(Von WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ) zum Teilen des Artikels geteiltes Vorschaubild)

Ein Freiheitstag führt in die nächste Pandemiekatastrophe

Ein "Freedom Day" führt in die nächste Corona-Katastrophe
20.09.2021 3 Minuten Deutsch
WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ) Alexander Marinos
Originalartikel lesen ⭢

DIE PERSPEKTIVE IN 30 SEKUNDEN

WAZ-Vize-Chefredakteur Alexander Marinos kann den Forderungen nach einem „Freedom Day“ nicht viel abgewinnen. Er argumentiert, dass die Infektionen mit Beginn der kalten Jahreszeit wieder exponentiell ansteigen werden. Dies dürfte dann mehr oder weniger alle Ungeimpften treffen, darunter neun Millionen Kinder unter zwölf Jahren, warnt er.

Hunderttausende müssten sich zudem auf dauerhafte Beschwerden einstellen, da etwa jeder zehnte Infizierte an Long Covid leide, also den Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung. „Wir sprechen hier von einer ganzen Generation mit chronisch kranken Menschen“, warnt Marinos. „Ohne weitere Schutzmaßnahmen würde das Gesundheitssystem schnell wieder an seine Grenzen geführt mit womöglich fatalen Folgen für die gesamte Gesellschaft.“

Auch begünstige eine ungehemmte Verseuchung von großen Teilen der Bevölkerung das Aufkommen neuer, gefährlicherer Virus-Varianten. Statt alle Maßnahmen aufzuheben, solle man deshalb lieber Impfanreize verstärken. „Das ist der Weg in die Freiheit“, so Marinos. Ein Freiheitstag hingegen führe „wieder hinein in die Katastrophe“.

ANMERKUNG DER REDAKTION

Alexander Marinos ist stellvertretender Chefredakteur der WESTDEUTSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG (WAZ) und Lehrbeauftragter an der Westfälischen Hochschule. Er hat Journalistik, Politikwissenschaften und Philosophie an der Universität Dortmund studiert und anschließend sein Volontariat beim Remscheider General-Anzeiger absolviert. 1998 hat er im Fach Journalistik promoviert. Er hat unter anderem bei der DPA, beim WDR und bei der ESSLINGER Zeitung gearbeitet.

Die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ) ist die größte deutsche Regionalzeitung. Erstmals ist sie 1948 erschienen. Ihr Hauptsitz ist in Essen, sie erscheint jedoch im gesamten Ruhrgebiet. Im Laufe der Jahre wurden mehrere andere Zeitungen aufgekauft und die „Zeitungsgruppe WAZ“ entstand, die 1997 in WAZ-Mediengruppe umbenannt wurde. Heute wird die WAZ von der Funke-Mediengruppe herausgegeben. Überregionale Themen werden von der Zentralredaktion in Berlin bearbeitet. Wie zahlreiche andere Zeitungen hat auch die WAZ-Mediengruppe stark mit sinkenden Auflagezahlen zu kämpfen. Im dritten Quartal 2021 lag diese bei knapp 412.000 verkauften Exemplaren, zu Beginn des Jahrtausends waren es noch knapp dreimal so viele. Dennoch ist die WAZ nach wie vor die größte regionale Tageszeitung in Deutschland.