Perspektive

zur Debatte vom 09. April 2026
Sollten die Strafen für Schwarzfahren geringer ausfallen?
Pro

Es bringt nichts, die Ärmsten noch weiter zu bestrafen

Die Perspektive in 30 Sekunden

In den Augen von ist nicht das Schwarzfahren an sich, sondern die aktuelle Rechtslage „sozialschädlich“. Für den Redakteur der regionalen WESTDEUTSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG ist eine Entkriminalisierung deshalb längst überfällig.

Aktuell zahlen Steuerzahlende jährlich rund 200 Millionen Euro für Ersatzfreiheitsstrafen für Schwarzfahrende, so Unger. Diese Strafen treffen ihm zufolge aber meist Menschen ohne festen Wohnsitz, die ihre Geldstrafen schlicht nicht begleichen können. Gleichzeitig sei die Justiz durch diese geringfügigen Straftaten überlastet: Jede:r zehnte Inhaftierte sitzt ihm nach wegen einer Ersatzfreiheitsstrafe ein. Dadurch gehen Kapazitäten verloren, die für die Verfolgung von Extremismus, digitaler Gewalt oder organisierter Kriminalität benötigt werden, kritisiert Unger. Außerdem wirft der Redakteur Verkehrsbetrieben vor, das Problem des Schwarzfahrens an den Staat auszulagern, anstatt selbst in automatische Kontrollschranken in den Bahnhöfen zu investieren.

Unger plädiert deshalb dafür, weniger auf Abschreckung durch Strafen zu setzen. Stattdessen könnte die Politik den Wert der Tickets besser kommunizieren: Wenn Fahrgäste sehen, dass ihr Geld direkt in Sicherheit, Komfort und Pünktlichkeit fließt, steigt auch die Bereitschaft zu zahlen, glaubt der Redakteur. Die aktuelle Praxis produziere lediglich Kosten, ohne das soziale Problem der Betroffenen zu lösen.

Anmerkung der Redaktion

ist Redakteur für Politik und Wirtschaft bei der FUNKE ZENTRALREDAKTION. Seine Texte erscheinen unter anderem bei der WESTDEUTSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG (WAZ), der BERLINER MORGENPOST und im HAMBURGER ABENDBLATT. Zuvor arbeitete er bei dem Fachmagazin ZENITH – ZEITSCHRIFT FÜR DEN ORIENT, der PRAGER ZEITUNG und der WELT. 2012 war er für zwei Monate bei der NOWAYA GAZETA in Moskau, die dreimal wöchentlich erscheint und heute als eines der letzten unabhängigen Medien in Russland gilt – mittlerweile allerdings nicht mehr in Russland ansässig ist. Ungers thematische Schwerpunkte sind Asylpolitik, Migration, Extremismus und Verbrechen sowie soziale Themen. Sein regionaler Fokus liegt dabei auf dem Osten. Er hat Geschichte mit Fokus auf Osteuropa, Osteuropastudien und Politik in Hamburg und Prag studiert.

Die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ) ist die größte deutsche Regionalzeitung und der Ursprung der einflussreichen Funke Mediengruppe. Sie wurde im Jahr 1948 von Erich Brost und Jakob Funke gegründet. Ihr Hauptsitz ist in Essen, sie erscheint jedoch im gesamten Ruhrgebiet. Im Laufe der Jahre wurden mehrere andere Zeitungen aufgekauft und die „Zeitungsgruppe WAZ“ entstand, die 1997 in „WAZ Mediengruppe“ umbenannt wurde und 2013 schließlich zur Funke Mediengruppe wurde. Schwestermedien der WAZ sind damit unter anderem die WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU, das HAMBURGER ABENDBLATT und die BERLINER MORGENPOST. Außerdem gehören zu Funke die Magazine BILD DER FRAU, BRIGITTE und GALA sowie diverse weitere Print- und Hörfunkmedien. Überregionale Themen werden von der Zentralredaktion in Berlin bearbeitet. Chefredakteur der WAZ ist seit 2014 . 2014 erntete die Funke Mediengruppe Kritik für eine Spende von 15.000 Euro an Lokalverbände der CDU. Die WAZ erhielt 2025 eine Rüge des Deutschen Presserats, weil sie das verpixelte Bild eines nackten Vergewaltigungsopfers veröffentlichte, das aus ihrem Fenster um Hilfe rief, und den Bericht mit „Sex-Drama“ betitelte. Wie zahlreiche andere Zeitungen hat auch die Funke Mediengruppe stark mit sinkenden Auflagezahlen zu kämpfen. Im ersten Quartal 2026 lag die verkaufte Auflage der Funke-Regionalzeitungen in Nordrhein-Westfalen bei rund 295.000 Exemplaren (IVW), zu Beginn des Jahrtausends waren es noch knapp dreimal so viele. Der Webauftritt der WAZ hatte im März 2026 19,4 Millionen Besuche zu verzeichnen (Quelle: Similarweb).

Originalartikel
Nicht das Schwarzfahren ist „sozialschädlich“, sondern das geltende Recht
WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ)Christian Unger
07.04.2026 · 2 Minuten · Deutsch
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🔓 Zum Redaktionsschluss war der Originalartikel frei verfügbar