Perspektive

zum Tagesthema vom 15. September 2025
Meinungskampf um getöteten Influencer Charlie Kirk auch in Deutschland
Analyse

Dieser politische Mord sollte ein Weckruf für unsere Debattenkultur sein

Die Perspektive in 30 Sekunden

Bei der überregionalen, linksliberal ausgerichteten Tageszeitung SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (SZ) kritisiert die Reaktionen auf den Tod des rechten US-Influencers Charlie Kirk. Angesichts der stark polarisierten Stimmung im Internet sorgt sich der leitende Redakteur auch um die Zukunft der Demokratie.

Es gebe viele gute Gründe, Charlie Kirks extreme politische Positionen abzulehnen, räumt Käppner ein. Dennoch besorgt ihn die aktuelle politische Debattenkultur, besonders im Netz: „Aber wohin geraten demokratische Gesellschaften, wenn nicht einmal ein politischer Mord all die Kulturkämpfer auf beiden Seiten zur Besinnung bringt?“, fragt der leitende Redakteur. Denn der Mord an Kirk müsse eigentlich ein Weckruf dafür sein, dass die Gesellschaft sich zu tief gespalten habe. Doch die Reaktionen im Internet entsetzen Käppner.

So äußere man im rechten Lager ‚Rachegelüste‘ gegenüber den Demokraten und Linken – diese seien aber gar nicht am Mord von Kirk beteiligt gewesen, kritisiert Käppner. Anderseits könne die Linke ihre Freude über den gewaltsamen Tod des Aktivisten kaum verheimlichen. Sogar ein Mitarbeiter von Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek habe diese ausgedrückt, berichtet Käppner. Er müsse spricht angesichts dieser Reaktionen von einer „Verrohung des Geistes in polarisierten Zeiten“.

Anmerkung der Redaktion

ist Journalist und Leiter des Ressorts Innenpolitik der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Der promovierte Historiker hat die Deutsche Journalistenschule in München absolviert und war unter anderem Redakteur beim DEUTSCHEN ALLGEMEINEN SONNTAGSBLATT. Seit 1999 ist er Redakteur bei der SZ. Sein Schwerpunkt war hier zunächst Sicherheit, 2002 wurde er dann stellvertretender Leiter Innenpolitik, zwischen 2006 und 2010 war er Leiter der Lokalredaktion. Käppner hat 1998 den Theodor-Wolff-Preis, 2010 den Herwig-Weber-Preis und 2011 den Quandt-Medienpreis verliehen bekommen. Gemeinsam mit Robert Probst hat er zudem mehrere historische Bücher in der SZ-Edition herausgegeben.

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (SZ) ist eine überregionale Tageszeitung aus München und gilt als eines der deutschen Leitmedien. Sie erscheint seit 1945 als Nachfolgerin der MÜNCHNER NEUESTEN NACHRICHTEN und ist besonders durch ihre „Seite Drei-Reportagen“ und die kritische Glosse „Streiflicht“ bekannt. Chefredakteurin ist . Mit einer verkauften Auflage von zuletzt rund 449.000 Exemplaren (IVW Q4/2025) hat sie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht an Lesenden gewonnen. Nach der BILD ist sie in Deutschland die am zweitmeisten verkaufte Tageszeitung. Die Website der SZ wurde im März 2026 31,6 Millionen Mal aufgerufen. Die Blattlinie der Zeitung gilt als linksliberal. Zusammen mit den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR und NDR hat die SZ einen investigativen Rechercheverband, der zahlreiche Recherchen veröffentlichte – unter anderem zu Steuerschlupflöchern oder über die Ibiza-Affäre um den damaligen FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache. Seit 2025 hat die SZ eine Partnerschaft mit dem US-Magazin THE ATLANTIC, bei der wöchentlich fünf Texte des Magazins im Original veröffentlicht werden. Für die Aufklärung über die sogenannten „Panama Papers“ erhielten SZ-Journalist:innen 2017 als einziges deutsches Medium einen Pulitzer-Preis für investigative Recherche. Anfang 2024 wurde berichtet, die Chefredaktion habe zur Aufdeckung möglicher Informanten Kommunikationsdaten von Redaktionsmitgliedern überprüfen lassen. Dies löste Kritik aus, unter anderem von Reporter ohne Grenzen, die einen Verstoß gegen den Quellenschutz bemängelten. Die SZ wird seit 1947 von der Süddeutschen Verlags GmbH produziert. Eine Mehrheit am Süddeutschen Verlag (81,3 Prozent) hält die Südwestdeutsche Medien Holding GmbH (SWMH). Weitere 18,8 Prozent entfallen auf die SV Friedmann Holding GmbH, die die Interessen der Münchner Verlegerfamilie Friedmann vertritt.

Originalartikel
Was wird aus Gesellschaften, die selbst ein politischer Mord nicht zur Besinnung bringt?
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (SZ)Joachim Käppner
12.09.2025 · 1 Minute · Deutsch
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