Perspektive

zur Debatte vom 28. Februar 2025
Braucht es noch einen Ostbeauftragten in der Bundesregierung?
Pro

Es geht hier um die Belange von Minderheiten – und dazu zählen auch Ostdeutsche

Die Perspektive in 30 Sekunden

„Wozu gibt es denn Frauenbeauftragte, Behindertenbeauftragte, Queerbeauftragte […]? Es sind Menschen, die sich für die Belange von Minderheiten einsetzen“, erklärt bei RADIO EINS. Über diese anderen Beauftragten diskutiere niemand – nur immer über den Ostbeauftragten, ärgert sich die RBB-Redakteurin. Dabei seien, wenn man sich die Bevölkerungszahlen ansehe, Ostdeutsche auch eine klare Minderheit.

Ostdeutsche seien in den Führungsetagen, auch bei Behörden, deutlich weniger vertreten. Außerdem besitzen sie weniger Vermögen, verdienen weniger und erben weniger als die Westdeutschen, erinnert die Redakteurin.  Zudem gebe es deutlich weniger Unternehmen im Osten. Und dann stigmatisiere man die Menschen dort auch noch für die Art, wie sie wählen. „Wenn es ums Geld geht, geht es auch immer ganz schnell wieder um den Osten: Zu teuer, zu langsam, zu undankbar, diese Ossis“, sei häufig der Zusammenhang, in dem man den Ostbeauftragten infrage stelle. Zwar werde immer behauptet, das Verhältnis von Ost und West sei stattdessen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – „aber es interessiert einen Teil der Gesellschaft nicht, wie es im Osten ist“, gibt Bieritz zu bedenken.

„Ja, der Osten stört manchmal, hat teilweise eine andere Haltung zu Russland und den USA, wählt unvorhersehbar. Doch auch das gehört zu einer Vielfalt in der Gesellschaft“, findet Bieritz. Es brauche deshalb jemanden in der Regierung, der all das verstehe und immer wieder darauf hinweise. Bei Frauen- und Behindertenbeauftragten werde das schließlich auch nicht hinterfragt.

Anmerkung der Redaktion

ist Radiojournalistin und Leiterin der Religion und Gesellschaft im RBB. Ihre ersten Schritte im Radio machte sie in der DDR. Nach dem Mauerfall hat Bieritz als erste Volontärin beim neu gegründeten OSTDEUTSCHEN RUNDFUNK BRANDENBURG (ORB) angeheuert. Nach dem Regierungsumzug wechselte Bieritz ins ARD-Hauptstadtstudio nach Berlin.

RADIO EINS ist ein Radiosender für Berlin und Brandenburg. Er gehört zur öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalt RUNDFUNK BERLIN-BRANDENBURG (RBB) und sendet aus Potsdam-Babelsberg. Laut der Medienanalyse „ma Audio 2025 II“ erreicht RADIO EINS jeden Wochentag zwischen 5 und 24 Uhr eine Reichweite von 480.000 Hörer:innen, die über dem Alter von 14 Jahren sind. Das macht den Sender zum Marktführer im Radiomarkt Berlin-Brandenburg. Auf der RADIO-EINS-Website werden außerdem Artikel, vor allem zu gesellschaftlichen Themen, veröffentlicht. Die Seite hatte im März 2026 rund 579.000 Aufrufe (Quelle: Similarweb). Entstanden ist RADIO EINS 1997 aus den Sendern RADIO B ZWEI der ehemaligen Berliner Landesrundfunkanstalt SFB und dem Sender RADIO BRANDENBURG der ehemaligen Brandenburger Landesrundfunkanstalt ORB. Die Zielgruppe des Senders sind frühere Hörer:innen des RBB-Jugendradios Fritz über 25 Jahre, weswegen er den Slogan „Nur für Erwachsene“ führt. 2003 erhielt Radio Eins als erste Radiostation den Echo-Preis für „Die Beste Medialeistung“. Sehr erfolgreich war außerdem die Sendung „Sanft & Sorgfältig“ von Moderator Jan Böhmermann und Musiker Olli Schulz, welche 2012 bis 2016 ausgestrahlt wurde. Programmchef von RADIO EINS ist der Journalist Robert Skuppin.

Originalartikel
Braucht es noch einen Ostbeauftragen?
RADIO EINSUlrike Bieritz
18.01.2025 · 5 Minuten · Deutsch
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