Perspektive

zur Debatte vom 01. September 2021
🗳 Brauchen wir einen höheren Mindestlohn?
ARGUMENTE AUS DEN MEDIEN

Ein höherer Mindestlohn hilft niemandem aus der Arbeitslosigkeit

Die Perspektive in 30 Sekunden

Der Ökonom hält nicht viel von einem höheren Mindestlohn. Dieser könnte dafür sorgen, dass mehr Menschen in die Arbeitslosigkeit rutschen, warnt er gegenüber der TAZ.

Es gebe ein Risiko, dass mit einem höheren Mindestlohn „Arbeitsplätze verloren gehen”, erläutert Schäfer. Denn viele Arbeitsplätze würden sich mit einer höheren Bezahlung nicht mehr rechnen. Die Folge: Sie würden ganz wegfallen. „Dann müssten Erwerbstätige, die heute zum Mindestlohn arbeiten, wieder ausschließlich von Arbeitslosengeld II leben, weil es ihre Jobs nicht mehr gibt”, warnt der Ökonom. „Das kann niemand wollen”

Schäfer weist außerdem daraufhin, dass die Zahl der sogenannten Aufstocker seit der Einführung des Mindestlohns nicht gesunken sei. Aufstocker sind Menschen, die zwar einer Erwerbsarbeit nachgehen, jedoch trotzdem ergänzende Hartz-IV-Leistungen in Anspruch nehmen müssen. Das liege unter anderem daran, „dass viele der Aufstocker nur eine geringe Stundenzahl arbeiten, also etwa einen Minijob oder eine Teilzeitbeschäftigung haben”. Da etwa Minijobs eine monatliche Obergrenze für ihren Verdienst haben – Minijobber dürfen nur maximal 450 Euro monatlich verdienen – helfe dagegen auch ein höherer Mindestlohn nicht.

Anmerkung der Redaktion

ist Journalistin und Schriftstellerin. Sie arbeitet seit 1993 bei der TAZ, aktuell als Redakteurin für Sozialpolitik und Gesellschaft im Inlandsressort. Außerdem schreibt sie bei der TAZ die Alltags-Kolumne „Später“ (ehemals: „Gerüchte“) über das Älterwerden. Ihre Schwerpunkte sind Arbeit, Psychologie und Flüchtlinge. Sie hat mehrere Bücher veröffentlicht, zuletzt 2019 den Roman „Das Haus des Dämmerlichts“.

ist Wirtschaftswissenschaftler und seit 2009 Senior Economist für Beschäftigung und Arbeitslosigkeit beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Dort beschäftigt er sich hauptsächlich mit den Themen Arbeitsmarkt und Arbeitswelt. Seine Publikationen beschränken sich größtenteils auf IW-interne Papiere, wie den IW-Report und IW-Trends, er publizierte aber auch in den Journalen „Sozialer Fortschritt“, „DIW SOEP Paper“, dem „Wirtschaftsdienst“ und in verschiedenen Sammelbänden. Schäfer wird gelegentlich bei ZEIT, WELT, WDR und DEUTSCHE WELLE als Wirtschaftsexperte interviewt.

Die TAGESZEITUNG (TAZ) ist eine überregionale deutsche Tageszeitung mit Hauptsitz in Berlin. Sie wurde 1978 als alternative, selbstverwaltete Zeitung gegründet – unter anderem vom Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele. Die Zeitung hat sich besonders in ihrer Anfangszeit an Linke, Studierende, Grüne und die Hausbesetzer-Bewegung gerichtet. Erklärtes Ziel der TAZ ist es seither, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Sie gehört heute zu den zehn größten überregionalen Tageszeitungen in Deutschland, mit einer verkauften Auflage von rund 33.000 Exemplaren (3/2025, IVW). Seit Oktober 2025 erscheint die TAZ unter der Woche nur noch digital, lediglich die Wochenendausgabe wird noch gedruckt. Die Webseite der TAZ verzeichnete im März 2026 17,2 Millionen Zugriffe monatlich (Quelle: Similarweb). Das Goethe-Institut verortet die TAZ als „grün-linkes“ Blatt und betont besonders die oft sehr kritische Berichterstattung der Zeitung. Die TAZ hat sich online gegen Bezahlschranken entschieden und gibt Lesenden auf ihrer Website freiwillig die Option, zu zahlen. Außerdem bietet sie ein reguläres Abonnement mit drei unterschiedlichen Preisstufen in einem sogenannten „Soli-Preis-System“ an, bei dem Abonnent:innen selbst entscheiden können, wie viel sie zahlen. 1980 beschloss die Belegschaft der TAZ die erste Frauenquote Deutschlands (52 Prozent aller Planstellen in jedem Bereich). 2014 wurde die TAZ zu einer Entschädigungszahlung dafür verurteilt, dass sie eine Volontariatsstelle nur für Frauen ausgeschrieben hatte und männliche Bewerber damit laut Urteil diskriminierte. Die TAZ hat neben einigen journalistischen Preisen auch mehrere Rügen des Presserats erhalten. Sie wird seit 1992 genossenschaftlich herausgegeben, um unabhängig von großen Medienunternehmen zu bleiben. Jährlich findet eine Generalversammlung statt, an der jedes der zuletzt über 25.000 Mitglieder teilnehmen kann. Die Chefredaktion teilen sich , und Katrin Gottschalk.

Originalartikel
„Milde Form der Reziprozität“
DIE TAGESZEITUNG (TAZ)Barbara DribbuschHolger Schäfer
17.08.2021 · 2 Minuten · deutsch
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