entschieden – von der Pflicht entbunden, den finanziellen Unterhalt der anderen Person zu sichern. Grundannahme des Gesetzgebers sei hier, dass erwachsene Menschen selbstständig für sich sorgen können. Das stimme zwar prinzipiell. Praktisch sei das jedoch vor allem bei Frauen nicht gegeben.

Noch immer seien es mehrheitlich Frauen, die sich in der Ehe um die Kinder kümmern und deshalb ihre Karriere zurückstellen. Die Gesellschaft verlasse sich hierbei auf die Frauen. Und die Frauen verlassen sich auf ihren Mann, erläutert Hammerl. Falls nach der Scheidung aber keine Garantie für Frauen bestehe, dass ihr Einsatz belohnt werde, sei das ein großes Problem. Es sei schlichtweg unfair, wenn der Gesetzgeber dann sage: „Sorry, gute Frau, wo war Ihre Eigenverantwortung?“ Das könne zwar den „gut verdienenden Neopatriarchen“ recht sein. „Aber alle anderen sollten darüber nachdenken, ob eine fortschrittliche Ehereform zulasten der Frauen gehen muss“, fordert sie.

Anmerkung der Redaktion

ist eine österreichische Politikjournalistin und Schriftstellerin. Nach ihrem Studium der Germanistik und Theaterwissenschaften hat sie ihre journalistische Laufbahn beim NEUEN ÖSTERREICH gestartet. Heute schreibt sie Kolumnen für verschiedenste Zeitungen wie der STERN, die VOGUE oder die COSMOPOLITAN.

 

 

PROFIL ist ein österreichisches Nachrichtenmagazin mit Sitz in Wien. Es erscheint wöchentlich (montags), derzeitiger Chefredakteur ist . PROFIL ist 1970 von Oscar Bronner gegründet worden, der ebenfalls das Wirtschaftsmagazin TREND sowie die Tageszeitung DER STANDARD auf den Markt gebracht hat. 2008 wurde die Zeitschrift von Harald Fidler als „wichtigstes österreichisches Nachrichtenmagazin“ bezeichnet. Die verkaufte Auflage lag im Jahr 2020 bei knapp 48.000 Exemplaren.

Originalartikel
Ehe leicht gemacht
PROFILElfriede Hammerl
29.05.2021 · 4 Minuten · deutsch
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