Perspektive
zur Debatte vom 07. Oktober 2025Sollte man soziale Medien wie TikTok, Instagram & Co. für Jugendliche unter 16 Jahren verbieten?
Ein Social-Media-Verbot würde in die Freiheitsrechte junger Leute eingreifen
Die Perspektive in 30 Sekunden
Im Gespräch mit Moderator Alfred Schmit vom öffentlich-rechtlichen SÜDWESTRUNDFUNK (SWR) spricht Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann über die Debatte um ein mögliches Verbot sozialer Medien für Kinder und Jugendliche. Mit einem solchen Verbot würde der Staat seiner Meinung nach die Freiheitsrechte junger Menschen einschränken.
Ein pauschales Verbot von sozialen Medien hält Hurrelmann für äußerst riskant. Schließlich handele es sich dabei „um die innovativste Informationstechnik, die es im Moment auf der Welt gibt“, betont der Sozialwissenschaftler. In seinen Augen wäre ein staatliches Verbot eine „Drangsalierung“ und ein „wahnsinniger Eingriff in die Freiheitsrechte von Kindern und Jugendlichen“. Es übersehe auch, dass eine Mehrheit der Jugendlichen soziale Medien produktiv nutze – nur ein Drittel habe damit Probleme.
Lieber solle man die Verantwortung auf die Plattformen selbst schieben, fordert Hurrelmann: Sie sollen ihre Algorithmen regulieren und manipulative Designs sperren. Das bedeute auch: „Keine algorithmische Verstärkung von Gewalt, von Hass, von Desinformationen“. Gleichzeitig sollten Eltern müssten ihr eigenes Medienverhalten reflektieren, fordert der Sozialwissenschaftler: „Sie sind das absolute soziale Rollenmodell.“
Anmerkung der Redaktion
Klaus Hurrelmann, geboren 1944, ist Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswissenschaftler und Professor für Public Health and Education an der Hertie School of Governance in Berlin. Er hat zahlreiche Bücher und wissenschaftliche Artikel veröffentlicht, die sich mit Themen wie Bildung, Jugendkultur, Familienforschung, Gesundheitserziehung und Generationenbeziehungen befassen. Hurrelmann war Professor an verschiedenen Universitäten – unter anderem in Bielefeld oder Essen. Er hat in verschiedenen Gremien und Organisationen mitgewirkt, die sich mit Bildung, Jugend und Gesundheit beschäftigen. Seit 2020 arbeitet er als Senior Expert am Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS), das von Dieter Dohmen geleitet wird. Als wissenschaftlicher Berater verantwortet er unter anderem die seit 2021 vom FiBS regelmäßig durchgeführte Cornelsen Schulleitungsstudie. Hurrelmann hat in Münster, Freiburg und Berkeley (USA) Soziologie, Psychologie und Pädagogik studiert. In Münster hat er über das Thema „Unterrichtsorganisation und schulische Sozialisation“ promoviert und in Bielefeld dann später mit der Arbeit „Erziehungssystem und Gesellschaft“ habilitiert.
Alfred Schmit arbeitet als Redakteur, Moderator und Reporter für den öffentlich-rechtlichen SÜDWESTRUNDFUNK (SWR). Zuvor war er Hörfunkkorrespondent im ARD-Hauptstadtstudio. Schmit arbeitete auch als Redakteur und Moderator in der SWR1-Redaktion „Politik und Gesellschaft“ in Baden-Baden und ab 2006 als SWR-Korrespondent in London. Seine Themen umfassen vor allem Wirtschaft, Finanzen und Verbraucherthemen. Zuvor hat der Hörfunkjournalist bei der DEUTSCHEN WELLE gearbeitet, wo er im englischsprachigen Programm als Redakteur am Mikrofon sowie als Korrespondentenvertreter in Bonn gearbeitet hat. Der studierte Politikwissenschaftler hat sein Examen an der Universität Heidelberg abgeschlossen und davor ein Jahr in den USA an der Bucknell University in Pennsylvania studiert. Dort hat er studienbegleitend die Journalistenausbildung am Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses in München abgeschlossen.
Der SÜDWESTRUNDFUNK (SWR) ist eine deutsche Rundfunkanstalt. Seit der Fusion von SÜDWESTFUNK und SÜDDEUTSCHEM RUNDFUNK im Jahr 1998 ist der SWR nach dem WDR die zweitgrößte Rundfunkanstalt der ARD. Im Sendegebiet in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erreicht der SWR laut der Media-Analyse „ma 2021 Audio“ rund 6 Millionen Menschen jeden Wochentag. Auch der Webauftritt des SWR hatte allein im August 2025. Der SWR wird von einem Rundfunkrat kontrolliert, der aus Vertreter:innen gesellschaftlich und politisch relevanter Interessensvertretungen der beiden Bundesländer besteht. Der SWR verfügt über einen Fernsehsender, sechs Radioprogramme (darunter ein Jugend- und ein Nachrichtensender) und mehrere Orchester und Chöre.
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