Perspektive
zur Debatte vom 16. Februar 2026
Braucht Deutschland eine eigene atomare Abschreckung? Pro
Eine glaubwürdige nukleare Abschreckung ist für die Sicherheit Deutschlands unabdingbar
Die Perspektive in 30 Sekunden
Berthold Kohler hält eine glaubwürdige nukleare Abschreckung für Deutschlands Sicherheit für unverzichtbar. Der Herausgeber der überregionalen Tageszeitung FRANKFURTER ALLGEMEINE (FAZ) argumentiert angesichts der Bedrohung durch Russland und des Zweifels an der Verlässlichkeit der USA unter Donald Trump für deutsche Atomwaffen.
Sollten die USA sich weiter von Europa abwenden oder gar offen gegen europäische Interessen handeln, verliere das NATO-Prinzip „Einer für alle, alle für einen“ seine Glaubwürdigkeit, so Kohler. Europa rüste aktuell nicht nur wegen Russland auf, sondern auch aus Sorge, dass die USA im Ernstfall – selbst bei einem nuklearen Angriff – nicht mehr entschlossen helfen würden. Konventionelle Aufrüstung allein könne den nuklearen Schutzschirm aber nicht ersetzen.
Die Atomstreitkräfte Großbritanniens und Frankreichs wiederum reichen Kohlers Einschätzung nach für eine glaubwürdige europäische Abschreckung nicht aus. Und auch Diplomatie oder Entwicklungszusammenarbeit seien dafür zu wenig. Deshalb müsse in Deutschland über eine eigene nukleare Bewaffnung nachgedacht werden – trotz erheblicher politischer und völkerrechtlicher Einwände. Andernfalls stehe Europas und Deutschlands Sicherheit auf dem Spiel, so Kohler.
Anmerkung der Redaktion
Berthold Kohler ist seit 1999 einer der vier Herausgeber der FAZ. In die politische Redaktion der Zeitung kam er 1989 und arbeitete in den Neunzigerjahren als Korrespondent in Prag. Von dort, später von Wien aus, berichtete er über mittel- und südosteuropäische Länder. Im Rahmen der Silvesternacht in Köln 2015 bezeichnete er die sexuellen Übergriffe auf der Domplatte als „einen schweren Schlag für Merkels Politik der Willkommenskultur“, denn „Sicherheit und Zukunft dieser Republik hängen selbstverständlich davon ab, wen wir bei uns willkommen heißen“.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG (FAZ) ist eine deutsche überregionale Tageszeitung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie ist 1949 gegründet worden und wird zu den deutschen Leitmedien gezählt. Die FAZ hat keine Chefredaktion, sondern wird seit ihrer Gründung von einem Herausgebergremium geleitet, bestehend aus Gerald Braunberger, Jürgen Kaube, Carsten Knop und Berthold Kohler. Laut Eigenangabe steht die FAZ „für den Erhalt und die Stärkung der demokratischen Ordnung und der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland“. Die Zeitung gilt als liberalkonservatives Blatt. THE EUROPEAN schreibt über die „drei Gesichter“ der FAZ: Sie habe einen eher konservativen, staatstragenden Politikteil, ein linksliberales Feuilleton und einen liberalen Wirtschaftsteil. Der DEUTSCHLANDFUNK schreibt 2019 über die FAZ: „Seit ihrer Gründung steht die Zeitung für Qualitätsjournalismus, der vor allem von Alpha-Männern verantwortet wird.“ Die verkaufte Auflage der Zeitung lag im vierten Quartal 2025 bei rund 332.000 Exemplaren (IVW) und hat im Vergleich zum vorigen Quartal leicht abgenommen. Die Printauflage der Zeitung ist allerdings seit Jahren rückläufig. Laut Similarweb hatte der Webauftritt der FAZ im März 2026 rund 38,5 Millionen Besuche zu verzeichnen. Die FAZ wird von der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH herausgegeben, die neben der täglich erscheinenden FAZ auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) und das Online-Nachrichtenportal FAZ verantwortet. Das Unternehmen ist zu 93,7 Prozent im Besitz der gemeinnützigen FAZIT-Stiftung, die von den Verlegern und Herausgebern der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegründet wurde. Der verbleibende Anteil wird von den vier Herausgebern gehalten. Diese einzigartige Eigentümerstruktur soll die redaktionelle Unabhängigkeit der Zeitung wahren.
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FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG (FAZ)
Berthold Kohler 16.01.2026 ·
3 Minuten ·
Deutsch
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