Perspektive

zur Debatte vom 07. Mai 2026
Sollte der Staat die Menschen vor dem Rauchen schützen?
Pro

Es geht hier um die Freiheit, ein gesundes Leben führen zu können

Die Perspektive in 30 Sekunden

In der britischen Tageszeitung THE GUARDIAN spricht sich die Gesundheitsforscherin für das geplante Rauchverbot aus. Ihrer Meinung nach büßt die kommende Generation dadurch nicht nur an Freiheiten ein – sondern gewinnt auch an Freiheit dazu.

Ob durch das geplante Gesetz die Freiheit eingeschränkt wird, hängt laut Sridhar von der eigenen Perspektive ab. Kommende Generationen werden zwar keine Zigaretten mehr kaufen dürfen – aber dafür werden sie frei von einer Tabakindustrie aufwachsen, die sie um jeden Preis abhängig machen will. Laut der Gesundheitsexpertin fangen 90 Prozent aller Raucher:innen mit dem Rauchen an, bevor sie 21 Jahre alt sind. Die Tabakindustrie nutze die Verletzlichkeit junger Menschen bewusst aus, um an ihnen zu verdienen.

Sobald man erst einmal mit dem Rauchen angefangen hat, kann man nur schwer aufhören, betont Sridhar. Sie meint: 80 Prozent aller Raucher:innen wollten schon einmal mit dem Rauchen aufhören und haben es nicht geschafft. Junge Menschen werden also abhängig, bevor sie die Folgen einschätzen können – und können dann nicht mehr aufhören. Laut Sridhar ist es fraglich, wie viel das mit Freiheit zu tun hat.

Anmerkung der Redaktion

ist eine US-amerikanische Gesundheitsforscherin, die als Professorin an der Universität in Edinburgh forscht und lehrt. Sie beschäftigt sich mit der Wirksamkeit von Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit und der Frage, wie die Gesundheitsversorgung weltweit verbessert werden kann. Sridhar wurde im April 2020 in die COVID-19-Expertengruppe der schottischen Regierung berufen. Zuvor hatte sie sich bereits mit anderen Epidemien wie dem Ebolafieber auseinandergesetzt. Vor ihrer Zeit an der Universität in Edinburgh hat Sridhar verschiedene Lehr- und Forschungspositionen an der Universität Oxford innegehabt. Ihren Bachelor in Biologie absolvierte sie an der Universität von Miami. Daraufhin erhielt sie mit 18 Jahren als jüngste Person in den USA ein Rhodes-Stipendium, mit dem sie an der Oxford-Universität studierte. Dort erwarb sie einen Abschluss in medizinischer Anthropologie und promovierte danach in Anthropologie. In ihrer Dissertation setzte sie sich mit Unterernährung in Indien auseinander.

THE GUARDIAN ist eine britische Tageszeitung. Sie wurde 1821 in Manchester gegründet und ist damit eins der traditionsreichsten britischen Medien. Neben der TIMES und dem TELEGRAPH gehört THE GUARDIAN zu den „Big Three“ der Zeitungen in Großbritannien. Im Gegensatz zu ihren beiden Konkurrenzzeitungen gilt sie traditionell als Labour-nah. Ihre politische Haltung beschreibt sie selbst als „Mitte-links“. Vor dem Brexit-Referendum 2016 sprach sich die Zeitung für einen Verbleib in der EU aus und kritisierte populistische und irreführende Aussagen und Aktionen der Leave-Kampagne um den späteren Premier . Online ist die Zeitung, die alle Inhalte kostenlos zur Verfügung stellt, nach BBC und THE DAILY MAIL das Medium mit der drittstärksten Reichweite. Die gedruckte Auflage des GUARDIAN ist seit 2003 allerdings auf knapp ein Drittel der ursprünglichen Auflage geschrumpft und lag im Juli 2021 nur noch bei knapp 105.000 Exemplaren. Seitdem veröffentlicht die Zeitung keine Auflagenzahlen mehr. Im April 2026 hatte die Website theguardian.com knapp 300 Milionen Aufrufe. Die Chefredakteurin des GUARDIAN ist Katharine Viner.

Originalartikel
A non-controversial public health policy? The UK’s gradual ban on smoking has been a PR success
THE GUARDIANDevi Sridhar
29.04.2026 · 6 Minuten · Englisch
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