Perspektive
zur Debatte vom 11. Juli 2025
Sollte das „begleitete Trinken“ für Jugendliche verboten werden? Pro
Es gibt keine harmlosen Mengen Alkohol – besonders bei Jugendlichen
Die Perspektive in 30 Sekunden
Rainer Thomasius spricht sich klar dafür aus, das sogenannte begleitete Trinken abzuschaffen. „Aus suchtpräventiver und wissenschaftlicher Sicht ist die Abschaffung des begleiteten Trinkens unbedingt notwendig“, findet der Suchtexperte im Interview mit der Gesundheitsjournalistin Julia Dettmer beim Gesundheitsmagazin APOTHEKEN UMSCHAU.
Laut Thomasius macht es einen großen Unterschied, in welchem Alter man Alkohol trinkt. Das zentrale Nervensystem befindet sich ihm zufolge noch bis zum 25. Lebensjahr in einem sehr komplexen Reifungsprozess. „Je jünger das Gehirn, desto gravierender können die Schäden durch Alkohol sein“, macht der Suchtexperte deutlich.
Die möglichen Schäden können sich dann direkt auf das Verhalten der Jugendlichen auswirken, macht Thomasius deutlich. Dazu zählen etwa psychische Belastungen. Jugendliche können dann impulsiver, ängstlicher oder auch depressiv werden. Das Lernen wird laut Thomasius ebenso behindert. Zudem besteht ihm zufolge die Gefahr, dass Jugendliche schneller abhängig werden als Erwachsene. Für Thomasius spricht somit vieles dafür, das begleitete Trinken abzuschaffen.
Anmerkung der Redaktion
Rainer Thomasius ist Psychiater und pensionierter Hochschullehrer. 2006 gründete er im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) und stand diesem bis zu seiner Pensionierung 2025 als Leiter vor. Zudem ist er Vorsitzender der Gemeinsamen Suchtkommission der kinder- und jugendpsychiatrischen Fachgesellschaft und Verbände. Er forschte in seiner Karriere insbesondere zu Suchtwirkungen im Jugendalter und Methoden der Suchtprävention. Im Auftrag des Bundestags sprach er sich als Einzelsachverständiger deutlich gegen eine Legalisierung von Cannabis aus. Thomasius studierte und promovierte in Hamburg.
Julia Dettmer ist Journalistin, Lektorin und Autorin. Seit 2020 arbeitet sie selbstständig und schreibt als freie Journalistin Artikel und ihre eigenen Bücher. Außerdem bietet sie Aufträge als Expertin, Lektorin und Beraterin für Content-Management an. Nach ihrem Studium absolvierte sie Ausbildungen bei der Deutschen Journalistenschule und der HUBERT BURDA Mediengruppe. Zunächst war sie Editorin bei FREUNDIN.DE und YAHOO! und ging dann zur Boulevardzeitung DIE BUNTE vom Burda Verlag. Zwischenzeitlich war sie auch Redaktionsleiterin beim privaten TV-Sender PROSIEBEN. Dettmer hat Medienwissenschaft und Germanistik in Regensburg und München studiert.
Die APOTHEKEN UMSCHAU ist ein Gesundheitsmagazin, das in Apotheken als kostenlose Kundenzeitschrift angeboten wird. Die APOTHEKEN UMSCHAU erscheint monatlich, im Moment mit deutlich sinkenden Verkaufszahlen. Zuletzt wurde sie um die 5 Millionen Mal verkauft (1/2025). Die Zeitschrift erscheint seit 1956 als wichtigstes Produkt des Wort & Bild Verlags. Die APOTHEKEN UMSCHAU finanziert sich durch Anzeigenverkäufe und ihren Verkauf an Apotheken. Der Verkaufspreis ist dabei gestaffelt, bei einer Mindestabnahme von 50 Exemplaren liegt er bei 52 Cent pro Stück. Das Magazin der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG bezeichnet die lange als „Rentner-Bravo“ verspottete Zeitschrift als „geniales Geschäftsmodell mit einer Auflage wie das Telefonbuch, Anzeigenpreisen eines Wirtschaftsmagazins und dem Seitenumfang einer Modezeitschrift“. Der DEUTSCHLANDFUNK kritisierte 2012, Apotheken seien aufgrund der Erwartungshaltungen ihrer Kunden und der Monopolstellung der Zeitung quasi dazu gezwungen, die APOTHEKEN UMSCHAU zu bestellen.
Originalartikel
Suchtexperte über begleitetes Trinken: „Es gibt keine harmlosen Mengen“
APOTHEKEN UMSCHAU
Rainer Thomasius
Julia Dettmer 24.06.2025 ·
4 Minuten ·
Deutsch
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