Perspektive
zur Debatte vom 08. April 2026
Ist die Aufregung über die Meldepflicht beim Wehrdienstgesetz gerechtfertigt? Contra
Eine reife Verteidigungspolitik kommt nicht ohne Zwang aus
Die Perspektive in 30 Sekunden
Der Redakteur Len Sander hält die Aufregung über die Meldepflicht im Wehrdienstgesetz für übertrieben. In der bürgerlich-konservativen Schweizer Tageszeitung NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ) räumt er ein, die Regelung sei „schlecht gemacht und noch schlechter kommuniziert worden“ – und doch könne man sie angesichts der aktuellen Sicherheitslage nicht kritisieren.
Sander sieht hier einen Widerspruch: Einerseits fordere man mehr Sicherheit, dann kritisiere man aber die konkreten Maßnahmen dafür. Dabei sei sicherheitspolitisch klar: Wenn Deutschland seine Verteidigungsfähigkeit stärken wolle, brauche es mehr Soldaten – notfalls auch durch verpflichtende Maßnahmen. Eine funktionierende Verteidigungspolitik kommt in Sanders Augen „nicht gänzlich ohne Zwang aus“. Dazu gehöre eben auch, dass der Staat den Überblick über potenziell Wehrpflichtige behalte.
Vor diesem Hintergrund hält Sander die aktuelle Empörung für überzogen. Wer eine stärkere Bundeswehr fordere, müsse auch die Konsequenzen akzeptieren. „Die Aufregung um die Meldepflicht“ sei daher „scheinheilig“. Eine demokratische Landesverteidigung müsse aushalten, dass sie Eingriffe mit sich bringt – gerade in Zeiten wachsender Bedrohung.
Anmerkung der Redaktion
Len Sander ist Journalist und Co-Herausgeber des digitalen Literaturmagazins BINDUNG. Von August 2024 bis Juli 2025 schrieb er für die BERLINER ZEITUNG. Seit 2025 erscheinen seine Beiträge bei der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ). Er studierte Literarisches Schreiben in Leipzig und Wien und im Master Theoretische Psychoanalytische Studien in London. In seinen Beiträgen beschäftigt er sich vor allem mit kontroversen politischen und gesellschaftlichen Themen.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ) ist eine Schweizer Tageszeitung mit Hauptsitz in Zürich, die 1780 gegründet wurde. Seit 2017 richtet die NZZ ihren Fokus verstärkt auf den deutschen Markt und hat mittlerweile eine Berliner Redaktion, die eine eigenständige Deutschland-Ausgabe gestaltet. Sie gilt als etabliertes Leitmedium im deutschsprachigen Raum sowie in der Schweiz. Die NZZ wird von EUROTOPICS als liberal-konservativ bezeichnet und hat nach eigener Angabe eine „freisinnig-demokratische“ Ausrichtung. Die NZZ gilt seit langem als das publizistische Sprachrohr des liberalen Bürgertums in der Schweiz und steht der Schweizer FDP politisch am nächsten. Der Medienwissenschaftler Uwe Krüger sieht sie als konservativ, liberal und bürgerlich. Seit Eric Gujer 2015 Chefredakteur wurde, spricht unter anderem der DEUTSCHLANDFUNK von einem „Rechtsrutsch“ in der Berichterstattung. Der NDR befindet, Gujer habe die „NZZ um typisch rechtskonservative Themen und Meinungen erweitert“. Der Jurist und Medienethiker Luis Paulitsch ordnete die NZZ im Jahr 2025 den Mainstream-Medien zu, die teilweise Begriffe oder Feindbilder aus rechtsalternativen Medien aufgreifen und sich inhaltlich daran annähern. Die verkaufte Auflage der NZZ liegt laut aktuellen Zahlen (WEMF 2025) bei 53.771 Exemplaren (werktäglich). Die Zeitung erreicht eine Leserschaft von rund 236.000 Personen. Auf ihrer Webseite erreichte die NZZ im März 2026 laut Similarweb rund 15,4 Millionen Aufrufe. Die NZZ gehört der NZZ-Mediengruppe, die außer ihr weitere Schweizer Titel besitzt.
Originalartikel
Deutschlands Meldepflicht für wehrfähige Männer ist schlecht gemacht. Doch die Aufregung darüber ist scheinheilig
NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ)
Len Sander 08.04.2026 ·
4 Minuten ·
Deutsch
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