Perspektive
zur Debatte vom 15. April 2026
Sollte das Ehegattensplitting in seiner jetzigen Form abgeschafft werden? Hintergrund
Ehegattensplitting: Was man wissen muss und was sich ändern soll
Die Perspektive in 30 Sekunden
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will das Ehegattensplitting reformieren. Wie genau die Reform aussehen soll, fasst der Redakteur Hans-Joachim Vieweger für den öffentlich-rechtlichen Sender BR24 zusammen. Künftig soll der Steuervorteil für neue Ehen wegfallen und durch ein anderes Modell ersetzt werden.
Beim Ehegattensplitting werden demnach die Einkommen beider Partner addiert, halbiert und anschließend besteuert. Dadurch ergibt sich besonders bei sehr ungleichen Einkommen ein Vorteil, denn höhere Einzeleinkommen werden auch höher besteuert. Insgesamt summiert sich die Steuerersparnis auf rund 25 Milliarden Euro jährlich, so Vieweger. Kritik komme vor allem aus der Gleichstellungsperspektive. Fachleuten zufolge kann das Modell dazu führen, dass ein Partner – meist die Frau – weniger arbeitet, so Vieweger. Das Bundesfinanzministerium bezeichnet das System deshalb als „strukturelles Hemmnis für die Aufnahme bzw. Ausweitung weiblicher Erwerbstätigkeit“.
Als Alternative bringt Klingbeil das sogenannte Realsplitting ins Spiel. Dabei könne der besser verdienende Partner einen begrenzten Betrag von seinem Einkommen abziehen, der dem anderen Partner zugerechnet wird. Der Vorteil bleibe bestehen, falle aber geringer aus, erklärt Vieweger. Weitere Vorschläge sind ihm zufolge eine Individualbesteuerung oder ein Familiensplitting, bei dem Kinder stärker berücksichtigt werden. Ein kompletter Wegfall der bisherigen Regelung gilt jedoch laut Vieweger als politisch kaum durchsetzbar.
Anmerkung der Redaktion
Hans-Joachim Vieweger ist Korrespondent im BR-Hauptstadtstudio in Berlin. Sein Schwerpunkt liegt auf Finanz- und Wirtschaftsthemen. Vieweger hat zunächst nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann Volkswirtschaftslehre an der Universität Regensburg studiert. Daraufhin absolvierte er ein Volontariat beim BR, bei dem er seit 1997 angestellt ist. Zunächst ist er dort knapp 18 Jahre als Wirtschaftsjournalist tätig gewesen, dann rund sechs Jahre als Büroleiter des Intendanten und seit 2021 als Hauptstadt-Korrespondent.
BR24 ist ein Hörfunkprogramm des BAYRISCHEN RUNDFUNKS, das ganztägig Nachrichten verbreitet. Im Mai 2018 hat Reporter Steffen Jenter Max Stocker abgelöst und die Redaktionsleitung übernommen. Der Nachrichtensender wurde erstmals 1991 ausgestrahlt, damals noch unter dem Namen B5 AKTUELL, er gehörte damit zu dem ersten Informationsprogramm im deutschsprachigen Hörfunk. Die bundesweite Einschaltquote wird auf 690.000 Hörer:innen täglich geschätzt (2024). Seit 2015 bietet der Sender seine Nachrichten zusätzlich in Text- und Audioform auf der Website BR.DE an. Während des ersten Lockdowns in der COVID-19-Pandemie stiegen insbesondere die Abrufzahlen der Livestreams.
Originalartikel
Ehegattensplitting abschaffen: So will Klingbeil es ersetzen
BR24
Hans-Joachim Vieweger 09.04.2026 ·
3 Minuten ·
Deutsch
Die Buzzard-Expert:innen haben diesen Artikel aus über 2.000 Medien für dich recherchiert und zusammengefasst, damit du in kurzer Zeit einen möglichst umfassenden Blick auf das Thema bekommst.
Mehr...
Zum Artikel
🔓 Zum Redaktionsschluss war der Originalartikel frei verfügbar