Perspektive
zur Debatte vom 28. Oktober 2025
Ist KI-generierter Content das Ende von Social Media? Pro
Durch KI erleben wir gerade die letzten Tage von Social Media
Die Perspektive in 30 Sekunden
Der irische Wissenschaftler James O’Sullivan beschäftigt sich mit den Auswirkungen neuer Technologien auf Gesellschaft und Kultur. In einem Essay für das US-amerikanische Magazin NOEMA zeigt er sich überzeugt, dass die Tage der sozialen Medien gezählt sind. Demnach versprachen diese einst, echte Verbindungen zwischen Menschen zu schaffen – doch heute führen sie, durch eine Flut an KI-generierten Inhalten, vor allem zu mentaler Erschöpfung, so O’Sullivan.
Facebook und Instagram seien früher Plattformen gewesen, die Menschen digital miteinander verbinden. Inzwischen werden authentische, menschliche Beiträge jedoch zunehmend verdrängt, meint O’Sullivan – von künstlich erstellten Inhalten und KI-generiertem „Schrott“, der einzig auf Klicks und Reichweite optimiert sei. Selbst die oft kritisierte Influencer-Kultur habe immerhin noch auf realen Personen basiert, betont der Forscher.
Doch der neue Wettstreit um die Aufmerksamkeit der Nutzer:innen, der nun von generativer KI geführt werde, habe den sozialen Vertrag der Plattformen gebrochen. Soziale Medien seien heute nicht mehr überfüllt mit Menschen, sondern mit Inhalten – und diese haben immer weniger mit echten Individuen zu tun, sondern fast nur noch mit Konsum und Konsument:innen, so O’Sullivan. Die sozialen Netzwerke gehen ihm nach in dieser Inhaltsflut unter. „Das ist alles nur fade, leere Scheiße, die nur zum Zweck der Interaktion produziert wird“, so der Wissenschaftler.
Anmerkung der Redaktion
James O’Sullivan ist ein irischer Schriftsteller, Verleger, Herausgeber und Wissenschaftler. Zudem ist er Universitätsdozent an der School of English and Digital Humanities in Cork in Irland. Sein Fachgebiet sind die digitalen Geisteswissenschaften; seine Arbeit konzentriert sich auf die Schnittstelle zwischen Technologie und Kultur. O’Sullivans Texte erscheinen regelmäßig beim GUARDIAN, THE IRISH TIMES und LA REVIEW OF BOOKS. Neben seiner akademischen Arbeit ist O’Sullivan Lyriker und hat mehrere Gedichtbände veröffentlicht.
NOEMA ist ein US-amerikanisches Magazin, das Essays, Interviews, Reportagen, Videos und Kunst zu den Bereichen Technologie, Philosophie, Regierungsführung, Wirtschaft, Geopolitik und Kultur veröffentlicht. Nach eigenen Angaben sucht das NOEMA-Magazin ein tieferes Verständnis der drängendsten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Es wird online und in gedruckter Form vom US-Think Tank Berggruen Institute veröffentlicht, das mit der HUFFPOST und der WASHINGTON POST kooperiert und in Zusammenarbeit mit der Peking University steht.
Originalartikel
The Last Days Of Social Media
NOEMA
James O’Sullivan 02.09.2025 ·
5 Minuten ·
Englisch
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